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Kreativ: Verwandle die Welt um dich herum

Nur du allein hast die Macht, den Ort, an dem du lebst, zu einem wunderschönen Ort zu machen.

(frei nach „Die Kunst, ein kreatives Leben zu führen“, F. Bednarz)

„Was heißt kreativ für dich?“ habe ich im letzten Blogbeitrag gefragt. Zwei Antworten teile ich hier mit euch. Von beeindruckenden Frauen, die ich schon lange kenne; die eine live und in Farbe, die andere aufgrund der weiten Entfernung aus vielen wunderbaren E-Mails.

Jule von den Patentanten ist Designerin und hat ein unglaubliches Händchen für schöne Dinge. Rebecca, besser bekannt als selbsternannte Mittelmaßmama, hält ihre Weltsicht in treffenden Karikaturen fest. Vielen Dank euch beiden für eure spontanen Antworten!

„Was heißt kreativ für dich?“

Rebecca:

2 Cartoon für Peggy.22.2015

Jule: Kreativität für mich ist dieses Gefühl, wenn mein Tun aus dem Bauch heraus passiert.

Wenn ich dieses fließende Gefühl in mir spüre aus dem eine fast unaufhaltsame Handlung folgt.

Spontanität gehört dazu & es geht einfach, egal um was es geht.

Ein schöpferischer Vorgang, der nicht festgelegt ist auf einen bestimmten Bereich.

Es kann sich um Kleidung drehen, um Räume, um die Gestaltung eines Events, gleich ob im Kleinen oder im Großen.

Kreativität ist, wenn unterschiedliche Puzzlestücke sich zu einem großen Ganzen fügen & ein harmonisches Bild ergeben.

Wenn meine Kreativität in der Welt, mit den Menschen zu einer runden Sache wird, macht mich das sehr zufrieden & glücklich.

Kreativität ist bereichernd, das zeigen diese beiden ganz persönlichen Blickwinkel. Vielen herzliche Dank euch! Ich freue mich über weitere Stimmen und Kommentare und wünsche allen, die diese Zeilen lesen, glückliche Stunden und Tage. Nutzt eure Macht und macht den Ort, an dem ihr seid, zu einem wunderbaren Freiraum.

 

 

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Papa in Kolumbien: „Mach weiter, bleib dran, gib nicht auf!“ (Teil 8)

Und so geht Alveiros Lebensgeschichte weiter:

 

Menschen wie Perlen auf meinem Lebensweg

Zu der Zeit trat ein Mann in mein Leben, der ein Hotelrestaurant besaß. Ich erzählte ihm von meinen Träumen und Hoffnungen und dass ich mehr aus meinem Leben machen wollte. Er schien mich zu mögen und hatte vielleicht ein wenig Mitleid. Jedenfalls bot er mir einen Job an. Ich begann als Aushilfe, putzte, erledigte Wartungsaufgaben und alles was so anfiel. Mit der Zeit stieg ich auf, lernte Cocktails zu mixen und wurde Barmann und Kellner.

Vier Jahre später liefen die Geschäfte schlecht und ich sollte auf Teilzeit reduzieren. Notgedrungen schaute ich mich nach einer anderen Stelle um, denn ich brauchte einen Vollzeitjob, um genug zum Leben zu haben. So kam ich in ein Drei-Sterne-Hotel als Türsteher. Höflich, freundlich und aufgeschlossen wie ich war, machte ich dabei offensichtlich einen guten Eindruck und wurde nach kurzer Zeit zum Hotelpagen befördert. Mit dem Hotelbesitzer stand ich allerdings auf Kriegsfuß, er war nicht nur superreich sondern arrogant und aggressiv.

Zwischenzeitlich hatte ich wiederum einen einflussreichen Mann kennengelernt, der mich und meine Art sehr mochte. „Wenn du je einen Job brauchen solltest, ruf mich an“, hatte er mir versichert. Eines Tages tat ich genau das. Er besaß einen Juwelierladen, indem ich fortan arbeitete. Doch er war weit mehr als mein Chef. Er wurde mein Mentor und bestärkte mich auf meinem Weg. Wie ich tagsüber arbeitete und abends studierte, fand er klasse. Wenn mir Zweifel kamen, wischte er sie weg: „Mach weiter, bleib dran an deinem Studium, gib nicht auf!“. Er war wirklich überzeugt von mir, vertraute mir sogar den Schlüssel zum Safe an, in dem er Bargeld und wertvolle Juwelen verwahrte.

