Hat sich mein Leben verändert, seit ich Kinder habe?

Wer Kinder hat, lacht gerade noch über die Eingangsfrage. Also ja, es hat sich schon ein wenig verändert…

Komischerweise vergessen frisch geschlüpfte Eltern ihr altes Leben ja zunächst. Vermutlich eine Selbstschutzmaßnahme. Ich kenne auch Zeitgenossen, die ihr neues Eltern-Dasein komplett verklären und ihren kinderlosen (Noch-)Freunden erklären: „Mein Leben hat erst richtig angefangen, seit ich Kinder habe!“. Wie traurig ist das denn.

Aber zurück zur Ausgangsfrage. Es hat sich ganz bestimmt verändert, auch wenn ich es ab und an nicht wahrhaben will. Kinder sind ultimative Gewohnheitstiere, und so ist mein Leben regelmäßiger geworden. Es gibt beinahe so etwas wie feste Essenszeiten. Überhaupt sind Rituale wichtig. Wir wohnen viel mehr, von daher lohnt sich ein Haus mit Garten. Früher wären wir kaum zu Hause gewesen.

Den Alltag zu koordinieren ist eine echte Herausforderung. Ich bin nicht mehr nur für mich selbst verantwortlich. Wer hat wann welche Termine und wie können Kollisionen vermieden werden? Wer nimmt die Kinder, wenn wir beide arbeiten?

Jeder Tag birgt Überraschungen: du hast eine Kundenpräsentation um 9 Uhr, dein Mann einen Termin auf dem Rathaus, zwei Stunden vorher wacht dein Kind mit Fieber auf. Um schnell eine für alle Beteiligten annehmbare Lösung zu finden, jonglierst du die Bälle der Möglichkeiten in deinem Kopf. Wer kann am ehesten seine Termine absagen? Diese Art zu leben hält meiner Meinung nach in Schwung und befähigt Eltern, die sich diesem Spagat stellen, zur kreativen Ideenfindung in vielen Lebenslagen. Denn wer ein Leben voll unbekannter Variabler gekonnt managt, wird auch im Job nicht nach Schema F vorgehen. Firmen müssten ganz scharf darauf sein, Mütter als Manager einzusetzen.  Denn für Mama sind Organisationstalent und Effizienz keine Floskeln im Bewerbungsschreiben.

Was sich bei uns noch verändert hat? Als echte Reisetante möchte ich eines heute noch anführen: Das Thema Reisen. Spontane Wochenendtrips sind seltener geworden, auf alle Fälle seit wir zwei Kinder haben. Für vier Leute zu packen ist aufwändig. Noch viel schlimmer ist für unsere Kinder, wenn ihr Mittagsschlaf ausfallen muss, sie sich in einer fremden Umgebung wiederfinden und zu viel Programm geboten wird. Ich verdränge das immer wieder und schleppe meine Familie übers Wochenende nach Zürich, München, Straßburg oder sonst wohin. Und inzwischen (die Kinder sind 2 und 4) funktioniert es oft richtig gut. Ab und zu wird aber immer noch gerade dann eines krank, spukt oder die Nerven machen nicht mit. Dann werden wir wieder für ein paar Wochen häuslicher, ich gelobe Besserung und verschiebe die Weltreise in Gedanken auf weitere zehn Jahre hinaus.

Geduld gehört nicht wirklich zu meinen Talenten, aber ich habe zwei kindliche Lehrmeister. Und so ganz nebenbei: bei meinem 4-jährigen Sohn flackert schon ab und zu das Globetrotter-Gen auf, er reist auf seinem Sofa-Schiff quer durch die Welt und ich lächle still in mich hinein und freue mich auf die Zukunft.

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Eingeordnet unter Leben mit Kindern, Reisen

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