Papa in Kolumbien: „Mach weiter, bleib dran, gib nicht auf!“ (Teil 8)

Und so geht Alveiros Lebensgeschichte weiter:

 

Menschen wie Perlen auf meinem Lebensweg

Zu der Zeit trat ein Mann in mein Leben, der ein Hotelrestaurant besaß. Ich erzählte ihm von meinen Träumen und Hoffnungen und dass ich mehr aus meinem Leben machen wollte. Er schien mich zu mögen und hatte vielleicht ein wenig Mitleid. Jedenfalls bot er mir einen Job an. Ich begann als Aushilfe, putzte, erledigte Wartungsaufgaben und alles was so anfiel. Mit der Zeit stieg ich auf, lernte Cocktails zu mixen und wurde Barmann und Kellner.

Vier Jahre später liefen die Geschäfte schlecht und ich sollte auf Teilzeit reduzieren. Notgedrungen schaute ich mich nach einer anderen Stelle um, denn ich brauchte einen Vollzeitjob, um genug zum Leben zu haben. So kam ich in ein Drei-Sterne-Hotel als Türsteher. Höflich, freundlich und aufgeschlossen wie ich war, machte ich dabei offensichtlich einen guten Eindruck und wurde nach kurzer Zeit zum Hotelpagen befördert. Mit dem Hotelbesitzer stand ich allerdings auf Kriegsfuß, er war nicht nur superreich sondern arrogant und aggressiv.

Zwischenzeitlich hatte ich wiederum einen einflussreichen Mann kennengelernt, der mich und meine Art sehr mochte. „Wenn du je einen Job brauchen solltest, ruf mich an“, hatte er mir versichert. Eines Tages tat ich genau das. Er besaß einen Juwelierladen, indem ich fortan arbeitete. Doch er war weit mehr als mein Chef. Er wurde mein Mentor und bestärkte mich auf meinem Weg. Wie ich tagsüber arbeitete und abends studierte, fand er klasse. Wenn mir Zweifel kamen, wischte er sie weg: „Mach weiter, bleib dran an deinem Studium, gib nicht auf!“. Er war wirklich überzeugt von mir, vertraute mir sogar den Schlüssel zum Safe an, in dem er Bargeld und wertvolle Juwelen verwahrte.

1998 schloss ich die Abendhochschule mit dem Bachelor in Englisch ab und wurde Berufsschullehrer in Bogota. Wiederum hatte ich zwei Jobs: Der Unterricht an beruflichen Schulen findet bei uns abends statt, tagsüber arbeitete ich als Zeltverkäufer. Parallel engagierte ich mich ehrenamtlich bei der YMCA – ich war also ganz schön beschäftigt. Kurz vor meinem Bachelorabschluss hatte ich von sogenannten „English Camps“ des YMCA in Kolumbien gehört. Dort konnte man seine Englischkenntnisse anwenden und Menschen kennenlernen. Spontan nahm ich an einem dreitägigen Camp teil. Ich gewann viele Freunde aus unterschiedlichen Branchen und Regionen, darunter auch US-Amerikaner. Es machte mir so großen Spaß, das ich bis heute dabei geblieben bin. Vom Kursteilnehmer wurde ich bald zum ehrenamtlichen Helfer für Organisation und Logistik und schließlich zum Betreuer internationaler Camps des YMCA.

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