Papa in Kolumbien: „Auf eine neue Familie kannst du dich nicht bewerben“ (Teil 1)

Vergangenen Donnerstag war ich zu Gast auf Schloss Falkenberg für eine Lesung. Statt dem einen Quotenmann waren quasi 10 Männer anwesend  (darunter allerdings auch mein eigener Mann sowie unsere beiden Söhne). Dennoch: Rekord! Für mich auf jeden Fall ein Anlass, Papas ins Rampenlicht von mum02 zu rücken. Zuletzt habe ich Andi aus Schweden hier vorgestellt, das ist schon eine Weile her. Zum Thema „working dads international“ möchte ich euch Alveiro aus Kolumbien vorstellen. Ihn habe ich über sein Leben als engagierter Papa mehrfach interviewt. Entstanden ist ein ausführliches Kapitel über das Familien- und Arbeitsleben in einem Land, das ganz andere Regeln folgt als unseres.

Acht Wochen vor Weihnachten fällt mir dazu ein, eine Fortsetzungsgeschichte daraus zu machen, eine andere Art Adventskalender, verpackt in wohlbekömmliche Päckchen. Claro que sí!

Alveiro mit seiner Familie

Alveiro mit seiner Familie

Steckbrief Kolumbien.

Einwohner: 46 Millionen

Fläche: 1,141 Mio. km2
Hauptstadt: Bogotá; ca. 7,3 Mio. Einwohner

Regelarbeitszeit: 48 Stunden pro Woche

Finanzielle Unterstützung für Familien / Mutterschutz und Elterngeld: Drei Monate Mutterschutz, beginnt eine Woche vor dem Geburtstermin. Väter bekommen nach der Geburt fünf Tage frei. Die Kinderbetreuung wird meist privat geregelt.

Zahlenquelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Kolumbien

 

Sie ziehen sich wie eine Perlenkette durch Alveiros 50-jähriges Leben: Menschen, die an ihn geglaubt und ihn unterstützt haben. Hart zu arbeiten und für andere da zu sein ist für den Landesvorsitzender des kolumbianischen YMCA essentiell. Längst ist aus ihm selbst eine Perle geworden, ein Mentor, der es sich zum Beruf gemacht hat, Menschen weiter zu helfen. Oberste Priorität in seinem Leben haben seine Töchter (8 und 10 Jahre) – wenn sie ihn brauchen, sagt er schon mal eine Geschäftsreise ab.

„Meine Frau und ich sind seit 11 Jahren ein Paar. Wir haben zwei Töchter. Danna Sophia ist zehn geworden, Juliana acht Jahre alt. Wir stehen uns sehr nahe, reden unglaublich viel. Jeden Abend erzählen sie mir von ihrem Tag und fragen nach, was ich erlebt habe. Ich liebe meine Arbeit und früher bin ich auch liebend gerne gereist. Doch seit wir Kinder haben, sind die vielen Reisen das Schlimmste für mich. Denn dann vermisse ich meine Kinder so sehr. Zum Glück verstehen die Mädchen, dass die vielen Geschäftsreisen Teil meines Jobs sind, schließlich sind sie damit aufgewachsen. Oft helfen sie mir beim Packen. Indem ich sie involviere, erleichtere ich uns die Trennung. Umso älter sie werden, umso mehr Zeit wollen sie mit mir verbringen. Sie haben so viele Fragen. Wenn ich zwei, drei Tage weg bin, beginnen sie mich zu vermissen, sie schreiben mir E-Mails und liebe Nachrichten. Nächste Woche ist es wieder soweit: Eine kleine CVJM-Delegation aus Deutschland hat sich angekündigt und ich werde mit ihnen durchs Land reisen. Komme ich an normalen Tagen abends nach Hause, werde ich verwöhnt. Danna und Juliana massieren mich, kratzen mir den Rücken, kämmen mir die Haare. Oft höre ich: „Papa, ich liebe dich!“ Sie haben wirklich keinerlei Hemmungen, ihre Gefühle zu zeigen. Das macht mich sehr glücklich, denn ich habe uns als Familie immer dazu ermutigt. Es ist wichtig, Gefühle in Worte fassen zu können. Doch die meisten Menschen haben das nie gelernt.“

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Familienfreundlich?!, Leben mit Kindern, Mama international, Politik, Reisen

Eine Antwort zu “Papa in Kolumbien: „Auf eine neue Familie kannst du dich nicht bewerben“ (Teil 1)

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