1998 schloss ich die Abendhochschule mit dem Bachelor in Englisch ab und wurde Berufsschullehrer in Bogota. Wiederum hatte ich zwei Jobs: Der Unterricht an beruflichen Schulen findet bei uns abends statt, tagsüber arbeitete ich als Zeltverkäufer. Parallel engagierte ich mich ehrenamtlich bei der YMCA – ich war also ganz schön beschäftigt. Kurz vor meinem Bachelorabschluss hatte ich von sogenannten „English Camps“ des YMCA in Kolumbien gehört. Dort konnte man seine Englischkenntnisse anwenden und Menschen kennenlernen. Spontan nahm ich an einem dreitägigen Camp teil. Ich gewann viele Freunde aus unterschiedlichen Branchen und Regionen, darunter auch US-Amerikaner. Es machte mir so großen Spaß, das ich bis heute dabei geblieben bin. Vom Kursteilnehmer wurde ich bald zum ehrenamtlichen Helfer für Organisation und Logistik und schließlich zum Betreuer internationaler Camps des YMCA.

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Papa in Kolumbien: „Mit 10 Jahren musste ich Geld verdienen“ (Teil 7)

Was reden die da?

Diese fremdartige Sprache hörte ich zum ersten Mal als Teenager, ich war damals Laufbursche in einem Hotel. Neugierig wie ich war fand ich heraus: Es war Englisch. Das wollte ich auch lernen. Und so wurde ich Englischlehrer. Doch am besten ich erzähle meine Geschichte ganz von vorne:

Meine Familie stammt aus Aguadas in der Provinz Caldas, gut zehn Stunden entfernt von Bogota. Ich habe vier Brüder und zwei Schwestern. Mein Vater war Kaffeebauer, ein einfacher Arbeiter mit geringem Verdienst. Meine Mutter kümmerte sich zu Hause um uns, sieben Kinder zu erziehen ist harte Arbeit. Immer wieder flammten bewaffnete Konflikte in unserer Gegend auf, zwischen der kolumbianischen Armee, linken und rechten Guerillakriegern. Ich war gerade sieben Jahre alt, mein jüngster Bruder noch ein Baby, als meine Eltern die Gegend verlassen mussten, um nicht selbst Opfer der Gewalt zu werden. Sie gingen mit uns nach Bogotá, wo wir Unterschlupf bei der Familie meines Onkels fanden. 14 Personen teilten sich ein einziges Zimmer. Wenn ich daran zurückdenke, weiß ich umso mehr zu schätzen, was ich heute habe.

Mein Vater fand Arbeit auf dem Bau, eine leider schlecht bezahlte Tätigkeit. Daher mussten meine älteste Schwester und mein großer Bruder zum Unterhalt der Familie beitragen, sie waren damals 14 und 16 Jahr alt.[1] Auch ich fing früh an zu arbeiten, mit 10 Jahren hatte ich die ersten Aushilfsjobs. Zunächst half ich in den Ferien auf dem Bau, schleppte Ziegelsteine und mischte Zement an. Nach der neunjährigen Regelschule wechselte ich auf die Abendschule und arbeitete tagsüber in Vollzeit.[2] So konnte ich die vollen elf Jahre zur Schule gehen und mein Abitur machen. Allerdings bin ich im Klassenzimmer oft eingeschlafen – die Arbeit auf dem Bau war anstrengend.

Nach vier Jahren hatte ich genug davon und beschloss, mir etwas anderes zu suchen. So fing ich in einem Supermarkt an, mit meinem Einkaufswagen lieferte ich den Leuten ihre Einkäufe nach Hause. Damals hatten die wenigsten Leute ein Auto und häufig sah man Jungs in den Straßen, die solche Dienste übernahmen. In sechs Monaten bekam ich dabei mehr Trinkgeld als ich vorher auf dem Bau verdient hatte. Doch dann wurde mein Einkaufswagen gestohlen. Frustriert kehrte ich zurück auf den Bau, doch in mir wuchs der Wunsch, zu studieren.

