Papa in Kolumbien: „Ich bin das Unterhaltungsministerium der Familie“ (Teil 5)

Alveiro erzählt:

In unserer Familie verkörpere ich das Unterhaltungsministerium. „Lasst uns Eis essen gehen“; „Kommt wir gehen ins Kino“, „Tanzen wir doch durchs Haus“ – ich sprühe nur so vor bunten Ideen. An meiner Frau bleiben oft die weniger angenehmen Arbeiten hängen, organisatorische Dinge. Seit meine Frau Yudy ihren Master absolviert hat, verbringt sie wieder mehr Zeit mit den Kindern. Meist kommt sie vor mir nach Hause und hilft bei den Hausaufgaben. Wir necken uns häufig, was die Aufgabenverteilung anbelangt. Ich sehe meine Familie nicht so viel, und so packe ich möglichst schöne Erlebnisse in unsere gemeinsame Zeit. Ich möchte mit ihnen tanzen, lachen und Spaß haben.

 

Über Werte und Gleichberechtigung

Eine vollkommen gleichberechtigte Aufteilung haben wir sicher nicht in allen Bereichen, weder finanziell noch in puncto Hausarbeit. Aber mit Sicherheit teilen wir die Verantwortung hundertprozentig. Wir schätzen dieselben christlichen Werte und Ansichten in der Erziehung und versuchen, gute Beispiele abzugeben. In den Augen der Kinder sind wir stets einer Meinung. Und wir zeigen ihnen täglich, dass nichts umsonst ist im Leben, sondern das man sich alles verdienen muss. Das betone ich sehr, dieses Wort „ganar“ (verdienen). Manchmal sage ich zu Danna und Juliana: „Hattet ihr eine gute Woche, habt ihr euch angestrengt in der Schule? Nun, dann habt ihr es verdient, dass wir zum Essen ausgehen.“ Solche Zusammenhänge sind mir wichtig, eine Philosophie, die ich mit Yudy teile. Was die Finanzen angeht, habe ich etwas mehr Glück indem ich mehr Geld verdiene und daher mehr zum Unterhalt beisteuern kann. Die Schulausbildung unserer beiden Töchter kostet uns pro Monat 1.400 US Dollar. Darin enthalten sind Schulgeld, Busfahrten und Mittagessen. Es ist viel Geld. Tatsächlich geben wir den Großteil unserer Einkommen für Bildung aus, denn wir sind fest davon überzeugt, dass sie neben der Familie die beste Grundlage fürs Leben ist.

 

Südamerikanischer Macho? Nein, danke.

Selbstverständlich teile ich nicht nur die Verantwortung mit meiner Frau, sondern packe auch im Haushalt mit an. Am Wochenende, wenn die Tante nicht da ist, mache ich das Frühstück. Es ist nicht unbedingt meine Leidenschaft, Geschirr wegzuräumen, aber es ist auch nicht schlimm. Am Wochenende kocht oft meine Frau und ich putze nebenher oder räume auf. Das macht mir gar nichts aus, im Gegenteil empfinde ich solche Tätigkeiten sogar als entspannend. Dabei kann ich in Ruhe nachdenken, es ist beinahe therapeutisch. Der “Machismo” ist in Kolumbien allerdings noch weit verbreitet. Gerne wäre ich diesbezüglich auch im Privatleben ein Vorbild für andere. Kürzlich verbrachten wir ein Wochenende mit unseren mexikanischen Nachbarn, der Vater arbeitet als “Expat” in einer Großbäckerei hier in Bogota. Seine Frau nennt ihn einen echten Macho. Haushalt ist für ihn Frauensache, er spült kein Geschirr, putzt nicht und rührt auch sonst keinen Finger daheim. Nach dem gemeinsamen Wochenende gab ich ihr Recht.

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Papa in Kolumbien: „bei uns zu Hause gibt es selten Klagen oder Beschwerden“ (Teil 4)

Meine Frau Yudy und ich stammen beide aus ärmlichen Verhältnissen, litten als Kinder unter Gewalt und Vertreibung. Dennoch bin ich stolz auf unsere Herkunft. Bis heute sind meine Eltern Vorbilder für mich. Sie waren so hellsichtig, ihre Heimat zu verlassen und einen Neuanfang zu wagen. Wie sie wollte ich immer schon hart arbeiten, um etwas aus meinem Leben zu machen. Mein Vater rauchte und trank nicht. Er lebte vor, was es bedeutet, eine Familie zu haben und einen Wertekodex. Völlig egal in welcher materiellen Situation du lebst: Was zählt sind menschliche Werte und ein enger Familienzusammenhalt. Wir hatten keine materiellen Reichtümer, aber jede Menge Liebe. Ich hatte einen guten Vater und will selbst ein guter Vater sein.

