Urlaubseindrücke: Mit Kindern unterwegs in Finnland

Nachdem wir gerade zwei Wochen auf Familienurlaub in Finnland waren, will ich heute ein paar meiner Eindrücke mit euch teilen. Wer mein Buch „Zwischen Karriere und Krabbelgruppe“ gelesen hat, ist bereits im ersten Kapitel meiner finnischen Freundin Petra und ihrer Familie begegnet. Sie haben wir diesen Sommer wieder besucht und ihre großartige Gastfreundschaft genossen! Mutterschaftspakete, Kindertagesstätten von 7 bis 17 Uhr und im Bedarfsfall sogar 24 h am Tag – Finnland hat einiges zu bieten für beruftstätige Eltern und ihre Kinder. Im Urlaub musste ich allerdings feststellen, dass die Kinderfreundlichkeit im Alltag auch in Finnland ihre Grenzen kennt.

Überall zu finden: Lakritze liegen die Finnen, ob süß oder salzig!

Überall zu finden: Lakritze lieben die Finnen, ob süß oder salzig!

Im Restaurant gab es nicht immer Kindergerichte, und wenn doch, war dies am Preis nicht zu spüren. Für einen Kinderteller Nudeln mit Tomatensoße bezahlten wir in einem wirklich einfachen Lokal 11,90 Euro. Überhaupt, die Preise: Ein Stück Kuchen kostet 6 bis 8 Euro, ein Hefeteilchen 3 bis 4 Euro, eine Pizza Margarita circa 15 Euro. Obwohl es unser Budget gesprengt hat, waren wir ab und zu essen. In keinem der Lokale schenkte man den Kindern besondere Aufmerksamkeit*, es gab zum Beispiel nie Malstifte oder gar einen Lolli zum Nachtisch. Letzteres mag daran liegen, dass finnische Kinder im Allgemeinen nur samstags Süßigkeiten essen sollen. Auch habe ich es unterwegs so gut wie nie erlebt, dass die Kinder angelächelt wurden – das hängt sicher mit der meist sehr zurückhaltenden Art der Finnen zusammen. Apropos ausgehen und Restaurants: In Finnland bestellt man grundsätzlich am Tresen und bezahlt auch sofort. Man bekommt dafür ein Nummernschild, das man auf seinen Tisch stellt, bis die Bestellung eintrifft. Bis wir das Konzept kapiert hatten, saßen wir zwei Mal in einer Gartenwirtschaft und dachten „Wieso beachtet uns denn niemand?“. Dann ging uns ein Licht auf…

Lesen konnten wir ja nichts, aber auf Nachfrage waren die Menschen hilfsbereit und sprachen meist auch sehr gut Englisch. Ein bißchen finnisch haben wir unterwegs auch gelernt – das ist schon toll, wenn man zu Gast in einer finnischen Familie sein darf.

Mämmi, eine finnische Dessert-Spezialität: Ein süßer Brei aus Malz und Zucker, mit Vanillesoße ganz lecker

Mämmi, eine finnische Dessert-Spezialität: Ein süßer Brei aus Malz und Zucker, mit Vanillesoße ganz lecker

*Nachtrag: an unserem letzten Abend in Helsinki landeten wir in der Obhut äußerst lustiger und freundlicher Kellner, die auch mit den Kindern viele Späße machten und ihre angestaubten Deutschkenntnisse auspackten!

Im Mumin-Theater!

Im Mumin-Theater!

Freizeit

Es gibt gerade im Sommer jede Menge Attraktionen für Kinder, Freizeitparks wie das „Muminland“ in Naantali (überhaupt, die netten Mumins bevölkern das ganze Land). Allerdings haben die Parks ihren Preis – pro Person zahlten wir für einen Tag im Muminland 25 Euro, in einem Park für etwas größere Kinder zahlen alle über 120 cm Körpergröße sogar 37 Euro Eintritt. Und die Attraktionen im Park sind zum Großteil nicht inklusive, sondern kosten extra. Die Mumins haben wir dennoch absolut ins Herz geschlossen und lesen derzeit das Buch „Geschichten aus dem Mumintal“. Und in Lahti fanden wir dank unserer Freunde einen wunderbaren Park mit Ritterburg, Spielplätzen und Verkehrsübungsplatz inklusive Fahrzeugen für die Kleinen – Eintritt frei (dafür fahren gerade kinderreiche Familien wohl extra aus Helsinki die 100 km nach Lahti).

Schule

Lustig fanden die Finnen, dass wir Deutschen soviel Geld für einen Schulranzen ausgeben! In Finnland kauft man den Kindern einen Rucksack im unteren zweistelligen Euro-Bereich. Dementsprechend wenig Aufhebens machen die Finnen auch um den Schulranzen. Petras Sohn wird am 12. August eingeschult und als wir Ende Juli zu Besuch kamen, hatten sie noch keinen Ranzen für ihn. Ich war ganz beeindruckt ob ihrer Coolness dieses wichtigen Themas gegenüber 🙂 (in Deutschland werden die zukünftigen Erstklässler ja ungefähr ab Ostern gefragt: „Hast du schon einen Schulranzen?“). Die Einschulung selbst ist kein Fest in Finnland, die Kinder gehen am ersten Montag nach den Sommerferien einfach allein in die Schule.

