Papa in Kolumbien: „Mit 10 Jahren musste ich Geld verdienen“ (Teil 7)

Was reden die da?

Diese fremdartige Sprache hörte ich zum ersten Mal als Teenager, ich war damals Laufbursche in einem Hotel. Neugierig wie ich war fand ich heraus: Es war Englisch. Das wollte ich auch lernen. Und so wurde ich Englischlehrer. Doch am besten ich erzähle meine Geschichte ganz von vorne:

Meine Familie stammt aus Aguadas in der Provinz Caldas, gut zehn Stunden entfernt von Bogota. Ich habe vier Brüder und zwei Schwestern. Mein Vater war Kaffeebauer, ein einfacher Arbeiter mit geringem Verdienst. Meine Mutter kümmerte sich zu Hause um uns, sieben Kinder zu erziehen ist harte Arbeit. Immer wieder flammten bewaffnete Konflikte in unserer Gegend auf, zwischen der kolumbianischen Armee, linken und rechten Guerillakriegern. Ich war gerade sieben Jahre alt, mein jüngster Bruder noch ein Baby, als meine Eltern die Gegend verlassen mussten, um nicht selbst Opfer der Gewalt zu werden. Sie gingen mit uns nach Bogotá, wo wir Unterschlupf bei der Familie meines Onkels fanden. 14 Personen teilten sich ein einziges Zimmer. Wenn ich daran zurückdenke, weiß ich umso mehr zu schätzen, was ich heute habe.

Mein Vater fand Arbeit auf dem Bau, eine leider schlecht bezahlte Tätigkeit. Daher mussten meine älteste Schwester und mein großer Bruder zum Unterhalt der Familie beitragen, sie waren damals 14 und 16 Jahr alt.[1] Auch ich fing früh an zu arbeiten, mit 10 Jahren hatte ich die ersten Aushilfsjobs. Zunächst half ich in den Ferien auf dem Bau, schleppte Ziegelsteine und mischte Zement an. Nach der neunjährigen Regelschule wechselte ich auf die Abendschule und arbeitete tagsüber in Vollzeit.[2] So konnte ich die vollen elf Jahre zur Schule gehen und mein Abitur machen. Allerdings bin ich im Klassenzimmer oft eingeschlafen – die Arbeit auf dem Bau war anstrengend.

Nach vier Jahren hatte ich genug davon und beschloss, mir etwas anderes zu suchen. So fing ich in einem Supermarkt an, mit meinem Einkaufswagen lieferte ich den Leuten ihre Einkäufe nach Hause. Damals hatten die wenigsten Leute ein Auto und häufig sah man Jungs in den Straßen, die solche Dienste übernahmen. In sechs Monaten bekam ich dabei mehr Trinkgeld als ich vorher auf dem Bau verdient hatte. Doch dann wurde mein Einkaufswagen gestohlen. Frustriert kehrte ich zurück auf den Bau, doch in mir wuchs der Wunsch, zu studieren.

 

[1]    http://www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de/welt/suedamerika/kolumbien/#footnote_6_2539

[2]    http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/Kolumbien/Kultur-UndBildungspolitik_node.html

pkleinIm neuen Jahr geht es weiter mit Alveiros Geschichte auf mum02.

Vielen Dank für euer Interesse. Ich wünsche euch ein glückliches, gesundes Jahr 2015 angefüllt mit wunderbaren Augenblicken.

Peggy

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