Gesamtelternbeiratssitzung oder wie echte Probleme in Schupfnudeln mit Sauerkraut untergehen

Weil ich nicht laut genug „Nein“ sagen kann oder mich eben gerne auch mal für andere einsetze (oder komplett bekloppt bin, wie eine Freundin von mir so treffend meinte) wurde ich Ende Oktober zum Elternbeirat gewählt, im Kindergarten meiner Söhne. Worauf ich mich eingelassen hatte dämmerte mir erschreckend schnell, als ich die Organisation des Weihnachtsmarktstandes inklusive Bastelabend in Angriff nahm. Da ich zum Glück supertolle „Kollegen“ im Elternbeirat habe, klappte das aber ganz gut.

Überraschend war für mich die Einladung zur „Gesamtelternbeiratssitzung“. Da treffen sich Elternvertreter aller örtlichen Kindergärten bis zu vier (!) Mal im Jahr. Worum es dabei im Einzelnen geht, kann ich noch nicht abschließend sagen, aber den ersten Abend dieser Art habe ich bereits erleben dürfen. Dazu wurde eine Vertreterin aus dem Rathaus eingeladen, an die sich die Elternvertreter mit ihren Problemen aus den einzelnen Kindergärten wenden konnten.  „Das Essen geht wirklich gar nicht. Am Dienstag gab es Fischstäbchen mit Kartoffelbrei und Zucchini – das kann man doch Kleinkindern nicht vorsetzen“. „Schupfnudeln mit Sauerkraut, also nein, da haben wir Eltern beim Rathaus angerufen und uns geweigert, dieses Essen zu bezahlen!“. „Wir fordern das Berliner Modell zur Eingewöhnung unserer Kinder!“. „Schauen Sie sich mal diese Klopapierrolle an, original aus unserem Kindergarten, also das geht doch nicht, das kann man den Kindern doch nicht zumuten!“.

Als meine Kollegin und ich an die Reihe dieser „Fragerunde“ kamen, waren wir sprachlos. Wir hatten wie es schien keine Probleme, die es lohnte in der großen Runde vorzutragen. Und wenn wir welche hätten, würden wir diese bestimmt direkt – völlig unorthodoxe Methode? –  mit den Erzieherinnen besprechen.  Ganz bestimmt waren wir als Elternvertreter eine Fehlbesetzung. Denn wir lebten bislang in dem Glauben, Eltern liessen ihre Kinder in der Einrichtung Mittagessen, weil sie in dieser Zeit arbeiten. Und da ich dieser irrigen Annahme aufsaß, habe ich mir nie frei genommen um das Essen im Kindergarten zu kontrollieren. Ich gebe es zu: Ich habe schlichtweg keine Ahnung, wie qualitativ hochwertig und kindgerecht das Essen ist, welches meine Kinder dort zu sich nehmen. Es scheint ihnen jedoch meistens zu schmecken, ärgerlicherweise essen sie dort in der Gruppe sogar besser als zu Hause.

Die nette Frau aus dem Rathauses lächelte jedenfalls erleichtert und die Vertreterinnen des nächsten Kindergartens freuten sich, das sie gleich an die Reihe kamen. Ihr Kindergarten sei baufällig, der Neubau beschlossene Sache, aber wann der denn nun käme? Ohne Frage, dieses Problem gehört gehört. Schade nur, dass es vor lauter Schupfnudeln und fettigen Fischstäbchen in rauhem Klopapier beinahe unterging.

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Eingeordnet unter Leben mit Kindern, Lustig

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