Übrigens habe ich später in Helsinki dann doch einige Lego-Rucksäcke entdeckt, die optisch in Richtung Schulranzen gingen und für stolze 79 Euro zu haben waren. Für Scout-Kunden aus Deutschland natürlich immer noch ein Schnäppchen! Was die Kinderbetreuung für Schulkinder angeht, gibt es auch in Finnland wohl Engpässe. Petra erzählte mir, einige Kinder bekämen keinen Platz und wären – wenn die Eltern beide berufstätig sind – schon ab der ersten Klasse am Nachmittag allein zu Hause. Denn der Unterricht endet in den ersten Klassen häufig um 11 oder 12 Uhr.

Unsere Kinder haben die Zeit mit ihren finnischen Freunden sehr genossen

Unsere Kinder haben die Zeit mit ihren finnischen Freunden sehr genossen

 

Die Finnen sind ja ein sehr naturverbundenes Volk, daher möchte ich euch meine Vogelstimmen-Erlebnisse nicht vorenthalten. An ungemütlichen Orten wie riesigen Tiefgaragen (das Zentrum Helsinkis ist quasi unterhöhlt) oder Flughafentoiletten beschallen sie die Besucher mit sanftem Vogelgezwitscher aus finnischen Wäldern. Nette Idee, oder?

P.S. Sehr angenehmer Nebeneffekt der fremden finnischen Sprache: Am Strand riefen nur meine Kinder „Mama“, alle anderen schrien „Äiti“.

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5 Kommentare

Eingeordnet unter Familienfreundlich?!, Leben mit Kindern, Mama international, Reisen

5 Antworten zu “Urlaubseindrücke: Mit Kindern unterwegs in Finnland

  1. Liebe Peggy,

    Interessant, wie Kinderfreundlichkeit in anderen Ländern gelebt wird!
    Ehrlich gesagt, finde ich es sehr angenehm, wenn Kinder nicht ständig und überall mit Lollies, Malbüchern, Bonbons etc. begrüßt werden. Zum Einen, weil ich finde, dass um Kinder des öfteren mal zuviel Aufhebens gemacht wird, anstelle ein selbstverständliches, unaufgeregtes Kinder-sind-dabei-und-gehören-dazu zu ermöglichen. Zum anderen, weil ich mich oft frage, welches Weltbild wir Kindern eigentlich vermitteln, wenn sie überall Geschenke und Süßigkeiten bekommen? Ich kenne beispielsweise viele Jugendliche, denen der Übergang ins Studium / Berufsleben extrem schwer fällt, weil sie darauf warten, dass ihnen jemand ihnen alle Situationen „versüßt“ und langweilige und anstrengende Situationen verhindert.

    Liebe Grüße
    Angela

    • Hallo Angela,
      danke für deinen Kommentar! Ja, so kann man es sicher auch sehen. Und tatsächlich finde ich wie du, Kinder sollten nicht ständig Süßigkeiten geschenkt bekommen. Wir waren zuvor zum Beispiel in Slowenien im Urlaub, und dort wurden lachende oder lärmende Kinder eben mit einem Lächeln oder verständnisvollen Blicken quittiert, während ich in Finnland eher das Gefühl hatte, sie ständig zur Ruhe ermahnen zu müssen… Und wenn sie im Lokal eine Stunde aufs Essen warten müssen, tut ein bißchen Malen nebenher schon sehr gut. Also: Ich erwarte keinen Lolli, finde es aber schön, wenn man Familien das Gefühl gibt, willkommen und nicht bloß geduldet zu sein.
      Schöne Grüße,
      Peggy

      • Liebe Peggy,
        Ich bin ganz Deiner Mienung: Familien mit Kindern sollten überall willkommen sein.
        Da finde ich die holländische Nordseeküste sehr vorbildlich: da sind ganz selbstverständlich überall Kinderstühle, Spielplätze (teils auch überdacht) am Restaurant, Kinderteller. Bei kleinen Kindern fragt die Bedienung nach, ob ein Gläschen gewärmt werden soll und das wird dann auf einem Unterteller und mit Löffel „serviert“. Kinder gehören da einfach selbstverständlich dazu…
        Sonnige Grüße
        Angela

  2. Wenn die Kinder willkommen sind, dann fühl man sich auch als Elternteil sehr wohl und vielerorts sollte viel mehr Rücksicht auf Kinder genommen werden. Die Erfahrung mit der holländischen Nordseeküste habe ich auch gemacht. Auch wir haben uns dort sehr wohl gefühlt.

  3. Pingback: Glückssträhne: mum02-Rückschau 2013 | mum02: Zwischen Karriere und Krabbelgruppe

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