Frauenquote

„Seien Sie kreativ, sonst werden wir kreativ sein“ rief Angela Merkel diese Woche Vertretern deutscher Wirtschaftsverbände zu. Die Angesprochen werden höflich genickt haben, größtenteils aber innerlich den Kopf schütteln. Eine von Ursula von der Leyen vorgeschlagene Quote für mehr Frauen in Führungspositionen lehnt die Kanzlerin ab und setzt auf freiwillige Initiativen der Wirtschaft. Ich befürchte ihr Aufruf wird in absehbarer Zeit wenig erreichen.

In Deutschland gibt es genügend hochqualifizierte Frauen für Jobs in Top-Positionen. Bloß kommen die wenigsten ran an diese Stellen.  Denn der Weg dorthin führt klassischerweise nach wie vor über Präsenz – sprich abends als Letzte(r) gehen, Netzwerke knüpfen und Seilschaften bilden. Wer auf familienfreundliche Arbeitszeiten oder Telearbeit pocht, kann einpacken.

Diese Art zu denken wird sich erst ändern, wenn mehr Männer Privatleben und Familie einen zeitlich gewichtigeren Stellenwert einräumen. Es gibt die Paare mit Kindern, in denen beide Partner 70 oder 80% arbeiten und sich die Erziehung der Kinder und das Familienmanagement teilen. Ich bin selbst die eine Hälfte eines solchen Paares. Doch es gibt noch zu wenige Elternpaare, die gleichberechtigt Job und Leben teilen. Erst wenn ihre Zahl zunimmt und hochqualifizierte Frauen sich nicht mehr zwischen Kind und Karriere entscheiden müssen, sondern selbstverständlich beides leben können, werden viele Firmen umdenken und umdenken müssen. Und dann brauchen wir tatsächlich keine Quote.

Der Blick über den Tellerrand zeigt, dass es auch anders geht. Zum Beispiel in Skandinavien. Vergangenes Jahr organisierte ich eine Veranstaltung mit der AHK in Stockholm. Mit absoluter Selbstverständlichkeit blieben dort – weibliche wie auch männliche – Führungskräfte zu Hause, weil ihr Kind krank war. Das passiert nun in Deutschland auch, aber der faszinierende Unterschied: in Schweden hatten die Menschen kein schlechtes Gewissen, und mussten sich nicht rechtfertigen. Familie hat dort einfach Priorität. Vorige Woche ging übrigens durch die Presse, das Nato-Generalsektretär Anders Rasmussen ein internationales Treffen absagte, weil er sich um seine erkrankte Tochter kümmerte. Ich würde mir wünschen, dass man darüber in Deutschland bald nicht mehr den Kopf schüttelt.

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Eingeordnet unter Familienfreundlich?!, Mama international, Politik

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