Schwanger in New York: Penner, Prostituierte und ein Neugeborenes

Kinderkriegen in New York vs. Deutschland: Sarah erzählt

Kinderkriegen in New York vs. Deutschland: Sarah erzählt bei mum02 darüber

 

Eine deutsche Freundin von mir hat ihr erstes Kind bekommen – nicht in Deutschland, sondern mitten im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, in New York City, Lower Manhattan. Was sie darüber erzählt, zeigt mir mal wieder, dass wir hierzulande sehr gut versorgt sind. Auch als ganz normale Kassenpatientin. Denn unbegrenzte Möglichkeiten können manchmal grenzenlos unheimlich sein. Oder wie Sarah sagt „New York ist nichts für Weicheier“. 

Die Geburt

Sarah*: „Insgesamt dauerten Wehen und Geburt 35 Stunden, ohne Pause. Zuerst waren wir lang daheim. Als die Wehen immer heftiger wurden, marschierten mein Mann und ich zu Fuß ins vier Minuten entfernte Krankenhaus. Dort bekam ich eine PDA, die sie für drei Stunden haben wirken lassen. Das war herrlich. Aber da ich dann keine richtigen Wehen mehr hatte, haben sie sie wieder abgestellt und die „push phase“ ging dann unbetäubt über fast vier Stunden, so dass ich am Schluss echt gedanklich mit dem Leben abgeschlossen hatte. Ich habe noch nie so was Anstrengendes hinter mich gebracht. Leider hab ich auch viel Blut verloren, so dass ich danach ziemlich blass und wackelig war. Und da sie mich und unser Baby nach 24 Stunden schon heimgeschickt haben, „wurschtelten“ mein Mann und ich uns fortan so durch.“

Nightmare im Emergency Room: Penner, Verbrecher, Prostituierte und ein Neugeborenes

Sarah: „Ich habe einen fiesen Dammschnitt bekommen, der mir sehr zu schaffen machte. Einen Tag nach der Entlassung aus dem Krankenhaus ist er zum ersten Mal wieder aufgeplatzt. Zu Fuß eilten wir – ich im Schlafanzug – in den Emergency room (das Krankenhaus liegt nur vier Gehminuten entfernt). Es war erneut eine Grenzerfahrung. Wir sind um 22 Uhr dort eingelaufen und kamen erst morgens um 2 Uhr wieder raus! Warum? Weil sich die Abteilungen des Krankenhauses nicht absprechen und man uns „vergessen“ hatte. Die vier Stunden werden mir nicht nur aufgrund meiner irren Schmerzen, sondern vor allem aufgrund der Gesellschaft dort, immer im Gedächtnis bleiben. Wir teilten die dreckigen Räumlichkeiten mit einem betrunkener Penner, den sie zur Ausnüchterung auf einer Pritsche festgebunden hatten und der dauernd schrie, weil ihm das nicht passte. Auf der anderen Seite lag ein Verbrecher in Handschellen, bewacht von zwei Polizisten mit Knarre im Anschlag, der zusammengeflickt wurde. Dazu kamen zwei verprügelte Prostituierte, die sich gegenseitig die ganze Zeit angeschrien haben. Dazwischen mein Mann, unser zwei Tage altes Baby und ich mit meinen Schmerzen. Wahrscheinlich hätte auch ich viel lauter schreien sollen. Endlich wurde ich dann genäht. Das tat scheusslich weh und mir war hinterher einfach nur schlecht. New York ist bestimmt kein Platz fuer Weicheier… “

Krankenkasse und finanzielle Unterstützung? Mager…

Sarah: „Wir bekommen, anders als in Deutschland, keinerlei staatliche Unterstützung. Lediglich eine minimale Steuererleichterung. Diese wird aber mehr als aufgefressen, weil nun die Krankenversicherung für eine Familie und nicht mehr für ein verheiratetes Paar berechnet wird…  Die Krankenkassenleistungen sind auch eher bescheiden, ein Selbstbehalt selbstverständlich. Beispielsweise für:

  • Geburt & Emergeny Room: $ 1000 Selbstbeteiligung
  • Akupunktur / Chiropraktiker: $ 800, komplett selbst bezahlt, wird nicht unterstützt
  • Private Hebamme für Geburtsbegleitung: $ 2000 plus Zusatzdienstleistungen nach der Geburt
  • Medikamente nach der Geburt: $ 100, alles Selbstzahler“

Hebammenbetreuung und Mutterschutz – ein Luxus

Sarah: „Eine Hebammenbetreuung gibt es nicht. Allerdings kenne ich eine deutsche Hebamme hier, die schon zu uns nach Hause kam und Hilfestellung gegeben hat. Das kostet dann aber 80$ pro Stunde. Es ist schon herrlich, was Deutschland diesbezüglich alles bietet. Aus meiner momentan Sicht das reinste Schlaraffenland. Trotzdem bekommen die Amis Kinder wie die Verrückten. Und die Deutschen heulen dagegen oft, wie schlecht alles ist. Schade. Ich habe durch die Zeit in New York wirklich eine hohe Wertschätzung entwickelt für vieles in der alten Heimat. Es ist nicht alles super, aber vieles wirklich sehr gut. Der deutsche Mutterschutz zum Beispiel. Eine gesetzliche Regelung gibt es hier in den USA nicht wirklich, man arbeitet bis zur Geburt und anschließend durfte ich gerade mal einen Monat zu Hause bleiben.“

* Den Vornamen haben wir geändert.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Familienfreundlich?!, Frau und Job, Mama international, Politik, Wiedereinstieg Teilzeit und Motivation

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