Notfallarbeitsplatz mit Laufstall? Aus einem deutschen Großunternehmen..

Sprach kürzlich mit einem Papa von drei Kindern über seinen Alltag in einem großen deutschen Medienkonzern. Der Personalrat hat dort nun einen Büroarbeitsplatz mit PC und Laufstall eingerichtet und ist mächtig stolz darauf. Sicherlich ist dies auch eine gute Einrichtung, allerdings wird sie – gemessen an der Größe des Unternehmens – vermutlich nur für absolute Notfälle dienen können. So gut ich die Idee dahinter finde, in diesem Umfang umgesetzt erinnert sie mich an den sprichwörtlichen „Tropfen auf den heißen Stein“. Ich selbst habe nach der Geburt meines Sohnes einen Laufstall bei mir im Büro stehen gehabt und den Kleinen anfangs täglich mit zur Arbeit genommen (es war kurz vor der Einführung der Elternzeit, ich ging acht Wochen nach der Geburt zurück in den Job). Um dennoch den eigenen Job erledigen zu können, sind Eltern, die ihr Baby mit zur Arbeit bringen, allerdings auf ein gutes Netzwerk angewiesen – verständnisvolle Chefs und hilfsbereite Kollegen. In meinem Fall arbeitete ich mit meinen Eltern im selben Betrieb, und wir konnten uns mit der Betreuung abwechseln. Als mein Sohn acht Monate alt war und immer aktiver wurde, fand ich eine sehr gute Tagesmutter für ihn, die selbst kleine Kinder hatte und bei der er sich gleich wohl fühlte. Für uns war das damals eine gute Lösung, ich bin froh, dass ich ihn nicht schon mit acht Wochen „hergeben“ musste.

Doch ich schweife ab, zurück zu dem Gespräch mit dem dreifachen Papa, der sich mehr Verständnis für Arbeitnehmer mit Kindern wünscht. Vermutlich rührt das fehlende Einfühlungsvermögen seiner Chefs daher, dass sie selbst keine Kinder haben. Tatsächlich seien sowohl die Chefs als auch deren direkte Assistenten und Sekretärinnen zu circa 90 % kinderlos. Sie haben also keinerlei Probleme mit der Kinderbetreuung. Die vorherrschenden Modelle seien „DINKys“ (double income no kids), Singles sowie ab und zu noch die klassische Familie, bei der die Ehefrau komplett beim Kind daheim bleibt. Mit diesen Kollegen konkurrieren nun Mütter und Väter, die nebenher noch den täglichen Betreuungsspagat schaffen müssen. Ein Einzelfall? Leider nicht. Es ist sehr schwierig, der häufig kinderlosen Führungsriege die Problematik zu verdeutlichen. Gleichzeitig aber höchste Zeit für deutsche Unternehmen, umzudenken*. Eine Elternquote könnte da nicht schaden (ups, jetzt habe ich laut gedacht)…

* Bei Nadel-Hersteller Groz-Beckert im schwäbischen Albstadt entsteht derzeit ein Sozialzentrum mit vorbildlicher Kinderbetreuung und Schule, mehr als 18 Millionen investiert der Betrieb dafür. Wer mehr darüber lesen will, klickt hier:

http://www.gea.de/nachrichten/wirtschaft/18+5+millionen+euro+fuer+ein+sozialzentrum.2436368.htm

 

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Eingeordnet unter Familienfreundlich?!, Leben mit Kindern, Wiedereinstieg Teilzeit und Motivation

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