Erziehungsgeheimnisse aus Paris: Buchrezension ;-)

 Nachdem mich internationale Geschichten magisch anziehen, musste ich mir dieses Buch einfach bestellen (es war nicht gleich lieferbar, so groß war wohl die Nachfrage):

„Warum französische Kinder keine Nervensägen sind – Erziehungsgeheimnisse aus Paris“ von der US-Amerikanerin Pamela Druckerman. Ich habe es dann tatsächlich an einem Wochenende verschlungen (praktischerweise verbrachte ich besagtes Wochenende im April über weite Strecken in einem Abteil der Deutschen Bahn, ganz ungestört). Dennoch hat es mit der Rezension eine Weile gedauert, aber so konnte sich das Gelesene ein wenig setzen. Obwohl, bei meinem ausgeprägten Kurzzeitgedächtnis konnte es sich womöglich eher verflüchtigen. Also mal sehen, was ich noch weiß – auch ein Gradmesser für die Qualität der Inhalte. Fangen wir mal mit dem Einband an:

Bild: http://www.randomhouse.de/Buch/Warum-franzoesische-Kinder-keine-Nervensaegen-sind/Pamela-Druckerman/e403722.rhd

Optik: Wachstischtuch-Charme meets urban style. Dazu Hardcover. Gefällt mir, vermutlich auch weil mich die Grafik an den besten der drei Erziehungsratgeber erinnert, die ich jemals gelesen habe*.

Unterhaltungswert: Definitiv hoch! Amüsant, kurzweilig, gut geschrieben. Witzig ist beispielsweise der Kontrast zwischen dem US-Background der Autorin und wie sie – derartig „geimpft“ eintaucht in die Welt der Pariser Eltern. Die gleicht in ihren Augen anfänglich einem Geheimbund à la Freimaurer, bis sie sich Schritt für Schritt und Kind für Kind einen Platz darin erobert.

Inhalt: hier greife ich mal drei Aspekte heraus, sonst wird dieser Post diese Woche nicht mehr fertig.

Sex

In einem Erziehungsratgeber? Mais pourquoi pas? Druckerman greift viele Wahrheiten auf rund um den „Mutterwahn“, will meinen, wenn sich plötzlich alles nur noch ums Kind dreht und die Menschen vergessen, dass sie auch Menschen sind, mit eigenen Wünschen und Bedürfnissen. Sprich: Geh nicht jahrelang im Schlabberlook auf den Spielplatz und wundere dich dann, wenn dein Mann nur noch auf die Mattscheibe starrt statt auf dich. Französische Schwangerschaftszeitungen werde ich beim nächsten Frankreichbesuch übrigens mal durchblättern. Laut Druckerman finden sich dort selbstverständlich Artikel über Sexspiele in der Schwangerschaft und Ratgeber, welches das beste Sexspielzeug in dieser Zeit ist (Druckerman zitiert ein Magazin namens Neuf mois wie folgt „… Davon haben alle was, sogar das Baby. Beim Orgasmus spürt es den „Jacuzzi-Effekt“, ganz so, als bekäme es eine Unterwassermassage.“) Wer nicht bis zum Frankreichurlaub warten will: Ähnliche Tipps gibt es auch online unter: http://www.neufmois.fr/couple/122,sexo-et-enceinte.

Schlafen

Eine echte Anregung für Eltern auf Schlafentzug ist das Kapitel „Schlaf Kindlein, schlaf“. Demnach beobachten französische Eltern ihre Kinder von Geburt an genau, um deren Rhythmus zu erspüren. Ein französischer Kinderarzt erklärt es im Buch folgendermaßen: „Wenn ihr Kind auf der Welt ist, stürzen sie sich nachts bitte nicht sofort darauf. Geben sie ihm die Chance, sich selbst zu beruhigen.“ Hätte ich ein Baby, würde ich die Ratschläge sofort befolgen. Aber wenn ich zurück denke, so habe ich das vielleicht sogar stellenweise getan. Sohn Nummer Eins hat mit zwei Monaten durchgeschlafen; genau zu dem Zeitpunkt, als ich wieder arbeiten ging. Ich hielt das damals für einen glücklichen Zufall. Laut Druckerman glauben Franzosen nicht an Zufälle, sie sind vielmehr überzeugt davon, dass Babys alles verstehen. Und demnach wissen, dass sie Teil einer Familie sind und Mama ihren Schlaf braucht, um am nächsten Tag zur Arbeit gehen zu können.

