Über den Tellerrand: Zu Hause Mittagessen

Über den Tellerrand schauen ist immer wieder eine gute Idee. So muss man beispielsweise nicht alle Fehler selbst machen. Das gilt in der Politik, in der Wirtschaft und im ganz normalen Leben. Wir lassen uns inspirieren oder übernehmen sogar ein erfolgreiches Konzept.  Die bei uns als „Herdprämie“ titulierte, hauptsächlich von der CSU geforderte Bezahlung von Eltern (gemeint sind Mütter), die ihre Kinder zu Hause erziehen, wurde in Norwegen beispielsweise schon 2007 wieder abgeschafft wegen enormem sozialen Missbrauch – ob wir uns so eine  Suppe auch einbrocken?

Sich über Ländergrenzen hinweg mit Freunden auszutauschen, das fasziniert mich einfach. Wie viele meiner Freunde kann auch Sara aus Ljubljana nicht glauben, was in deutschen Kindergärten vielerorts noch usus ist: eine Mittagspause, die die Kinder zu Hause verbringen. In Slowenien hätte sich viel geändert seit der Unabhängigkeit des Landes, seit Frauen üblicherweise arbeiten müssen oder wollen. „Ich kann mir nicht vorstellen, zu Hause und Hausfrau zu sein“ sagt Sara – sie gehört also zu Letzteren. Ein Jahr Elternzeit gibt es in Slowenien, bereits mit 11 Monaten kann das Kind in den Kindergarten. Gut durchdacht, so gibt es einen vollen Monat der Eingewöhnungszeit, bevor die Mutter wieder zu arbeiten beginnt. Die „Grundschule“ haben die Slowenen vor kurzem von acht auf neun Jahre ausgebaut. Die Kinder gehen nicht länger zur Schule, sie werden ein Jahr früher eingeschult. Eine pragmatische Lösung, die scheinbar besser angenommen wird als G8 in Deutschland (die Gymnasialzeit wurde von neun auf acht Jahre verkürzt). Die Kinderbetreuung geht für Saras Tochter von 8 bis 15 Uhr. Das war im Kindergarten so und ist nun in der Schule nicht anders. Die Erstklässler haben bis 12 Uhr Unterricht, danach schlafen sie in der Schule, basteln oder machen Sport. So kann Sara über Mittag arbeiten und sich dann ab 15 Uhr ihrem Kind widmen.

Mein Sohn hingegen wird im kommenden Monat drei Jahre alt, damit läuft sein Platz in der Kleinkindbetreuung aus. In meinem Wunschkindergarten, der eine Betreuung über Mittag anbietet und den auch sein älterer Bruder besucht, ist leider kein Platz frei. Einen Platz gibt es nur in einem regulären Kindergarten am Ort, mit „regulär“ meine ich die Öffnungszeiten: von acht bis halb eins und von halb  zwei bis vier Uhr. Diese eine Stunde Mittagspause wird eine echte Herausforderung, nach der ich zukünftig meine Berufstätigkeit ausrichten darf: Kind also mittags aus dem Spiel herausreissen, schnell an den Herd, dem Kind etwas zu essen vorsetzen, um mich dann wieder von ihm zu trennen – für zwei Stunden. Für mein Kind und mich klingt das eher nach „Herdstrafe“, dieser deutsche Weg. Da wirkt die slowenische Lösung für mich ganz entspannt. Kind wird durchgehend betreut, während die Eltern arbeiten, und anschließend nehmen wir uns Zeit füreinander. Ich kann ihn nur empfehlen, den Blick über den Tellerrand.

P.S. Im Kindergarten meines „Großen“ wird eine sehr familienfreundliche Lösung praktiziert: Das Kind kann über Mittag im Kindergarten bleiben und essen, wann immer die Eltern diese Betreuung benötigen. Dazu trägt man bis zum Ende der Vorwoche in eine Liste ein, an welchen Wochentagen man dieses Angebot in der kommenden Woche nutzen möchte. Super flexibel, mitten in Deutschland. Geht doch! Und wird übrigens sehr gut angenommen. Häufig bleiben auch die Kinder, deren Mamas (es sind einfach nur Mamas hier am Ort, ich hoffe das ändert sich auch noch) zu Hause sind – ganz einfach weil die Kinder so gern im Kindergarten bei ihren Freunden essen wollen.

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Eingeordnet unter Mama international, Politik

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