Hilfe, meine Familie hat Ferien

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Der Kindergarten meiner Söhne schließt im Sommer für dreieinhalb Wochen seine Türen. Mein Mann hat übers Jahr fleißig Überstunden gesammelt, um die gesamten Sommerferien frei zu haben. Das ist herrlich, an für sich. Denn so kann ich theoretisch arbeiten und wenn ich Feierabend mache (was bei dem momentan herrlichen Sommerwetter jeden Tag eine sehr subjektive Entscheidung darstellt, die oft weit vor dem Abend fällt) Zeit mit meiner Familie verbringen.

Tatsächlich stehe ich morgens früh auf, um die kühlen Morgenstunden effektiv zu nutzen. Doch mein Büro befindet sich zu Hause, damit findet die Flucht in die Arbeit ein jähes Ende. Denn mein ältester Sohn, der gut gelaunte Frühaufsteher, ist mindestens genauso bald wach wie ich, wir frühstücken gemeinsam und er erzählt mir Geschichten. Irgendwann taucht sein kleiner Bruder auf, mit zerzausten Haaren und mürrischer Mine. Auch er verlangt nach Frühstück und meiner Gesellschaft. Ketzerisch schlage ich vor, ob sie nicht Papa wecken wollen, denn ich müsste nun wirklich mal an meinen Schreibtisch. „Wir schauen dir bei der Arbeit zu!“ heißt es dann. Innerlich verdrehe ich die Augen, denn ich weiß, was das heißt. Sie ziehen meine Bücher aus dem Schrank und fragen mich permanent äußerst wichtige Dinge, schrauben an Drucker und Faxgerät herum und versuchen in einem unbeobachteten Moment, ihre Gemälde mit meinen selbstklebenden Briefmarken zu verschönern.

Zum Glück steht bald mein Mann auf und versucht, die beiden aus meinem Arbeitszimmer zu lotsen. Der Erfolg ist selten von Dauer, alle paar Minuten entwischt einer und steht wieder bei mir am Schreibtisch. Weil er mir etwas wichtiges sagen muss. Fragen, ob ich vielleicht später auch ins Freibad kommen könnte. Oder mir einen Kuss geben will. Da fällt es oft schwer, sauer zu sein, aber nach mehrmaligen Störungen schaffe ich es dann doch. Für vernünftige Erklärungen scheinen die beiden noch nicht empfänglich. Mich selbst einschließen mag ich nicht wirklich. Kürzlich habe ich ein Schild gebastelt mit zwei Seiten. Hängt die freundliche Sonne an der Tür (was selten der Fall ist), dürfen sie eintreten. Grinst ihnen die Piratenflagge entgegen, ist das Betreten strengstens verboten. Ich fand die Idee ganz toll, doch der Erfolg ist bislang mäßig. Dabei könnte ich theoretisch morgens zügig arbeiten und ab und zu die Nachmittage mit meiner Familie im Freibad verbringen. Praktisch, wie gesagt, keine Chance. Nächsten Sommer miete ich mir definitiv irgendwo ein Büro an. Oder ich mache auch Ferien und lass die Arbeit Arbeit sein.

P.S. Während ich diese Zeilen verfasst habe, wurde ich acht Mal unterbrochen. Trotz Piratenflagge! Ich schreibe übrigens schnell, wie es sich für arbeitende Mamas gehört.

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Leben mit Kindern

2 Antworten zu “Hilfe, meine Familie hat Ferien

  1. Martin Nevada

    Liebe Peggy,
    es ist nur allzu verständlich dass dich das etwas anfrisst. Nach 20 Jahren im Home office kann ich hinzufügen, dass es uns Männern grad ganz genauso geht. Und doch habe ich mich viel zu oft gefreut, wenn einer der kleinen Knöpfe bei mir auftauchte und nach Herzenslaune stempelte, lochte, heftete.

    Und wenn im Winter der erste Schnee fiel versuchte ich so oft wie möglich den AB anzuschalten und mit ihnen rodeln zu gehen, Das Arbeitspensum musste dann halt am späteren Abend nachgeholt werden. Bie unaufschiebbaren Dingen vereinbarte ich mit ihnen das Zeitfenster was nun sein musste und hielt mich möglichst auch dran. Die Zeiten kehren nie wieder, und heute bin ich dankbar für jede Minute mit den Zuckerschnuten, die ich mir damals „leistete“.

    Viel Spaß mit deinen drei Männern und liebe Grüße aus Wien von Martin

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