Essen

Scheinbar verzehren französische Kinder stillsitzend und klaglos Drei-Gänge-Menüs, ohne zwischendurch Schrei- oder Tobsuchtsanfälle zu bekommen. Das klingt richtig gut. Wir Deutschen machen offensichtlich den Fehler, Gemüse und Salat gleichzeitig mit den Nudeln zu kredenzen. Sind die Kinder richtig hungrig und gibt es zur Vorspeise nur Gemüse, essen sie das notgedrungen – so die französische Logik. Vermutlich schieben französische Eltern ihrem Nachwuchs auch nicht bei jeder Gelegenheit Biokekse, Knabberstangen oder Reiswaffeln in den Rachen. Eine Unsitte, die mich in Deutschland ehrlich nervt. Wenn ich meine Söhne um 18 Uhr vom Kinderturnen abhole, füttern Mütter ihren Nachwuchs in der Umkleidekabine aus Tupperdosen voll mit solchem Zeug. Und zu Hause am Tisch hat das Kind natürlich keinen Hunger mehr. Wer sich darüber beschwert, sollte mal scharf nachdenken. Das gleiche Spiel auch auf dem Spielplatz – ich bin scheinbar die einzige Mama, die ohne Survival Kit und Lebensmittelvorräte für mindestens drei Tage im Gepäck anreist. Mitleidig werden meine Kinder stets mitversorgt. Bin ich deshalb eine schlechte Mama? Vielleicht habe ich ja französische Gene.

P.S. Ich kenne allerdings auch französische Familien, in denen sich der Nachwuchs ausschließlich von Keksen und Nudeln ernährt. Das beruhigt mich und kratzt am allzu perfekten Franzosen-Image, das Druckerman herauf beschwört. Dennoch: Hut ab, sie hat jede Menge guter Anregungen zusammen getragen und ich kann die Lektüre uneingeschränkt empfehlen.

*Falls ihr wissen wollt, welche Erziehungsratgeber ich zu Beginn des Abenteuers „Mutter werden“ gelesen habe:

1. „The Yummy Mummy’s Survival Guide“ von Liz Fraser – britischer Humor, cooler Stil, schöne Geschichten ohne „Dutzidutzidu“. Ich habe dieses Buch geliebt, weil es mich zum Lachen brachte, viele Wahrheiten enthielt und endlich mal ehrlich klang. Die Autorin sagt selbst: „I wrote this book because, after many years of talking to other Mums, I realised there was a desperate need for motherhood to be portrayed in a more positive, more contemporary, more realistic light.“ Danke, Liz!

2. Remo Largos „Babyjahre“ (ganz okay, soweit ich mich erinnere, aber viel ist nicht hängen geblieben).

3. „Oh je ich wachse“, ich glaube das war aus den Niederlanden. Jedenfalls hatte es mir eine Freundin geschenkt, die sehr viele Erziehungsratgeber liest (soweit ich mich erinnere, war der Largo auch von ihr). Ich fand schon den Titel doof und den Inhalt unsäglich, meinem Mann ging es ebenso. Damals haben wir eigentlich beschlossen, ein gemeinsames Buchprojekt „Eltern werden, gelassen bleiben.“ zu starten. Doch dann hatten wir wohl doch keinen Nerv dafür 😉

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5 Kommentare

Eingeordnet unter Frau und Job, Leben mit Kindern, Lustig, Mama international, Reisen

5 Antworten zu “Erziehungsgeheimnisse aus Paris: Buchrezension ;-)

  1. Die Babyjahre von Lemgo habe ich auch auf dem Nachttisch liegen gehabt, oft reingeguckt, genickt, und nicht viel behalten :). Und Reiswaffeln gehören verboten.

    Lieben Gruss! Christine

  2. Huch – ich muss ins Bett. Remo Largo ist nicht Lemgo.

  3. Den Largo hab ich nie gelesen, bei mir lag „Das Geheimnis glücklicher Kinder“ von Steve Biddulph neben dem Bett.
    Oh, und ich musste nach dem Kinderturnen und auf dem Spielplatz immer was zum Essen dabei haben (meist Obst). Ihr seid anscheinend mit Kindern gesegnet, die bei Heißhunger gelassen bleiben und immer noch gute Laune haben.

    Lieben Gruß
    Birgit

  4. Martina Koch

    Hi Peggy, Deine Zeilen machen richtig Freude!!! Tja, dass sich die Franzosen in ihrer Lebenslust von nichts beeindrucken lassen…,Klasse!! So vergisst man nicht, was man zu Anfang war und ( trotz oder gerade wegen der Kinder) bleiben sollte: ein liebendes Paar!! Und dass franz. Kinder schön sitzen bleiben während eines Essens könnte auch mit dem „Training“ im frz. Betreuungssystem zusammenhängen. Schade, dass die ärztliche Kollegin an Deiner Lesung wegen Krankheit ihres Mannes verhindert war. Sie wollte uns über Betreuung in Frankreich erzählen und näher eingehen auf ihre Bemerkung:“ ich erzähle meiner Mutter besser nicht, wie streng es manchmal schon bei den Kleinen zugeht.“

    Auf jeden Fall machst Du ( auf Deine besondere Art) neugierig auf dieses Buch! Super!

    LG Martina

    Mobil versandt

    Martina Koch Networking Mobil: 00491718634073

  5. Pingback: Buchtipp: „52 wunderbare Wochenenden“ von Sabine Bohlmann | mum02: Zwischen Karriere und Krabbelgruppe

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