 

Inzwischen gehen unsere Töchter tagsüber zur Schule. Der Unterricht dauert von 7:30 bis 14:30, ein Schulbus holt sie morgens bereits eine Stunde vorher ab und bringt sie gegen 15:30 wieder zurück. Das öffentliche Schulsystem in Kolumbien ist leider mangelhaft. 40 bis 50 Schüler sitzen in einer Klasse und die Lehrer sind mehr damit beschäftigt, die Kinder im Griff zu haben als ihnen Wissen zu vermitteln. Unglücklicherweise ist der soziale Zusammenhalt brüchiger geworden. Drogen, Gewalt und Mobbing verschlechtern das Klima an den Schulen. Daher schicken Yudy und ich unsere Töchter auf eine Privatschule. Mit 15 bis 20 Kindern sind die Klassen klein. Doch in erster Linie sind die Mädchen dort in Sicherheit. Auch wenn sie dadurch keine normalen Durchschnittskinder sind: Wir wollen uns das leisten und haben diese Entscheidung sehr bewusst getroffen. Unsere Töchter sollen es besser haben als wir früher, dafür haben wir hart gekämpft. Manchmal erzählen wir Danna und Juliana aus unserer Kindheit. Nicht, um ihnen ein schlechtes Gewissen zu machen, sondern damit sie einschätzen können, wie gut es ihnen geht. Als sie kleiner waren haben sie sich allerdings manchmal gewünscht, dass Mama und Papa mehr Zeit mit ihnen verbringen. Aber bei uns zu Hause gibt es selten Klagen oder Beschwerden. Vermutlich weil die Kinder wissen, in welcher Kultur wir leben und dass wir Verantwortung tragen für unsere Gesellschaft.

 

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Papa in Kolumbien: „Wenn ich mir Zeit für meine Kinder nehme, tue ich mir selbst einen Gefallen“ (Teil 3)

Alveiro erzählt:

Meinen Tagesablauf versuche ich stets so einzurichten, dass ich möglichst viel Zeit mit meinen Kindern verbringe. Damit tun sich Eltern selbst einen Gefallen, denn das macht so viel Spaß! Es ist wunderbar, das Leben seiner Kinder zu teilen, sie aufwachsen zu sehen, neue Wörter, neue Verhaltensformen und Ideen, neue Sätze und Ausdrücke, Lieder, Reime zu erleben. Wenn sie dir sagen “Papa ich liebe dich”, dir um den Hals fallen und dich ganz fest drücken – was gibt es Schöneres? Wenn ich anderen Vätern einen Rat geben könnte, wäre es der: „Denk daran, dass die Familie das Wichtigste im Leben ist. Einen Job wirst du immer haben oder wieder finden, aber auf eine neue Familie kannst du dich nicht bewerben”. Ob wir es wollen oder nicht, wir sind Vorbilder für unsere Kinder. Wenn wir als Eltern keine Zeit für sie haben, werden sie uns als Erwachsene kaum besuchen kommen – sie kennen es ja nicht anders und werden ebenfalls keine Zeit haben. Zeit ist etwas, das man sich nehmen muss und gut einteilen sollte.

 

Wie gut oder schlecht Eltern Familie und Beruf vereinbaren können, hängt allerdings weniger von den einzelnen Eltern als vielmehr von der Gesellschaft ab. Sicher kann und sollte man versuchen, seine Zeit besser zu organisieren. Doch wenn die Arbeitsstätte weit entfernt liegt, hilft das ganze Organisieren nicht. Wir brauchen vielmehr ein System, in dem die Menschen zum einen weniger Arbeitsstunden ableisten müssen und zum anderen brauchen wir kürzere Wege.

 

Vor einigen Jahren besuchte ich Schweden. Die Eltern dort schienen ihre Kinder in der Nähe ihrer Arbeitsstätte zur Betreuung unterzubringen. Sie verließen morgens gemeinsam das Haus und setzten die Kinder unterwegs am Kindergarten oder in der Schule ab. Das erschien mir sehr praktisch, Schulen in der Nähe der Arbeitsstätte der Eltern zu haben. Überhaupt hat mich das schwedische Modell sehr beeindruckt, es ist so modern und durchdacht.

 

Echte Partnerschaft

Meine Frau Yudy, Psychologin in leitender Funktion, entschloss sich nebenher noch einen Master zu absolvieren, als unsere Kinder gerade vier und sechs waren. Die Fortbildung war ihr wichtig und ich habe sie dazu ermutigt, indem ich zum Beispiel die Unterlagen bei der Universität besorgte und ihr gut zuredete, den Schritt zu wagen. Sie hatte Zweifel im Vorfeld: „Was ist mit unseren Töchtern, kommen sie nicht zu kurz, ich habe so schon zu wenig Zeit für sie?“. “Es sind ja nur zwei Jahre“, beschwichtigte ich, „und ich bin ja da, um mich mehr um sie zu kümmern. Wir kriegen das schon hin!“ Sicherlich war es eine gewisse Belastung für uns als Familie, doch ich übernahm in der Zeit den Großteil der elterlichen Aufgaben, blieb mehr zu Hause und arbeitete auch möglichst viel im Homeoffice.

