Kinder passen nicht in ein perfektes Leben

heißt ein Beitrag in Cicero  (hier nachzulesen: http://www.cicero.de/berliner-republik/geburtenrueckgang-familienplanung-kinder-passen-nicht-ein-perfektes-leben/52994). Es geht um Familienpolitik und das Geld allein potentielle Eltern nicht motivieren wird und kann, sich fortzupflanzen. Ein Auszug: „Das Los dieser potenziellen Eltern-Generation ist es, dass Männer wie Frauen in einer Welt voller Entfaltungsmöglichkeiten nach Perfektion streben – eben weil uns suggeriert wird, dass diese möglich ist. Wir wollen nicht die Fehler unserer Eltern wiederholen, wir erwarten viel von uns. Vom Jetzt, vom Heute. Einen perfekter Partner, die perfekte Hochzeit, das perfekte Facebook-Profil, die perfekte Kita für das perfekte Kind, die perfekte Schule, die perfekte Wohnung, den perfekten Stadtteil in der perfekten Stadt mit dem perfekten Job.“

Da werden in Deutschland täglich Tonnen an Ratgeberliteratur gekauft, aber anscheinend nicht gelesen.  Sonst wüssten wir Glückssucher längst, dass Glück eben nicht in der Perfektion zu finden ist. Das neueste iphone, der ultragroße Flachbildschirm, die Designercouch und der fünf-Sterne-Cluburlaub haben uns nämlich gar nicht  glücklich gemacht. Aber nach den Maßstäben unserer Konsumgesellschaft wenigstens annähernd perfekt. Kinder dagegen sind ein archaisches Feuerwerk an Ungewissheiten. Das fängt schon damit an, das man nicht wirklich planen kann, schwanger zu werden – es ist ein Glücksspiel, Pille absetzen und abwarten.  Dann nimmt unser Körper ungeahnte Ausmaße an, wir passen nicht mehr in die coolen Jeans, vielleicht sogar nie wieder. Eine Geburt? Zum Glück gibt es Kaiserschnitt, man weiß ja sonst gar nicht, wann da was auf einen zukommt…. bevor ich jetzt noch zynischer werde, haue ich mir selbst auf die Finger. Stoppppp.

Kinder sind das beste Mittel gegen Perfektionismus. Sie machen viel Dreck, sind laut und unwahrscheinlich lustig. Sie lachen und weinen, wenn ihnen danach ist. Sie sind unberechenbar und häufig unbestechlich. Außer mit Süßigkeiten. Manchmal wünsche ich sie zum Teufel und mir meine Ruhe. Sind sie weg, ist es plötzlich viel zu still. Sie haben grandiose Ideen, die keinen Aufschub dulden. Diese Woche haben wir zum Beispiel eine Murmelbahn gebaut, aus leeren Klopapier- und Geschenkpapierrollen und Tesa. Es war eine architektonische Herausforderung, sie stand ganze fünf Minuten. Dennoch wurde sie als voller, befriedigender Erfolg verbucht.

Im Gegensatz zu uns perfektionistischen, verplanten Erwachsenen sind Kinder im Geiste echte Abenteurer. Häufig verschreibt man diesen Wesen Pillen gegen ADS oder ADHS, Krankheiten einer modernen Zeit. In Wirklichkeit leiden viele Erwachsenen ja an ADS – an einem Abenteuer-Defizit-Syndrom. Daher boomen Outdoor-Motivationsseminare, Canyoning, ganz wilde Sachen, aber bitte mit Vollpension. Man kann aber auch mit den  Kindern raus in den Wald, in den Matsch, auf Bäume klettern, Hinterhöfe durchforsten. Seid ich Kinder habe, ist mein Leben ein Dschungel. Ich jongliere, reagiere, denke für mehr Menschen als mich allein. Ja ich trage sogar Verantwortung, steht mir manchmal ganz gut. Oft übernimmt das Chaos, die Wohnung ist nie länger als fünf Minuten sauber aufgeräumt und ich habe jeden Tag tausend Mal die Chance, mich in Gelassenheit zu üben. Wenn es gut läuft, kann ich darüber lachen. Übrigens, laut Eckart von Hirschhausen lachen Kinder 400 mal am Tag, Erwachsene 12 mal und Tote gar nicht. Das ist doch eine klare Tendenz.  Da lebe ich viel lieber lustig anstatt perfekt.

 

 

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Familienfreundlich?!, Leben mit Kindern, Lustig, Reisen, Uncategorized

2 Antworten zu “Kinder passen nicht in ein perfektes Leben

  1. Großartig, vielen Dank. Genau so ist es. 🙂

  2. Pingback: Glückssträhne: mum02-Rückschau 2013 | mum02: Zwischen Karriere und Krabbelgruppe

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