Andere Länder, andere Lehren

Im Ausland ist keineswegs alles rosig.  CIMG2915pixelioSpannend ist es auf alle Fälle, wenn man sich da mal umhört. Und das ein oder andere würde ich gern in meine Umgebung hineinverpflanzen. Ob es sich nun um ein Weltbild oder eine Einrichtung handelt. Hier zwei Beispiele, die ich nicht unbedingt so übernehmen würde, aber die zum nachdenken anregen:

Kürzlich sprach ich auf einer Hochzeit mit Freddo aus Frankreich. Seine Frau und ich waren gleichzeitig schwanger mit unserem ersten Kind, ihre Tochter  ist zwei Wochen jünger als mein Sohn. Er erzählt es geht ihr gut und zeigt mir Fotos von einem hübschen Mädchen mit blonden Locken. Seit sie drei ist geht sie in die „Ecole“, ich denke es handelt sich um eine Vorschule. Von 8 Uhr morgens bis 18:30 abends toujours durch. Ich bin erstaunt. Ja, müde sei sie danach abends, obwohl sie dort natürlich schlafen kann. Aber in Frankreich ist das völlig normal. Als ich ihm von unserem Alltag mit Jonglage-Akten der stundenweisen Kinderbetreuung, vor allem durch die Großeltern und Eltern, erzähle, ist er wiederum total erstaunt. Wie so ziemlich alle meine Freunde, die auch im Ausland wohnen.

Jette aus England erzählte mir, wie sie morgens ihre beiden Kinder in London zur Schule bringt. Die sind vier und fünf Jahre alt. Und tragen Schuluniform: Die Tochter im Röckchen, der Junge in der Bermuda mit Kniestrümpfen und Krawatte. Mit fünf Jahren lernt ihr Sohn mit einem Computer umzugehen, er schreibt Diktate und hat Science-Unterricht, also eine Einführung in wissenschaftliche Themen. (Ich nehme jetzt einfach mal an, das es sich um eine Einführung handelt. Wobei mein Sohn ein Kinderbuch hat, in dem Einsteins Relativitätstheorie so anschaulich erklärt wird, dass ich sie jetzt auch verstehe – vielleicht ist der Science-Unterricht auch so geschickt gemacht). Um 15 Uhr 30 holt sie die beiden wieder ab. Die sind dann ganz schön k.o., doch nach dem Spielen stehen Hausaufgaben auf dem Plan. Dann Essen, Abliegen. Nicht ohne. Würde ich aber bei einem Elternabend in Deutschland ganz anders darstellen. Mein Mann war gestern dort, und kam ziemlich genervt nach Hause. Die einen verlangen mehr Vorschule, aber nach unterschiedlichen Programmen. Andere protestieren „Unsere armen Kinder, die dürfen gar nicht mehr Kind sein“. Da kommen mir die Tränen. Vor Ärger. Wenn hier ein fünf oder sechsjähriges Kind seinen Namen schreiben soll, wird das Ende der Kindheit proklamiert. Statt die Neugier und den Wissensdurst der Kinder spielerisch zu fördern und sie früher einzuschulen, führt Deutschland Geniestreiche wie „G8“ ein. Ab Klasse fünf naht also definitiv das Ende der Kindheit?

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