Working mum in Sydney: Die australische Arbeitseinstellung hilft

 

 Greta lebt mit ihrem kolumbianischen Mann in Sydney, Australien. Das Paar hat zwei kleine Söhne und ist voll berufstätig. Als Marketingmanagerin an einer Universität arbeitet sie meist von 9 bis 17 Uhr. Ich sprach mit meiner deutschen Freundin über ihr Leben auf der anderen Seite des Erdballs.

„Wir leben in Coogee, circa acht Kilometer vom Stadtzentrum entfernt und 300 Meter vom Strand weg. Schon seit wir in Sydney studiert haben leben wir hier, es ist unser allerliebster Stadtteil. Für Kinder ist es eine sehr schöne Ecke durch die Nähe  zum Strand. Außerdem gibt es viele grüne Wiesen, Parks und Spielplätze. Deshalb sieht man in Coogee auch fast nur junge Familien und ganz viele Schwangere!

aboutpixel.de / Sydney Harbor Bridge © photoking

Wie siehst du die gesellschaftliche Akzeptanz von Familien in Australien?

„Familien mit Kindern werden akzeptiert, aber nicht unbedingt unterstützt. Das fängt schon damit an, dass viele Gehwege nicht abgeflacht sind für Kinderwägen und man nur schwer über die Gehsteige kommt und nicht alle öffentlichen Busse für Kinderwägen geeignet sind und man oft eine Stunde oder länger warten muss, bis der richtige kommt. Das ist ein weiterer Grund, warum uns Coogee als Wohngegend so gut gefällt. Hier ist wirklich alles für Familien ausgelegt. Das örtliche Fitnessstudio hat einen integrierten Kindergarten, wo man seine Kinder gut behütet lassen kann, während man sportelt. Es gibt aus Mums’ Sportgruppen im Park, die einen Nannyservice für alle Teilnehmerinnen anbieten. Jedes Cafe serviert babycino (Cappucino fuer Kleine ohne Koffein) und man wird nicht schief angeguckt, wenn man seinen riesigen Kinderwagen mit rein nimmt.“

Wie vereinbarst du persönlich Familie und Beruf?

„Es ist nicht einfach. Auf der einen Seite arbeite ich gerne und finde es gut, die Möglichkeit zu haben, etwas für mich zu machen. Auf der anderen Seite denke ich oft darüber nach, wie meine Kinder im Grunde genommen von den Kindergärtnerinnen erzogen werden. Flexible Arbeitszeitmodelle sind in Australien eher die Ausnahme, so dass man oft nur die Wahl hat Vollzeit zu arbeiten oder Zuhause zu bleiben. Teilzeit geht bei uns finanziell nicht. So verpasst man eben viel bei den Kleinen. Unser großer Sohn hat beispielsweise im Kindergarten angefangen zu krabbeln und seine ersten Schritte zu tun. Wir versuchen am Wochenende immer soviel Zeit wie möglich miteinander zu verbringen, als Ausgleich für die wenigen Stunden als Familie unter der Woche. Gottseidank gefällt es ihm super im Kindergarten und er geht sehr gerne hin. Das erleichtert die Dinge (und mein Gewissen!) ungemein.

Manchmal wünschten mein Mann und ich uns mehr Zeit zu zweit und/oder Familie in der Nähe, bei der man die Kinder ab und zu mal abgeben könnte. Aber so ist das nun mal wenn man ans andere Ende der Welt zieht und seine Familie über 3 Kontinente hinweg verteilt ist.“

Was bedeutet Karriere für dich? Hat sich deine Einschätzung verändert seit du Familie hast?

 „Ich würde sagen, dass sich meine Prioritäten geändert haben. Ich wollte noch nie Geschäftsführer oder ähnliches werden, auch nicht vor den Kindern. Allerdings habe ich oft und gerne lange gearbeitet, besonders wenn es sich um interessante Projekte gehandelt hat. Das ist nun nicht mehr möglich – ich muss die Jungs bis spätestens 18 Uhr vom Kindergarten abholen – aber ich vermisse es auch nicht. Am Ende jeden Tages freue ich mich darauf nach Hause zu kommen und meine Jungs in die Arme nehmen zu können. Die australische Arbeitseinstellung hilft da. Hier arbeiten die meisten von 9am bis 5pm. Bis 6pm zu arbeiten ist da schon richtig ‚lange’! J

Obwohl meine Familie mir wichtiger ist als der Job, kann ich mir nicht vorstellen gar nicht zu arbeiten. Es macht mir Spaß zu arbeiten und ich finde es gut ein Gegengewicht zum Familienalltag zu haben, sich mit anderen Leuten umgeben und andere Themen diskutieren zu können.

In der Zukunft könnte ich mir vorstellen etwas eigenes zu haben oder selbstständig tätig zu sein. Etwas, was sich gut mit Kindern und Familie vereinbaren lässt.“

 Wie ist die Rollenverteilung zwischen dir und deinem Partner? Ist das typisch für Australien?

„Wir machen eigentlich alles 50:50. Angefangen vom hinbringen und abholen vom Kindergarten bis hin zu Arztterminen, abends kochen, Windeln wechseln, Gute-Nacht-Sagen etc.. Ich bin so aufgewachsen und könnte mir gar nicht vorstellen einen Partner zu haben, der sich nur mäßig involviert. Ich denke nicht, dass es typisch ist für Australien, obwohl man es sich wünschen würde von einer modernen Kultur. Es gibt große Unterschiede von Familie zu Familie und zwischen kulturellen/religiösen etc. Hintergründen. Australien ist so „multikulti“, dass fast jeder entweder selbst in einem anderen Land geboren wurde oder zumindest andere Wurzeln hat. Wie man da die Kinder erzieht und wie die Rollen verteilt sind, hat also viel damit zu tun wie es traditionell in den Familien/Ländern gehandhabt wird.“

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Eingeordnet unter Familienfreundlich?!, Leben mit Kindern, Mama international, Reisen

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