 

[1]    http://www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de/welt/suedamerika/kolumbien/#footnote_6_2539

[2]    http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/Kolumbien/Kultur-UndBildungspolitik_node.html

pkleinIm neuen Jahr geht es weiter mit Alveiros Geschichte auf mum02.

Vielen Dank für euer Interesse. Ich wünsche euch ein glückliches, gesundes Jahr 2015 angefüllt mit wunderbaren Augenblicken.

Peggy

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Papa in Kolumbien: „bei uns zu Hause gibt es selten Klagen oder Beschwerden“ (Teil 4)

Meine Frau Yudy und ich stammen beide aus ärmlichen Verhältnissen, litten als Kinder unter Gewalt und Vertreibung. Dennoch bin ich stolz auf unsere Herkunft. Bis heute sind meine Eltern Vorbilder für mich. Sie waren so hellsichtig, ihre Heimat zu verlassen und einen Neuanfang zu wagen. Wie sie wollte ich immer schon hart arbeiten, um etwas aus meinem Leben zu machen. Mein Vater rauchte und trank nicht. Er lebte vor, was es bedeutet, eine Familie zu haben und einen Wertekodex. Völlig egal in welcher materiellen Situation du lebst: Was zählt sind menschliche Werte und ein enger Familienzusammenhalt. Wir hatten keine materiellen Reichtümer, aber jede Menge Liebe. Ich hatte einen guten Vater und will selbst ein guter Vater sein.

 

Inzwischen gehen unsere Töchter tagsüber zur Schule. Der Unterricht dauert von 7:30 bis 14:30, ein Schulbus holt sie morgens bereits eine Stunde vorher ab und bringt sie gegen 15:30 wieder zurück. Das öffentliche Schulsystem in Kolumbien ist leider mangelhaft. 40 bis 50 Schüler sitzen in einer Klasse und die Lehrer sind mehr damit beschäftigt, die Kinder im Griff zu haben als ihnen Wissen zu vermitteln. Unglücklicherweise ist der soziale Zusammenhalt brüchiger geworden. Drogen, Gewalt und Mobbing verschlechtern das Klima an den Schulen. Daher schicken Yudy und ich unsere Töchter auf eine Privatschule. Mit 15 bis 20 Kindern sind die Klassen klein. Doch in erster Linie sind die Mädchen dort in Sicherheit. Auch wenn sie dadurch keine normalen Durchschnittskinder sind: Wir wollen uns das leisten und haben diese Entscheidung sehr bewusst getroffen. Unsere Töchter sollen es besser haben als wir früher, dafür haben wir hart gekämpft. Manchmal erzählen wir Danna und Juliana aus unserer Kindheit. Nicht, um ihnen ein schlechtes Gewissen zu machen, sondern damit sie einschätzen können, wie gut es ihnen geht. Als sie kleiner waren haben sie sich allerdings manchmal gewünscht, dass Mama und Papa mehr Zeit mit ihnen verbringen. Aber bei uns zu Hause gibt es selten Klagen oder Beschwerden. Vermutlich weil die Kinder wissen, in welcher Kultur wir leben und dass wir Verantwortung tragen für unsere Gesellschaft.

 

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Was ist denn bitte der Sinn des Lebens? Teil 1

Nach langer Funkstille aufgrund von sehr viel anderweitiger Textarbeit wieder ein Lebenszeichen von mum02. Meine Gedanken zum Sinn des Lebens packe ich in eine kleine Serie und präsentiere sie euch häppchenweise.

wohin führt unser Weg?