Es ist gut und wichtig, dem Partner Raum zur Weiterentwicklung zu geben. Das macht doch eine gute Partnerschaft aus: Gemeinsam zu wachsen und sich gegenseitig den Rücken frei zu halten. Ich weiß auch, das wir keine durchschnittliche Familie sind. Zumindest wimmelt es in Bogota nicht gerade von verheirateten Paaren mit kleinen Kindern, die neben ihrer Arbeit studieren oder Geschäftsreisen absolvieren. Es geht bei uns, weil wir uns absprechen und weil wir die Tante haben. Es gibt auch Momente, in denen sich die beiden Frauen in die Haare bekommen, aber wir dürfen uns glücklich schätzen, dass die Tante bei uns ist.

 

Ihr habt die ersten Teile von Alveiros Geschichte verpasst? Einfach hier nachlesen:

Teil 1 „Auf eine neue Familie kannst du dich nicht bewerben“

Teil 2 „Menschlichkeit ist wie ein Samen“

 

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Papa in Kolumbien: “Menschlichkeit ist wie ein Samen” (Teil 2)

Aus dem Leben eines engagierten Papas – hier folgt der zweite Teil von Alveiros Geschichte. Bis Weihnachten gibt es wöchentlich ein neues Kapitel mit Einblicken in sein Leben, beruflich und privat. Über euer Interesse und eure Kommentare freue ich mich und wünsche euch eine spannende Lektüre.

Kolumbien ist eine Kultur, in der wir unsere Zeit zwischen Familie und Arbeit aufteilen müssen. Dabei kommt die Familie in der Regel zu kurz, denn die durchschnittliche Arbeitszeit beträgt 48 Stunden pro Woche. Teilzeitstellen gibt es kaum, der Verdienst würde schlichtweg nicht ausreichen, um über die Runden zu kommen. Vor allem in den Städten kommt zur eigentlichen Arbeit eine An- und Abreise von oft über einer Stunde hinzu. Es ist also nicht ungewöhnlich, wenn wir 12 Stunden am Tag außer Haus sind, um zu arbeiten. Viele Kolumbianer sehen ihre Kinder daher kaum. Sie verlassen das Haus, wenn diese noch schlafen und kehren erst spät wieder heim, vor allem wenn sie abends eine Fortbildung besuchen.

Zum Glück sind da häufig Großeltern, die sich um die Kinder kümmern. Der familiäre Zusammenhalt in Kolumbien ist stark und erleichtert es, Kinder groß zu ziehen. Bei uns im Haus lebt die alleinstehende Tante meiner Frau, seit unsere erste Tochter zur Welt kam – ein wahrer Segen. Auch meine Frau arbeitet schließlich 48 Stunden die Woche. Wenn Termine anstehen, wie zum Beispiel ein Elternabend, sprechen wir uns rechtzeitig ab, um diese wahrnehmen zu können. Auch meine Geschäftsreisen lege ich mit Rücksicht auf meine Familie. Zwar habe ich einen verantwortungsvollen Posten, doch die Familie steht stets an erster Stelle. Es ist schon vorgekommen, dass ich eine geplante Geschäftsreise abgesagt habe, weil ich zu Hause gebraucht wurde.

 

Gewalt im Alltag

Wir Kolumbianer müssen friedlichere Menschen werden. Bewaffnete Konflikte, Drogenhandel, Gewalt auf der Straße und in den Familien behindern seit Jahrzehnten die Entwicklung einer friedfertigen Gesellschaft. Millionen meiner Landsleute haben im Lauf der Jahre ihre Heimatregionen verlassen. Sie stranden als Vertriebene am Rand der überfüllten Städte, in der verzweifelten Hoffnung auf ein besseres Leben. So ging es auch meiner Frau und mir, als wir noch Kinder waren und mit unseren Familien fliehen mussten.

Schon als Kind wollte ich etwas erreichen und habe mir stets Ziele gesetzt. Heute leite ich eine Organisation, die psychologische und materielle Unterstützung leisten kann. Mit der YMCA (zu deutsch: CVJM, Christlicher Verein Junger Menschen) helfen wir vertriebenen Kindern und Jugendlichen beim Ankommen, versuchen ihnen Selbstbewusstsein zu vermitteln und eine Perspektive. Wir wollen sie stärken und ihnen die Augen öffnen für bessere Alternativen, als die, sich einer bewaffneten Gruppierung anzuschließen. Nur so lässt sich die Spirale von Armut und Gewalt ausbremsen. Weißt du, Menschlichkeit ist wie ein Samen, es braucht nicht viel um ihn zu pflanzen, aber er kann großartige Früchte tragen.

