Was heißt kreativ für dich?

Am Freitag vor zwei Wochen sprach Frank Berzbach beim Jahrestreffen des Texterverbands über „Kreativität“. Während draußen die warme Novembersonne vom blitzblauen Himmel brannte, saßen dunkelgekleidete Frauen und Männer im fensterlosen Keller der MCAD Creative School in München und lauschten seinem Vortrag. Freiwillig. Ich auch. Und ja, es war gut. So gut, dass ich mein Ideenbüchlein zückte und mir Notizen machte. Ein paar Aussagen haben meine Fantasie angeregt. 1, 2, 3:

1 Jede(r) kann ein kreatives Leben führen.

Denkt ihr beim Stichwort „kreativ“ auch zuerst an Künstler, Werber oder Designer? Dabei heißt kreativ sein ja nichts anderes, als das wir unsere Fantasie einsetzen. Fantasie haben wir alle. Also kann jeder von uns kreativ sein. Ob wir das auf unser Leben und vor allem auf unsere Arbeit übertragen, hängt meiner Meinung nach von unserer Motivation ab.

Habe ich das Gefühl, meine Arbeit ist wichtig und sinnvoll, bin ich motiviert sie gut zu machen. Mitzudenken. Und schon werde ich kreativ. Nichts anderes steckt zum Beispiel auch hinter dem betrieblichen Vorschlagwesen, das ich von Kunden aus dem Maschinenbau oder der IT kenne: Mitarbeiter äußern Verbesserungsvorschläge. Werden diese umgesetzt, winkt Anerkennung, eventuell eine Prämie. Das motiviert. Viel wichtiger als Motivation von außen ist die von innen. „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner“. So heißt auch ein wunderbares Buch von Nicola Fritze, die ebenfalls in Reutlingen lebt und nur so sprüht vor Motivation.

 

2 Wir halten Stille und Einsamkeit kaum aus

Einsamkeit ist in unserer Lebenswelt vorwiegend negativ besetzt. „Die ist einsam, die kann einem leidtun“. Mit der Stille ist es ähnlich. Bloß keine Gesprächspausen aufkommen lassen. Da reden wir lieber über das Wetter. Small Talk gilt als Soft Skill, die Volkshochschule bietet Kurse darin an. Tatsächlich gibt es wenige Menschen, mit denen ich entspannt schweigen kann (es sind die, die mir besonders nahestehen). Während wir uns auf die „Kunst des Small Talk“ konzentrieren, bleibt manche „Big Idea“ auf der Strecke. Sie sind häufig Kinder der Stille, diese Ideen. Der Schriftsteller Henry David Thoreau zog für einige Jahre als Einsiedler in die Wälder und verfasste ein Buch darüber („Walden“). Ein Einsiedlerdasein kann ich mir als berufstätige Mama nicht vorstellen – aber mich inspirieren lassen von seinen Erfahrungen, das ist drin. Thoreau schreibt:

„Ich ging in die Wälder, weil ich bewusst leben wollte.
Ich wollte das Dasein auskosten. Ich wollte das Mark des Lebens einsaugen!
Und alles fortwerfen, das kein Leben barg, um nicht an meinem Todestag
Innezuwerden, daß ich nie gelebt hatte.“

Falls euch der Text bekannt vorkommt: Im “Club der toten Dichter” wird er als Motto bei jedem Treffen vorgelesen.

3 Wir brauchen geistige Ruhe, um kreativ zu sein

Intensiv leben, ganz bei mir sein: In Zeiten des permanenten „Media Overkill“ geht das unter in einer Flut von Informationen, Posts und Nachrichten. Im Song „Media Overkill“singt Klaus Meine von den Scorpions 1988 (!) prophetisch “In the end they try to eat your soul“. Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr nicht mehr wisst wohin mit den ganzen Eindrücken, wenn die Außenwelt unsere innere Welt, unsere Seele, zu schlucken droht? Soweit lassen wir es lieber nicht kommen. Sicherheitshalber schalte ich das Mobiltelefon normalerweise abends ab und morgens erst nach dem Frühstück wieder an. Auch um konzentriert an einem Text oder einer Idee arbeiten zu können, drücke ich den Ausknopf: Das Telefon auf lautlos, die Benachrichtigungsfunktion am PC ist sowieso deaktiviert. Nur das leere Blatt, der weiße Bildschirm und ich.

Weiße Seiten zu füllen kostet Energie, auch ohne Ablenkung. Kreativität ist Arbeit. Abends fühle ich mich manchmal leer und ausgelutscht, dabei saß ich nur am Schreibtisch. Doch versteht mich nicht falsch, es ist meist eine zufriedene Erschöpfung, die dieses schöpferische Tun hinterlässt. Viel produktiver als Zeit mit dem Surfen auf Facebook und Co. zu verbringen. Kreativ tut gut.

Was heißt kreativ für dich? Umso mehr ich darüber nachdenke, umso mehr fällt mir ein. Für heute schließe ich mit einer Liedzeile einer meiner literarischen Lieblingsfiguren: „Ich mach‘ mir die Welt widdewidde wie sie mir gefällt.“ Das sollte ich viel öfter tun.

 

Quellenangabe:

Das Beitragsbild ist eine Postkarte von Autor Frank Berzbach, die ich vom Vortrag am 6.11.2015 in München mitgebracht habe und die nun meinen Arbeitsplatz ziert. „Muss ich heute wieder machen was ich will?“ stammt aus dem Buch „Kreativität aushalten“ und ist erschienen im Verrlag Hermann Schmidt.

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