 

Freundschaft und Zeit

Ich habe gute Freundinnen, aber ich sehe sie inzwischen nur sehr selten, zwei bis vier Mal im Jahr, obwohl wir nur 10 km voneinander entfernt wohnen. Selbst Anrufe sind rar geworden – wenn wir abends zu Hause sind und die Kinder (so vorhanden) endlich im Bett, ist uns nicht mehr nach langen Telefonaten. Eher schicken wir uns eine Kurznachricht, ein Lebenszeichen. Denn: Wir haben anscheinend alle so viel um die Ohren, dass gemeinsame Zeit zum Luxus geworden ist. Seit Jahren will ich mit drei meiner Freundinnen für ein Wochenende ins Allgäu zum Skifahren. Obwohl das Skigebiet mit dem Auto gerade mal zwei Stunden entfernt liegt, scheint es für uns unerreichbar. Immer kommt etwas anderes dazwischen: Ein krankes Kind, zahnende Zwillinge, die Ballettaufführung der Jüngsten, ein Hagelschaden, die Hochzeit der Schwester, der Faschingsball der Großen, die Geschäftsreise des Mannes, Omas Krankenhausaufenthalt, etc.. Und als wir es tatsächlich wirklich beinahe fast geschafft hätten, wurde die Freundin mit den vier kleinen Kindern Freitags selbst krank. Das war garantiert psychosomatisch – ihr Körper spürte: „da ist Zeit für mich in Sicht“ und beschloss, diese sei besser im Bett als auf der Piste zu verbringen.

 

Früher war alles besser?Dabei haben wir durchaus Zeit für uns. Zwischen Job und Kinder Hol- und Bringdienste quetschen wir die eine Yogastunde in der Woche. Joggen abends, wenn die Kinder im Bett sind, gegen unseren inneren Schweinehund um den Block. Verbringen vielleicht sogar einmal pro Jahr ein Paarwochenende mit dem Göttergatten. Doch was ist mit spontanen Verabredungen, einem Kaffeeplausch oder dem Grillfest in der Natur, das wir uns früher oft ausgemalt haben? Heute stecken wir mitten drin in den besten Jahren und sehen sie nur so an uns vorbeirauschen. Wie haben das unsere Mütter und Tanten gemacht? Die Frauen in meiner Familie waren fast alle ebenfalls berufstätig, eine Tante zum Beispiel lebte in den 1960er Jahren als alleinerziehende Mutter von vier Kindern und musste allein für den Lebensunterhalt sorgen. Kinderbetreuung, Elterngeld? Fehlanzeige. Ihre Kinder waren tagsüber bei der Oma und die Mutter ging arbeiten. Das tut sie heute noch, weil die Rente nicht reicht. Wie ihr ging es vielen, weshalb sie vermutlich weniger mit ihrem Schicksal haderten, als wir es gerne tun. Und heute? Der Staat unterstützt junge Familien, Gleichberechtigung ist selbstverständlicher geworden. Dennoch fühlen wir uns wie im Hamsterrad. Weil wir alles haben können, fällt es uns schwer, uns für das zu entscheiden, was wir wirklich brauchen. Zum Beispiel, Freundschaft ernst zu nehmen und ihr Raum zu geben, einen Platz ganz oben auf der Prioritätenliste.

 

to be continued

Und ich freue mich wie immer über eure Kommentare und Gedanken!

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Solch einen Lehrer hätte ich mir auch gewünscht

Gelesen: „Davids Liste – Was bleibt, wenn ich gehe“ von David Menasche

DavidsListe

Wir leben, als wäre unser Leben unendlich

„Wie wir leben, liegt ganz an uns. Ich hatte einen Vorteil gegenüber vielen anderen Leuten: Ich glaubte inzwischen wirklich, dass ich sterben würde.“ Das hatten ihm die Ärzte gesagt. Sechs Jahre leben mit dieser Art Gehirntumor, „das war ein echter Glücksfall“. David begriff, dass er sterben würde, wogegen „die meisten Leute denken irgendwie, der Tod betrifft sie nicht. Sie leben, als wäre ihr Leben unendlich.“ (Die Zitate stehen im Buch auf S. 111/112)

 

Prioritäten setzen

Der ehemalige Skateboard-Punk und leidenschaftliche Lehrer David Menasche baute ein Leitmotiv in seinen Unterricht ein: die Prioritätenliste. Seine Schüler bekamen von ihm in regelmäßigen Abständen die Aufgabe, für sie lebenswerte Begriffe aufzuschreiben in der Reihenfolge ihrer Bedeutung. Eine Liste könnte so aussehen:

