Sind Smartphones praktisch oder praktisch eine Droge?

Kürzlich unternahmen wir einen Ausflug in den Kinder-Freizeitpark Traumland an der Bärenhöhle. Es war ein sonniger Montagmorgen und der Park noch ziemlich leer. Ansonsten wären mir die beiden vielleicht nicht immer wieder aufgefallen. Ob im Riesenrad, im Café oder beim Zwergenzug, diese zwei Mütter legten ihre Smartphones nicht aus der Hand. Einarmig manövrierten sie die Buggys durch den Park, mit höchstens einem Ohr waren sie bei ihren insgesamt vier Kindern. Vermutlich bekommen die spätestens zur Einschulung auch so ein Telefon, damit sie Mama nacheifern können und vor allem beschäftigt sind.

Mit Mann und ohne Kinder genoss ich diesen Sommer ein Musikfestival. Als der Headliner aufspielte, war die Stimmung extraterrestrisch gut, der Beat ging ins Ohr und in die Beine. Doch nicht alle Konzertbesucher waren gleich empfänglich dafür. Vor mir standen zwei, die mehr mit ihren Mobiltelefonen beschäftigt waren. Und sie schnitten keineswegs das Konzert mit oder machten Bilder, sondern tippten mit Überschallgeschwindigkeit Kurznachrichten. Vielleicht wurde die Facebook-Gemeinde in Echtzeit über den Auftritt informiert. Total altmodisch habe ich das Konzert in vollen Zügen genossen und kein Sendungsbewusstsein verspürt. Es macht wirklich mehr Spaß, im hier und jetzt zu leben. Mir jedenfalls.

Kennt ihr diesen Witz? Ich glaube er ist von Eckart von Hirschhausen: „Wenn in Ihrer Straße der Strom ausfällt, nützt es Ihnen nichts, 400 Freunde bei Facebook zu haben“.

Nach den beiden Geschichten ahnt der smarte Leser / die Leserin, dass ich Smartphones nicht uneingeschränkt befürworte. Auch weil ich zwei davon mein eigen geheißen habe, die – gefühlt – mehr in der Reparatur waren als in meiner Handtasche. Inzwischen sind sie in die ewigen Jagdgründe des Elektronikweltalls eingegangen, das letzte schied vor einer Woche als Garantiefall von mir. Momentan bin ich nicht geneigt, mir ein weiteres anzuschaffen. Keine Frage, ob mit Apfel-Logo oder weniger hipper Herkunft, die Dinger sind ungemein praktisch. Die Gefahr liegt meiner Ansicht nach in der Dossierung – Suchtpotential ist reichlich vorhanden. Habe ich an mir selbst gemerkt, als ich plötzlich zwischen zwei drögen Physio-Übungen dringend nachsehen musste, ob mir jemand gemailt hat. Immer öfter. Dabei hätte ich besser einen Schluck Apfelschorle getrunken oder mit den weisen Rat aus „Der Schuh des Manitou“ zu Herzen genommen: „Esst lieber mal nen (echten) Apfel“. Für alle, die die Stelle vielleicht nicht kennen, hier der Link zu youtube: http://www.youtube.com/watch?v=zTCuvY0Zp04

Vergangene Woche bestärkte mich ein Zitat von US-Schauspielerin Liv Tyler im Time Out Magazin New York:

“For me, I find it all (technology) incredibly stressful. I think it creates a sort of disconnect between you and everybody in your life. I find that I’m much happier and more creative—and a better mother and a better person in general—when I’m not that involved with machines all the time.” Und ihr siebenjähriger Sohn bekäme sicher kein Smartphone, solange er in ihrem Haus wohne.

http://www.timeout.com/newyork/film/the-hot-seat-robot-frank-star-liv-tyler

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