Unsere Probleme sind zu groß, als dass eine Regierung sie lösen könnte. Daher bringt es nichts, die Verantwortung allein dem Staat zuzuschieben. Jeder einzelne kann in seinem Umfeld hinschauen, den Mund aufmachen, ein Mentor sein. Schließlich sehnt sich der Großteil der Kolumbianer nach Frieden. Weniger potentielle Akteure heranzuziehen ist unsere einzige Chance, diese Sehnsucht zu erfüllen. Denn Schuld am kolumbianischen Konflikt sind in erster Linie nicht die Waffen, sondern die Menschen.

 

 

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Papa in Kolumbien: „Auf eine neue Familie kannst du dich nicht bewerben“ (Teil 1)

Vergangenen Donnerstag war ich zu Gast auf Schloss Falkenberg für eine Lesung. Statt dem einen Quotenmann waren quasi 10 Männer anwesend  (darunter allerdings auch mein eigener Mann sowie unsere beiden Söhne). Dennoch: Rekord! Für mich auf jeden Fall ein Anlass, Papas ins Rampenlicht von mum02 zu rücken. Zuletzt habe ich Andi aus Schweden hier vorgestellt, das ist schon eine Weile her. Zum Thema „working dads international“ möchte ich euch Alveiro aus Kolumbien vorstellen. Ihn habe ich über sein Leben als engagierter Papa mehrfach interviewt. Entstanden ist ein ausführliches Kapitel über das Familien- und Arbeitsleben in einem Land, das ganz andere Regeln folgt als unseres.

Acht Wochen vor Weihnachten fällt mir dazu ein, eine Fortsetzungsgeschichte daraus zu machen, eine andere Art Adventskalender, verpackt in wohlbekömmliche Päckchen. Claro que sí!

Alveiro mit seiner Familie

Alveiro mit seiner Familie

Steckbrief Kolumbien.

Einwohner: 46 Millionen

Fläche: 1,141 Mio. km2
Hauptstadt: Bogotá; ca. 7,3 Mio. Einwohner

Regelarbeitszeit: 48 Stunden pro Woche

Finanzielle Unterstützung für Familien / Mutterschutz und Elterngeld: Drei Monate Mutterschutz, beginnt eine Woche vor dem Geburtstermin. Väter bekommen nach der Geburt fünf Tage frei. Die Kinderbetreuung wird meist privat geregelt.

Zahlenquelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Kolumbien

 

Sie ziehen sich wie eine Perlenkette durch Alveiros 50-jähriges Leben: Menschen, die an ihn geglaubt und ihn unterstützt haben. Hart zu arbeiten und für andere da zu sein ist für den Landesvorsitzender des kolumbianischen YMCA essentiell. Längst ist aus ihm selbst eine Perle geworden, ein Mentor, der es sich zum Beruf gemacht hat, Menschen weiter zu helfen. Oberste Priorität in seinem Leben haben seine Töchter (8 und 10 Jahre) – wenn sie ihn brauchen, sagt er schon mal eine Geschäftsreise ab.

„Meine Frau und ich sind seit 11 Jahren ein Paar. Wir haben zwei Töchter. Danna Sophia ist zehn geworden, Juliana acht Jahre alt. Wir stehen uns sehr nahe, reden unglaublich viel. Jeden Abend erzählen sie mir von ihrem Tag und fragen nach, was ich erlebt habe. Ich liebe meine Arbeit und früher bin ich auch liebend gerne gereist. Doch seit wir Kinder haben, sind die vielen Reisen das Schlimmste für mich. Denn dann vermisse ich meine Kinder so sehr. Zum Glück verstehen die Mädchen, dass die vielen Geschäftsreisen Teil meines Jobs sind, schließlich sind sie damit aufgewachsen. Oft helfen sie mir beim Packen. Indem ich sie involviere, erleichtere ich uns die Trennung. Umso älter sie werden, umso mehr Zeit wollen sie mit mir verbringen. Sie haben so viele Fragen. Wenn ich zwei, drei Tage weg bin, beginnen sie mich zu vermissen, sie schreiben mir E-Mails und liebe Nachrichten. Nächste Woche ist es wieder soweit: Eine kleine CVJM-Delegation aus Deutschland hat sich angekündigt und ich werde mit ihnen durchs Land reisen. Komme ich an normalen Tagen abends nach Hause, werde ich verwöhnt. Danna und Juliana massieren mich, kratzen mir den Rücken, kämmen mir die Haare. Oft höre ich: „Papa, ich liebe dich!“ Sie haben wirklich keinerlei Hemmungen, ihre Gefühle zu zeigen. Das macht mich sehr glücklich, denn ich habe uns als Familie immer dazu ermutigt. Es ist wichtig, Gefühle in Worte fassen zu können. Doch die meisten Menschen haben das nie gelernt.“

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Lesung: Zurück an einen glücklichen Ort meiner Kindheit

Am Donnerstag, 30.10.2014 um 19:30 lese und erzähle ich aus meinem Buch „Zwischen Karriere und Krabbelgruppe“ auf Schloss Falkenberg im hessischen Wabern.