 

Abenteuer

Privatsphäre

Respekt

Unabhängigkeit

Freundschaft

Liebe

Familie

 

Solche Prioritätenlisten scheinen in den USA nicht ungewöhnlich zu sein. Bei uns sind sie meines Wissens höchstens als Zeitmanagementinstrument bekannt, aber nicht als Lebenshilfe. Durch die Listen bringt Menasche seine Schüler dazu, über sich selbst nachzudenken und darüber, was für sie im Leben gerade wirklich zählt. „In der Highschool gab es so viele Erwachsene, die uns unter Druck setzten (…), die uns sagten, worauf wir uns konzentrieren sollten und worauf nicht: Freunde, Noten, Geld, Beliebtheit. (…) Nur wenige Erwachsene zeigten uns die Möglichkeit, vorn anzufangen, in uns selbst, und unsere eigenen Prioritäten zu setzen. Die Liste zwang uns dazu, uns selbst anzuschauen und uns zu fragen, worauf wir tatsächlich Wert legten. Aber sie tat es auf eine Weise, die uns keine Angst machte und keinen Druck ausübte. Sie half uns, uns selbst kennenzulernen, damit wir entscheiden konnten, was für eine Art von Erwachsenen wir werden wollten„, erzählt Menasches ehemalige Schülerin Melissa Rey auf Seite 73.

 

Schicksalsschlag und Couchsurfing

Das Buch „Davids Liste“ ist eine Autobiographie mit Ratgebercharakter und als solches durchaus lesenswert. Auch wenn er vor allem erzählt, was wir eigentlich wissen, aber ungern hören und noch weniger beherzigen: Unser Leben ist endlich und es liegt an uns, was wir damit anfangen.

David Menasche, Lehrer aus Miami, hat dieses Buch als Vermächtnis geschrieben, nachdem er an einem unheilbaren Hirntumor erkrankt und ihm die Ärzte sagten, er hätte nur noch wenige Monate zu leben (vermutlich steht das Leben ganz oben auf seiner Prioritätenliste, jedenfalls ist er laut seiner Facebookseite alles andere als tot). Am Unterrichten hält er lange fest, rennt zwischendurch aufs Klo um zu kotzen und steht gleich darauf wieder vor der Klasse, als sei nichts gewesen. Irgendwann ist er tatsächlich zu schwach zum Unterrichten. Da kommt ihm die Idee zu einer Reise, auf der er möglichst viele seiner früheren Schüler wiedersehen will.

Via Facebook startet er einen Aufruf , viele melden sich und laden ihn zu sich ein. So macht David Menasche sich per Anhalter und Zug auf. Er fährt quer durch die USA und übernachtet als „Couchsurfer“ bei ehemaligen Schülerinnen und Schülern. Schwerkrank und beinahe erblindet, ist er dabei immer wieder auf die Hilfe fremder Menschen angewiesen. In New York City bewahrt ihn  Sarah Jessica Parker zufällig davor, von einem Taxi überrollt zu werden. Sicherheitshalber begleitet sie ihn zwei Blocks weiter zu einer Bar, in der er sich mit seinem Ex-Schüler Sergio treffen will. Der klärt David erst mal auf, wer da gerade Fremdenführerin für ihn gespielt hat.

 

Was bleibt von mir?

Menasche will herausfinden, ob er und seine Liste nachhaltigen Eindruck auf seine Schülerinnen und Schüler gemacht haben, wie und ob er ihren Lebensweg geprägt hat. Dass er sein Ziel erreicht hat, belegen die vielen Briefe und Kommentare ehemaliger Schüler, mit denen das Buch gespickt ist. Für David Menasche wird die Reise zur Bestätigung. Gleichzeitig findet er einen besseren Zugang zu sich selbst. Auf seiner persönlichen Prioritätenliste stand die Hingabe an seine Schüler immer ganz oben. „…seit meiner Reise habe ich begriffen, dass ich bei ihnen (den Schülern) auch Priorität habe “ sagt Menasche am Ende des Buchs.

