Sind kinderfreie Hotels ein Zukunftsmarkt?

Gleich nebenan in Stuttgart öffnet heute die Touristik-Messe CMT ihre Tore, da macht sich auch mum02 Gedanken zum Thema Urlaub. Während nachhaltige Ferien in aller Munde sind, setze ich hier mal einen anderen Schwerpunkt (vom Wort „nachhaltig“ bekomme ich als Texterin sowieso so langsam Ausschlag). „Ruhige Ferien statt Kinderlärm am Pool“ lautet der Artikel, den mir ein Bekannter diese Woche per Mail zugespielt hat. Darin ist zu lesen: „Die Lösung für ruhebedürftige Feriengäste: kinderfreie Hotels. Wellness-Bereiche mit Whirlpool, Dinner-Menüs bei Kerzenschein und für Gäste nutzbare Golfplätze schaffen den richtigen Rahmen, in dem sich Erwachsene in den Ferien entspannen und den Alltag draußen lassen können – Kindergeschrei kann dabei mitunter stören“ (Quelle: http://www.news.de/reisen-und-leben/855341810/hotels-fuer-erwachsene-ruhe-und-frieden-am-hotelpool/1/)

Habe gleich neugierig „kinderfreie Hotels“ gegoogelt und gerade mal 50.000 Treffer bekommen. Uff, bislang wohl eher eine Randerscheinung. Zum Vergleich: Die Suche nach „Familienhotels“ bringt mehr als 6 Millionen Treffer. (Übrigens war ich, obwohl seit 6,5 Jahren Mama, noch in keinem Familienhotel. Bin da ein wenig altmodisch und verbringe den Urlaub gern gemeinsam mit Partner und Kindern. (Okay, gegen zwei Stunden Kinderanimation pro Tag hätte ich auch nichts einzuwenden, aber Pauschalurlaub ist einfach nicht unser Fall)).

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Was mich ein wenig beruhigt: Deutschland scheint seinen Ruf als nicht besonders kinderfreundliches Land bislang nicht durch „adults only“ Hotels weiter zu verschlechtern. So ist im selben Artikel zu lesen:

In der Bundesrepublik ist dieser Trend noch nicht richtig angekommen, gibt der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) zu bedenken. Während sich kinderfreie Hotels in Südeuropa wachsender Beliebtheit erfreuen, gibt es keine Angaben, wie viele «adult-only»-Hotels es in Deutschland aktuell gibt.

Aufschlussreich dann der „ZEIT“-Artikel „Wer bucht kindfreie Hotels?“ (http://www.zeit.de/2012/36/Hotels-ohne-Kinder/seite-2) –

demnach sind es häufig kinderlose Paare (soweit wenig überraschend) und Lehrer oder Kindergärtner(innen) ohne eigenen Nachwuchs, die privat endlich mal Ruhe haben wollen. Aha.

Die Tourismusbranche boomt und das Angebot wird von Jahr zu Jahr diversifizierter. Ist das gut so und profitieren Touristen davon, oder sitzen wir nur Marketingtricks auf, die den perfekten Urlaub anscheinend planbar machen und die höchste Kosten-Nutzeneffizient in den Ferien vorgaukeln? Ist es wirklich toll im Raucherhotel, Vegetarierhotel, Seniorenhotel, Singleclub oder Familienhotel mit 24h Kinderbetreuung abzusteigen? Ich habe mir drei mögliche Antworten überlegt. Welche gefällt euch am besten :-)?

 

  1. PRO: Das Angebot befriedigt auf den ersten Blick eine eng eingrenzbare Zielgruppe, die im Urlaub für sich bleiben will.
  2. CONTRA: Derartige Angebote  sind realitätsfern, denn: Sorry Leute, aber Kinder, Fleischesser, Familien und Rentner gehören zum Leben dazu. Wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht, wohlweislich abgeschirmt von der Welt da draußen, wird das Verständnis füreinander von Jahr zu Jahr abnehmen. Dann werden Kinder, Schwaben oder Hundebesitzer schon mal zum „Problem“ stilisiert.  Eine Gesellschaft ist immer auch eine Gemeinschaft. Und Kinder sind Teil dieser Gesellschaft, keine Accessoires und keine nervenden Tölen (wenn doch, sind natürlich die Eltern schuld…). Daher sollte man sie nicht aus Hotels verbannen sondern gewährleisten, das beispielsweise Ruhezeiten eingehalten werden. Auf Kompromisse und Rücksichtnahme setzen statt auf Verbote.
  3. ODER brauchen wir womöglich noch viel mehr Diversifizierung, nach dem Motto „Wenn schon, denn schon“?! Wie wäre es mit dem Liegestuhl-Reservierer-Hotel, Vor-18-Uhr-am-Buffet-Drängler-Hotel, Heimwerker-Hotel, Bastel-Club, Nutella-Pension, Still-Hotel, Snowboarder-Pension, Ü80-Kreuzfahrt, All-drugs-inclusive-Klinik, ich&mein iPhone-Garni, 7x24h-Lan-Party All Inclusive Kellerpension, HobbitHotelkette, Handtaschen-Hunde-Pension – ach, die Liste lässt sich endlos fortführen. Vielleicht bewerbe ich mich bald als externe Beraterin bei Tui und Konsorten? Aber ich werde nicht für kinderfreie Hotels werben, basta.
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Eingeordnet unter Familienfreundlich?!, Leben mit Kindern, Lustig, Reisen

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