Die Welt in Latte Macchiato

Mein dreijähriger Sohn ist das netteste Kind der Welt. Abgesehen von seiner kompromisslosen Sturheit. Leider sind meine Nerven nicht aus Drahtseil, oder nur ganz selten. Als ich gestern mit meiner Mutter und dem tobenden Kerl versuchte, nach einem ausgedehnten Spaziergang die rettende Wohnung zu erreichen, sagte ich zu ihr „Ich glaube so langsam an Horoskope. Er ist nämlich Stier, und die sollen doch starrköpfig sein“. (Ich will hier niemandem zu nahe treten. Vermutlich ist sein Aszendent auch noch Ziegenbock.) Zum Glück – für ihn – ist sein älterer Bruder äußerst  nachgiebig und gibt ihm fast immer, was er haben will. Hat sich sein Zorn gelegt, lacht er wieder sein ansteckendes Lachen, singt Lieder, erzählt Geschichten und ist ein ganz liebenswertes Kind. Und ich vergesse sehr schnell, dass ich ihn eben noch auf den Mond schießen wollte.

Dass nicht nur meine Kinder manchmal anstrengend sind, ist naheliegend.  Dennoch tut es ab und zu gut, von fremden Menschen ganz ähnliche Geschichten zu hören. Gestern lass ich ein unterhaltsames Buch zu Ende: „Auf nach Cappuccino“ von Stefanie Schneider. Ich habe es trotz meiner Erziehungsratgeber-Allergie gekauft, denn es ist keiner. Eher eine Allround-Anleitung, wie man und insbesondere Mutter das Leben gelassener leben kann.  Meiner Erfahrung nach gelingt das gut, wenn man sich die Welt farbig malt. Also nicht in „Gut und Schlecht“-Denken verfällt, sondern auch die Schattierungen dazwischen wahrnimmt. Nervenaufreibende Erlebnisse, Stress und Krisen haben oft im Nachhinein einen Sinn. Oder geben bei der nächsten Grillparty eine klasse Pointe ab. Okay, ich bin berüchtigt für meinen Optimismus. Wofür die Sturheit meines Sohnes gut sein soll, muss allerdings auch ich noch herausfinden. Jedenfalls lasse ich mich davon nicht runterziehen. Ich male meine Welt nicht schwarz-weiß, sondern lieber ín Latte Macchiato. Mit einem Löffel Zucker. Ist gut für die Nerven.

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Eingeordnet unter Leben mit Kindern, Lustig

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