 

Was geben wir unseren Kindern mit?

Einen Lehrer wie David Menasche zu haben, ist sicherlich ein Glücksfall. Ich konnte mir meine Lehrer in der Schule nicht aussuchen, meine Kinder können es ebenso wenig. Doch als Eltern sind wir von Anfang an die Lehrer unserer Kinder. Ich mag keine Erziehungsratgeber, aber ich glaube fest daran: „Du kannst deine Kinder nicht erziehen. Sie machen dir sowieso alles nach.“ Und was hören sie von mir viel zu oft? „Keine Zeit“, „Lass das“, „trödel nicht so rum“. Sind das etwa meine Prioritäten? Und wenn ich mir endlich die Zeit nehme, mit ihnen zu spielen, ein Buch zu lesen oder zu musizieren, dann höre ich schon mal: „Keine Zeit Mama, ich will mit Leon spielen“. Diese Woche habe ich meinem jüngeren Sohn an zwei Tagen morgens noch eine Seite aus seinem heißgeliebten Tierbuch vorgelesen. Das dauerte gar nicht lang und war sehr nett. Als er mich fragte, ob ich Zeit hätte, sagte ich: „ich nehme mir Zeit für dich“. Prompt kam die Antwort: „Das finde ich gut Mama, dass du dir Zeit nimmst“. Ich will es viel öfter tun. Denn unterm Strich zählt genau das: Zeit mit den Menschen zu verbringen, die uns am Herzen liegen. Ihnen zuzuhören und sie darin zu bestärken, an ihren Träumen festzuhalten. Schließlich ist unser Leben voll unendlicher Möglichkeiten. Und es ist dennoch endlich, daran sollten wir ab und zu denken, wenn wir unsere Prioritäten setzen.

 

Buch-Info:

David Menasche: „Davids Liste. Was bleibt, wenn ich gehe“ ist 2014 erschienen im KNAUR Verlag, Reihe Menssana, ISBN 978-3-426-65738-6

 

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Working Mum: Get dressed in full Armani Armour

Before heading off to the client presentation, I got dressed in full Armani Armour“, verkündet Kate Reddy, die Heldin aus Allison Pearsons Bestseller „I don’t know how she does it“*, zu deutsch “Der ganz normale Wahnsinn: Working Mum”.
„Armani armour“. Eine funkelnde Rüstung für den Kampf;  gepaart mit High-Heels und einer Menge zahlengetränkter Powerpoint-Folien zieht die Finanzmanagerin und zweifache Mum Kate so in die Meetings in London und New York City. Dieser Satz hat mich beschäftigt. „Kleider machen Leute“ – ihr kennt vielleicht die Geschichte vom Schneiderlehrling Wenzel, der in Gottfried Kellers Novelle für einen polnischen Grafen gehalten wird und die unverhoffte Situation ausnutzt.

 

Ich gehöre zu den Menschen, die ihre Garderobe je nach Anlass bedacht auswählen. Dazu gehört NICHT der Ausflug auf den Spielplatz, ich meine wirklich: Anlässe. Meiner Meinung nach gibt es Situationen, in denen wir uns nicht allein auf unsere inneren Werte verlassen dürfen. Sondern bei denen der erste Eindruck überzeugen muss. Visuell. Wenn ich ein Konzert moderiere, suche ich Kleider aus, die zum Programm und zu mir passen. Bei meinen ersten vier Lesungen im vergangenen Jahr trug ich das exakt selbe Outfit – bis ich mich sicher genug fühlte, um zu experimentieren.
Dabei braucht es kein Armani, nicht für mich. Doch es gibt diese Outfits, in denen wir uns gut und stark fühlen und die wir immer wieder in genau derselben Zusammenstellung aus dem Schrank ziehen.
Kennt ihr das Gefühl? Wie kleidet ihr euch für wichtige Ereignisse?