Mit Schloss Falkenberg in Wabern verbindet mich eine lange Geschichte: Als Grundschulkind fuhr ich mit Freunden im Reisebus zum ersten Mal auf eine Freizeit hin. Das Schloss liegt im gleichnamigen Dorf im Norden Hessens und war für mich als Kind und Jugendliche ein kleines Paradies. Gab es dort doch Pferde, weitläufige Wiesen, Reitunterricht, einen Badeteich und jede Menge Spaß und Unternehmungen mit Gleichaltrigen. Abends grillten wir Stockbrote am Feuer im Schlosshof und ich spielte mir an der Gitarre die Finger wund – Lagerfeuerromantik und Freiheit pur. Mehrfach verbrachte ich zehn Tage meiner Sommerferien dort.

Schloss Falkenberg

Schloss Falkenberg

Zum Reiten kamen auch Kinder aus dem Dorf aufs Schloss und so fand ich in Tanja eine Freundin, durch die ich heute noch mit Falkenberg in Verbindung stehe, denn sie wohnt vor Ort. Ich reiste an zu ihrer Hochzeit, besuchte sie und ihren Mann auf der Durchreise nach Kopenhagen und traf die ganze Familie ab und zu bei Urlauben in Bayern (was deutlich näher an meiner baden-württembergischen Heimat liegt als das doch recht weit entfernte Falkenberg). Mit der Lesung am Donnerstag kehre ich nun zurück an einen sehr glücklichen Ort meiner Kindheit. Meine Kinder und mein Mann werden mit dabei sein, gemeinsam schnuppern wir ein paar Tage Ferienluft in Falkenberg. Darauf freue ich mich und bin sehr gespannt, was der Abend und die Tage bringen mögen. An dieser Stelle ein allerherzliches Dankeschön an meine Freundin Tanja für die Idee und Organisation der Lesung!

 

Hoffnung für Dich e.V.

Eigentümer des Gemäuers, in dem früher Grafen und Ritter ein- und ausgingen, ist damals wie heute „Hoffnung für Dich e.V.“. Der Verein veranstaltet nach wie vor Freizeiten für Kinder und Jugendliche. Zudem betreut er im Schloss bzw. im Mutter-Kind-Haus seelisch behinderte Mütter mit ihren Kindern sowie drogenabhängige Männer und bietet Beratung für hilfesuchende Menschen.

FalkenbergLagerfeuer

 

 

 

Bildquelle: http://www.hoffnung-fuer-dich.de

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Was ist denn bitte der Sinn des Lebens? Teil 3

Geld und Glück

Ich brauche keine Yacht - da miete ich mir lieber ein Tretboot und gehe Schwimmen

Ich brauche keine Yacht – da miete ich mir lieber ein Tretboot und gehe schwimmen

„Ich brauche keine Yacht, ich gehe lieber schwimmen“ sagt Formel-1-Rekordpilot Sebastian Vettel. Eine Aussage, der den Rekord-Rennfahrer sympathisch macht. Und eine, die ich absolut nachvollziehen kann. Doch ein paar andere Dinge gäbe es schon, die ich mir mit Geld kaufen würde. Zeit, eine Weltreise, ein besonders umweltfreundliches Auto,….

Was meint ihr, kann Geld glücklich machen? Darüber streiten auch viele Forscher. Klar ist: Grundlegende Bedürfnisse sollten erfüllt sein, damit das Glück eine gute Basis hat. Doch macht mehr Geld uns mehr glücklich? Wenn ich an Dagobert Duck denke, tut es das ganz bestimmt nicht. Es kommt also darauf an. Wie unser Leben jenseits des Bankkontos aussieht, ist wichtiger. Gesundheit beispielsweise kann auch sehr viel Geld nicht kaufen. Eine Familie, echte Freunde: Unbezahlbar.

Im aktuellen GEO Wissenheft „Was gibt dem Leben Sinn“ behauptet das Autorenteam Marlene Weiss und Claus Peter Simon, dass Geld doch glücklich macht. Es käme allerdings darauf an, wie man es einsetzt. Nämlich nicht nur für sich selbst. Untersuchungen zeigen: Wenn wir andere beschenken, fühlen wir uns gut. Ähnliches trifft für Spender zu – ob sie nun Blut spenden oder Geld. Und wenn wir unser Geld lieber für uns selbst ausgeben? Auch dafür haben die genannten Autoren Tipps parat, die ich euch nicht vorenthalten möchte:

 

  1. Kauf dir Zeit und Freiheit: zieh näher an deine Arbeitsstelle oder lass unliebsame Tätigkeiten von Dritten übernehmen.
  2. Bezahl lieber gleich statt hinterher: Die Couch, das Auto oder die Reise machen mehr Spaß, wenn wir sie sofort bezahlen.
  3. Weniger ist mehr: Gönn dir lieber hin und wieder etwas Besonderes, anstatt dir möglichst jeden Wunsch sofort zu erfüllen.
  4. Investier in dich: Teure Geräte sind schnell veraltet, Erlebnisse bleiben dir bis an dein Lebensende. Also lieber die große Reise als das neue Flatscreen-TV.

