Papa in Kolumbien: „Ich bin das Unterhaltungsministerium der Familie“ (Teil 5)

Alveiro erzählt:

In unserer Familie verkörpere ich das Unterhaltungsministerium. „Lasst uns Eis essen gehen“; „Kommt wir gehen ins Kino“, „Tanzen wir doch durchs Haus“ – ich sprühe nur so vor bunten Ideen. An meiner Frau bleiben oft die weniger angenehmen Arbeiten hängen, organisatorische Dinge. Seit meine Frau Yudy ihren Master absolviert hat, verbringt sie wieder mehr Zeit mit den Kindern. Meist kommt sie vor mir nach Hause und hilft bei den Hausaufgaben. Wir necken uns häufig, was die Aufgabenverteilung anbelangt. Ich sehe meine Familie nicht so viel, und so packe ich möglichst schöne Erlebnisse in unsere gemeinsame Zeit. Ich möchte mit ihnen tanzen, lachen und Spaß haben.

 

Über Werte und Gleichberechtigung

Eine vollkommen gleichberechtigte Aufteilung haben wir sicher nicht in allen Bereichen, weder finanziell noch in puncto Hausarbeit. Aber mit Sicherheit teilen wir die Verantwortung hundertprozentig. Wir schätzen dieselben christlichen Werte und Ansichten in der Erziehung und versuchen, gute Beispiele abzugeben. In den Augen der Kinder sind wir stets einer Meinung. Und wir zeigen ihnen täglich, dass nichts umsonst ist im Leben, sondern das man sich alles verdienen muss. Das betone ich sehr, dieses Wort „ganar“ (verdienen). Manchmal sage ich zu Danna und Juliana: „Hattet ihr eine gute Woche, habt ihr euch angestrengt in der Schule? Nun, dann habt ihr es verdient, dass wir zum Essen ausgehen.“ Solche Zusammenhänge sind mir wichtig, eine Philosophie, die ich mit Yudy teile. Was die Finanzen angeht, habe ich etwas mehr Glück indem ich mehr Geld verdiene und daher mehr zum Unterhalt beisteuern kann. Die Schulausbildung unserer beiden Töchter kostet uns pro Monat 1.400 US Dollar. Darin enthalten sind Schulgeld, Busfahrten und Mittagessen. Es ist viel Geld. Tatsächlich geben wir den Großteil unserer Einkommen für Bildung aus, denn wir sind fest davon überzeugt, dass sie neben der Familie die beste Grundlage fürs Leben ist.

 

Südamerikanischer Macho? Nein, danke.

Selbstverständlich teile ich nicht nur die Verantwortung mit meiner Frau, sondern packe auch im Haushalt mit an. Am Wochenende, wenn die Tante nicht da ist, mache ich das Frühstück. Es ist nicht unbedingt meine Leidenschaft, Geschirr wegzuräumen, aber es ist auch nicht schlimm. Am Wochenende kocht oft meine Frau und ich putze nebenher oder räume auf. Das macht mir gar nichts aus, im Gegenteil empfinde ich solche Tätigkeiten sogar als entspannend. Dabei kann ich in Ruhe nachdenken, es ist beinahe therapeutisch. Der “Machismo” ist in Kolumbien allerdings noch weit verbreitet. Gerne wäre ich diesbezüglich auch im Privatleben ein Vorbild für andere. Kürzlich verbrachten wir ein Wochenende mit unseren mexikanischen Nachbarn, der Vater arbeitet als “Expat” in einer Großbäckerei hier in Bogota. Seine Frau nennt ihn einen echten Macho. Haushalt ist für ihn Frauensache, er spült kein Geschirr, putzt nicht und rührt auch sonst keinen Finger daheim. Nach dem gemeinsamen Wochenende gab ich ihr Recht.

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