Papa in Kolumbien: „Wenn ich mir Zeit für meine Kinder nehme, tue ich mir selbst einen Gefallen“ (Teil 3)

Alveiro erzählt:

Meinen Tagesablauf versuche ich stets so einzurichten, dass ich möglichst viel Zeit mit meinen Kindern verbringe. Damit tun sich Eltern selbst einen Gefallen, denn das macht so viel Spaß! Es ist wunderbar, das Leben seiner Kinder zu teilen, sie aufwachsen zu sehen, neue Wörter, neue Verhaltensformen und Ideen, neue Sätze und Ausdrücke, Lieder, Reime zu erleben. Wenn sie dir sagen “Papa ich liebe dich”, dir um den Hals fallen und dich ganz fest drücken – was gibt es Schöneres? Wenn ich anderen Vätern einen Rat geben könnte, wäre es der: „Denk daran, dass die Familie das Wichtigste im Leben ist. Einen Job wirst du immer haben oder wieder finden, aber auf eine neue Familie kannst du dich nicht bewerben”. Ob wir es wollen oder nicht, wir sind Vorbilder für unsere Kinder. Wenn wir als Eltern keine Zeit für sie haben, werden sie uns als Erwachsene kaum besuchen kommen – sie kennen es ja nicht anders und werden ebenfalls keine Zeit haben. Zeit ist etwas, das man sich nehmen muss und gut einteilen sollte.

 

Wie gut oder schlecht Eltern Familie und Beruf vereinbaren können, hängt allerdings weniger von den einzelnen Eltern als vielmehr von der Gesellschaft ab. Sicher kann und sollte man versuchen, seine Zeit besser zu organisieren. Doch wenn die Arbeitsstätte weit entfernt liegt, hilft das ganze Organisieren nicht. Wir brauchen vielmehr ein System, in dem die Menschen zum einen weniger Arbeitsstunden ableisten müssen und zum anderen brauchen wir kürzere Wege.

 

Vor einigen Jahren besuchte ich Schweden. Die Eltern dort schienen ihre Kinder in der Nähe ihrer Arbeitsstätte zur Betreuung unterzubringen. Sie verließen morgens gemeinsam das Haus und setzten die Kinder unterwegs am Kindergarten oder in der Schule ab. Das erschien mir sehr praktisch, Schulen in der Nähe der Arbeitsstätte der Eltern zu haben. Überhaupt hat mich das schwedische Modell sehr beeindruckt, es ist so modern und durchdacht.

 

Echte Partnerschaft

Meine Frau Yudy, Psychologin in leitender Funktion, entschloss sich nebenher noch einen Master zu absolvieren, als unsere Kinder gerade vier und sechs waren. Die Fortbildung war ihr wichtig und ich habe sie dazu ermutigt, indem ich zum Beispiel die Unterlagen bei der Universität besorgte und ihr gut zuredete, den Schritt zu wagen. Sie hatte Zweifel im Vorfeld: „Was ist mit unseren Töchtern, kommen sie nicht zu kurz, ich habe so schon zu wenig Zeit für sie?“. “Es sind ja nur zwei Jahre“, beschwichtigte ich, „und ich bin ja da, um mich mehr um sie zu kümmern. Wir kriegen das schon hin!“ Sicherlich war es eine gewisse Belastung für uns als Familie, doch ich übernahm in der Zeit den Großteil der elterlichen Aufgaben, blieb mehr zu Hause und arbeitete auch möglichst viel im Homeoffice.

Es ist gut und wichtig, dem Partner Raum zur Weiterentwicklung zu geben. Das macht doch eine gute Partnerschaft aus: Gemeinsam zu wachsen und sich gegenseitig den Rücken frei zu halten. Ich weiß auch, das wir keine durchschnittliche Familie sind. Zumindest wimmelt es in Bogota nicht gerade von verheirateten Paaren mit kleinen Kindern, die neben ihrer Arbeit studieren oder Geschäftsreisen absolvieren. Es geht bei uns, weil wir uns absprechen und weil wir die Tante haben. Es gibt auch Momente, in denen sich die beiden Frauen in die Haare bekommen, aber wir dürfen uns glücklich schätzen, dass die Tante bei uns ist.

 

Ihr habt die ersten Teile von Alveiros Geschichte verpasst? Einfach hier nachlesen:

Teil 1 „Auf eine neue Familie kannst du dich nicht bewerben“

Teil 2 „Menschlichkeit ist wie ein Samen“

 

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Familienfreundlich?!, Leben mit Kindern, Mama international, Reisen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s