 

Ich möchte noch einen 5. Tipp hinzufügen, der die gerade genannten aus meiner Sicht zusammenfasst: Hör auf dein Herz und auf deinen gesunden Menschenverstand.

 

Wenn ihr mehr über das Thema „Sinn“ erfahren möchtet und vielleicht noch eine Urlaubslektüre braucht: Das GEO Wissen Heft Nr. 53 zum Thema „Was gibt dem Leben Sinn“ bekommt ihr im Zeitschriftenhandel (Preis in Deutschland: 9,50 Euro).

 

 

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Was ist denn bitte der Sinn des Lebens? Teil 2

Freundschaft und Alter

Freiheit, Freunde, Geld - was gibt unserem Leben Sinn?

Freiheit, Freunde, Geld – was gibt unserem Leben Sinn?

Auch wenn sie in der „Rushhour des Lebens“ oft zu kurz kommt: Freundschaft ist elementar wichtig fürs Lebensglück. Besonders eindrücklich führen mir das meine Kindern und meine Eltern vor Augen. Kleine Kinder vergessen alles um sich herum, wenn sie mit ihren Freunden spielen und toben. Gleichzeitig sind sie radikal und sprunghaft, eine scheinbare Kleinigkeit genügt und sie sagen den berühmten Satz „Du bist nicht mehr mein Freund“. Die Welt geht unter. Um oft nur wenige Minuten später wieder aufzuerstehen. Kinder sind nicht politisch korrekt, sie sind direkt und jonglieren ungeniert mit großen Gefühlen. Wenn Kinder größer werden, vertrauen sie sich vermehrt ihren Freunden an anstatt ihren Eltern. Unter Gleichaltrigen fühlen sie sich eher verstanden.

Meine Eltern sind im Ruhestand, sozusagen. An für sich ist es eher ein unruhiger Stand: Sie gehen zwar keiner bezahlten Tätigkeit von 9 to 5 mehr nach, sind jedoch äußerst aktiv. Der Schlüssel zu ihren Unternehmungen sind ihre Freunde. Manche sind noch da von früher, doch zum Teil gingen die Lebenswege zu weit auseinander. Bei dem ein oder anderen spielt die Gesundheit nicht mehr mit, manche altern früher und radikaler als andere. Die verbleibenden Freunde (wie auch die neugefundenen) sind da unendlich wertvoll. Denn die Kinder stecken ja – wie erwähnt – mitten in der Rushhour des Lebens, sind beschäftigt mit Job, Kindern und so weiter. Da sind die Eltern gern gesehene Babysitter und die Familie unternimmt auch generationenübergreifende Ausflüge, doch die Stundenpläne von Rentnern und berufstätigen Eltern liegen zu weit auseinander, als das die Kinder den Eltern echte Freunde sein könnten. Ich wünsche meinen Kindern, dass ihnen der ein oder andere Kindergartenfreund bleibt, bis sie Rentner sind. Dasselbe wünsche ich mir selbst. Und ich weiß, dass ich meine Freunde jetzt nicht vernachlässigen darf. Dass es wichtig ist, die Beziehung zu ihnen zu pflegen.

 

 

Ende des Monats erscheint der dritte Teil zum Sinn des Lebens – es geht um das Thema Geld und Glück.

 

 

 

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Was ist denn bitte der Sinn des Lebens? Teil 1

Nach langer Funkstille aufgrund von sehr viel anderweitiger Textarbeit wieder ein Lebenszeichen von mum02. Meine Gedanken zum Sinn des Lebens packe ich in eine kleine Serie und präsentiere sie euch häppchenweise.

wohin führt unser Weg?

 

Freundschaft und Zeit

Ich habe gute Freundinnen, aber ich sehe sie inzwischen nur sehr selten, zwei bis vier Mal im Jahr, obwohl wir nur 10 km voneinander entfernt wohnen. Selbst Anrufe sind rar geworden – wenn wir abends zu Hause sind und die Kinder (so vorhanden) endlich im Bett, ist uns nicht mehr nach langen Telefonaten. Eher schicken wir uns eine Kurznachricht, ein Lebenszeichen. Denn: Wir haben anscheinend alle so viel um die Ohren, dass gemeinsame Zeit zum Luxus geworden ist. Seit Jahren will ich mit drei meiner Freundinnen für ein Wochenende ins Allgäu zum Skifahren. Obwohl das Skigebiet mit dem Auto gerade mal zwei Stunden entfernt liegt, scheint es für uns unerreichbar. Immer kommt etwas anderes dazwischen: Ein krankes Kind, zahnende Zwillinge, die Ballettaufführung der Jüngsten, ein Hagelschaden, die Hochzeit der Schwester, der Faschingsball der Großen, die Geschäftsreise des Mannes, Omas Krankenhausaufenthalt, etc.. Und als wir es tatsächlich wirklich beinahe fast geschafft hätten, wurde die Freundin mit den vier kleinen Kindern Freitags selbst krank. Das war garantiert psychosomatisch – ihr Körper spürte: „da ist Zeit für mich in Sicht“ und beschloss, diese sei besser im Bett als auf der Piste zu verbringen.

 

Früher war alles besser?Dabei haben wir durchaus Zeit für uns. Zwischen Job und Kinder Hol- und Bringdienste quetschen wir die eine Yogastunde in der Woche. Joggen abends, wenn die Kinder im Bett sind, gegen unseren inneren Schweinehund um den Block. Verbringen vielleicht sogar einmal pro Jahr ein Paarwochenende mit dem Göttergatten. Doch was ist mit spontanen Verabredungen, einem Kaffeeplausch oder dem Grillfest in der Natur, das wir uns früher oft ausgemalt haben? Heute stecken wir mitten drin in den besten Jahren und sehen sie nur so an uns vorbeirauschen. Wie haben das unsere Mütter und Tanten gemacht? Die Frauen in meiner Familie waren fast alle ebenfalls berufstätig, eine Tante zum Beispiel lebte in den 1960er Jahren als alleinerziehende Mutter von vier Kindern und musste allein für den Lebensunterhalt sorgen. Kinderbetreuung, Elterngeld? Fehlanzeige. Ihre Kinder waren tagsüber bei der Oma und die Mutter ging arbeiten. Das tut sie heute noch, weil die Rente nicht reicht. Wie ihr ging es vielen, weshalb sie vermutlich weniger mit ihrem Schicksal haderten, als wir es gerne tun. Und heute? Der Staat unterstützt junge Familien, Gleichberechtigung ist selbstverständlicher geworden. Dennoch fühlen wir uns wie im Hamsterrad. Weil wir alles haben können, fällt es uns schwer, uns für das zu entscheiden, was wir wirklich brauchen. Zum Beispiel, Freundschaft ernst zu nehmen und ihr Raum zu geben, einen Platz ganz oben auf der Prioritätenliste.

 

to be continued

Und ich freue mich wie immer über eure Kommentare und Gedanken!

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Solch einen Lehrer hätte ich mir auch gewünscht

Gelesen: „Davids Liste – Was bleibt, wenn ich gehe“ von David Menasche

DavidsListe

Wir leben, als wäre unser Leben unendlich

„Wie wir leben, liegt ganz an uns. Ich hatte einen Vorteil gegenüber vielen anderen Leuten: Ich glaubte inzwischen wirklich, dass ich sterben würde.“ Das hatten ihm die Ärzte gesagt. Sechs Jahre leben mit dieser Art Gehirntumor, „das war ein echter Glücksfall“. David begriff, dass er sterben würde, wogegen „die meisten Leute denken irgendwie, der Tod betrifft sie nicht. Sie leben, als wäre ihr Leben unendlich.“ (Die Zitate stehen im Buch auf S. 111/112)

 

Prioritäten setzen

Der ehemalige Skateboard-Punk und leidenschaftliche Lehrer David Menasche baute ein Leitmotiv in seinen Unterricht ein: die Prioritätenliste. Seine Schüler bekamen von ihm in regelmäßigen Abständen die Aufgabe, für sie lebenswerte Begriffe aufzuschreiben in der Reihenfolge ihrer Bedeutung. Eine Liste könnte so aussehen:

 

Abenteuer

Privatsphäre

Respekt

Unabhängigkeit

Freundschaft

Liebe

Familie

 

Solche Prioritätenlisten scheinen in den USA nicht ungewöhnlich zu sein. Bei uns sind sie meines Wissens höchstens als Zeitmanagementinstrument bekannt, aber nicht als Lebenshilfe. Durch die Listen bringt Menasche seine Schüler dazu, über sich selbst nachzudenken und darüber, was für sie im Leben gerade wirklich zählt. „In der Highschool gab es so viele Erwachsene, die uns unter Druck setzten (…), die uns sagten, worauf wir uns konzentrieren sollten und worauf nicht: Freunde, Noten, Geld, Beliebtheit. (…) Nur wenige Erwachsene zeigten uns die Möglichkeit, vorn anzufangen, in uns selbst, und unsere eigenen Prioritäten zu setzen. Die Liste zwang uns dazu, uns selbst anzuschauen und uns zu fragen, worauf wir tatsächlich Wert legten. Aber sie tat es auf eine Weise, die uns keine Angst machte und keinen Druck ausübte. Sie half uns, uns selbst kennenzulernen, damit wir entscheiden konnten, was für eine Art von Erwachsenen wir werden wollten„, erzählt Menasches ehemalige Schülerin Melissa Rey auf Seite 73.

 

Schicksalsschlag und Couchsurfing

Das Buch „Davids Liste“ ist eine Autobiographie mit Ratgebercharakter und als solches durchaus lesenswert. Auch wenn er vor allem erzählt, was wir eigentlich wissen, aber ungern hören und noch weniger beherzigen: Unser Leben ist endlich und es liegt an uns, was wir damit anfangen.

David Menasche, Lehrer aus Miami, hat dieses Buch als Vermächtnis geschrieben, nachdem er an einem unheilbaren Hirntumor erkrankt und ihm die Ärzte sagten, er hätte nur noch wenige Monate zu leben (vermutlich steht das Leben ganz oben auf seiner Prioritätenliste, jedenfalls ist er laut seiner Facebookseite alles andere als tot). Am Unterrichten hält er lange fest, rennt zwischendurch aufs Klo um zu kotzen und steht gleich darauf wieder vor der Klasse, als sei nichts gewesen. Irgendwann ist er tatsächlich zu schwach zum Unterrichten. Da kommt ihm die Idee zu einer Reise, auf der er möglichst viele seiner früheren Schüler wiedersehen will.

Via Facebook startet er einen Aufruf , viele melden sich und laden ihn zu sich ein. So macht David Menasche sich per Anhalter und Zug auf. Er fährt quer durch die USA und übernachtet als „Couchsurfer“ bei ehemaligen Schülerinnen und Schülern. Schwerkrank und beinahe erblindet, ist er dabei immer wieder auf die Hilfe fremder Menschen angewiesen. In New York City bewahrt ihn  Sarah Jessica Parker zufällig davor, von einem Taxi überrollt zu werden. Sicherheitshalber begleitet sie ihn zwei Blocks weiter zu einer Bar, in der er sich mit seinem Ex-Schüler Sergio treffen will. Der klärt David erst mal auf, wer da gerade Fremdenführerin für ihn gespielt hat.

 

Was bleibt von mir?

Menasche will herausfinden, ob er und seine Liste nachhaltigen Eindruck auf seine Schülerinnen und Schüler gemacht haben, wie und ob er ihren Lebensweg geprägt hat. Dass er sein Ziel erreicht hat, belegen die vielen Briefe und Kommentare ehemaliger Schüler, mit denen das Buch gespickt ist. Für David Menasche wird die Reise zur Bestätigung. Gleichzeitig findet er einen besseren Zugang zu sich selbst. Auf seiner persönlichen Prioritätenliste stand die Hingabe an seine Schüler immer ganz oben. „…seit meiner Reise habe ich begriffen, dass ich bei ihnen (den Schülern) auch Priorität habe “ sagt Menasche am Ende des Buchs.

 

Was geben wir unseren Kindern mit?

Einen Lehrer wie David Menasche zu haben, ist sicherlich ein Glücksfall. Ich konnte mir meine Lehrer in der Schule nicht aussuchen, meine Kinder können es ebenso wenig. Doch als Eltern sind wir von Anfang an die Lehrer unserer Kinder. Ich mag keine Erziehungsratgeber, aber ich glaube fest daran: „Du kannst deine Kinder nicht erziehen. Sie machen dir sowieso alles nach.“ Und was hören sie von mir viel zu oft? „Keine Zeit“, „Lass das“, „trödel nicht so rum“. Sind das etwa meine Prioritäten? Und wenn ich mir endlich die Zeit nehme, mit ihnen zu spielen, ein Buch zu lesen oder zu musizieren, dann höre ich schon mal: „Keine Zeit Mama, ich will mit Leon spielen“. Diese Woche habe ich meinem jüngeren Sohn an zwei Tagen morgens noch eine Seite aus seinem heißgeliebten Tierbuch vorgelesen. Das dauerte gar nicht lang und war sehr nett. Als er mich fragte, ob ich Zeit hätte, sagte ich: „ich nehme mir Zeit für dich“. Prompt kam die Antwort: „Das finde ich gut Mama, dass du dir Zeit nimmst“. Ich will es viel öfter tun. Denn unterm Strich zählt genau das: Zeit mit den Menschen zu verbringen, die uns am Herzen liegen. Ihnen zuzuhören und sie darin zu bestärken, an ihren Träumen festzuhalten. Schließlich ist unser Leben voll unendlicher Möglichkeiten. Und es ist dennoch endlich, daran sollten wir ab und zu denken, wenn wir unsere Prioritäten setzen.

 

Buch-Info:

David Menasche: „Davids Liste. Was bleibt, wenn ich gehe“ ist 2014 erschienen im KNAUR Verlag, Reihe Menssana, ISBN 978-3-426-65738-6

 

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