Als studierte Betriebswirtin dachte ich ja vor Jahren noch, unbedingt einen schwarzen Anzug zu brauchen. Bei Zinser, ehemals Breuninger, probierte ich fünf verschiedene an bis die Verkäuferin zu mir sagte. „Was halten Sie denn von diesem sportiven, schwarzen Kleid? Wissen Sie, Sie scheinen mir einfach nicht der Typ für einen schwarzen Anzug zu sein“. Ich sah sie erstaunt an. Und nahm schließlich das Kleid und den Anzug. Bald sah ich ein, dass die Frau recht gehabt hatte. Der schwarze Anzug hängt im Schrank. Zu förmlich für mich.
Auf der Suche nach dem eigenen Stil lande ich immer mal wieder in einer Sackgasse. Doch ich behaupte, die Liste der Fehlkäufe wird kürzer. Und es gibt schon immer Farben und Muster, um die ich einen großen Bogen mache. Die universelle „Armani Armour“, mit der ich mich in exponierten Lebenslagen gerüstet fühle? Wenn es sie gibt, wartet sie noch auf mich, irgendwo da draußen.

*BUCHTIPP Allison Pearsons Bestseller „I don’t know how she does it“: Das Buch erschien bereits vor zehn Jahren und wurde mit Sarah Jessica Parker in der Hauptrolle der „Working mum“ verfilmt. Das Audiobuch verkürzte mir in den vergangenen Wochen Stunden im Stau auf dem Weg zu einem Kunden. Absolut großartiger Stoff. Kate Reddy lebt gleichzeitig auf zwei „Planeten“, was unweigerlich desaströse Folgen hat: Zum einen ist sie als talentierte Finanzmanagerin in der Londoner City rund um die Uhr im Einsatz. Zum anderen ist sie Mutter von Emily (5) und Ben (1) und verheiratet mit Richard, wohlmeinender Ehemann und mäßig erfolgreicher Architekt. In den Nebenrollen treten auf: Sexistische Kollegen, der verführerische Kunde, das erpresserische aber lebensnotwendige Kindermädchen, die nervigen Schwiegereltern, ein als Taxifahrer verkleideter Philosoph sowie Kates sehr großes schlechtes Gewissen zusammen mit ihrer endlosen mentalen To Do Liste. Und viele mehr. Also solltet ihr das Buch noch nicht kennen, lest oder hört es – es ist lustig und traurig und überzogen und dennoch wahr.

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Umfrage unter berufstätigen Müttern

Die Studentin Janina Hochgürtel hat mich gebeten, den Link zu ihrer Online-Befragung „ Familiäre Bewältigungsressourcen von Zweiverdienerfamilien im Work-Family Conflict“ zu teilen.
Die Studie ist Teil ihrer Masterarbeit im Lehrgebiet Gesundheitspsychologie. Wer Lust hat, mitzumachen, findet die Umfrage hier:

http://ww3.unipark.de/uc/Team_Hochguertel/9e54/

Bild von Janina (privat)

Bild von Janina (privat)

Janina, erzähl ein wenig über dich und dein Projekt?

„Ich bin 26 Jahre alt und absolviere zur Zeit den Master in Psychologie an der Fernuniversität in Hagen.
Kinder habe ich leider noch nicht. Jedoch möchte ich gerne in Zukunft Kinder haben und dennoch berufstätig bleiben. Und so habe ich mich in meiner Masterarbeit gefragt,
welche Ressourcen Mütter aktivieren können, um die Familie und den Beruf miteinander zu vereinbaren. Dabei kann es die Persönlichkeit sein, das Selbstwertgefühl,
die Bewältigungsstrategien der Mütter oder auch das soziale Umfeld, die familiären Strategien oder die soziale Unterstützung sein – und das möchte ich in meiner Untersuchung gerne herausfinden. Ich selbst möchte gerne Familientherapeutin werden und Müttern bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie helfen.“

Was ist das Ziel deiner Arbeit?

„Ziel dieser Studie ist es, wichtige individuelle, familiäre und externe Ressourcen zu untersuchen, um Frauen durch deren Aktivierung bei der Bewältigung des Work-Family Conflicts zu unterstützen. Oft sind es die Frauen, die diesen Konflikt verstärkt wahrnehmen.  Deshalb ist für diese Untersuchung besonders die Perspektive der Mütter von Interesse. Die Befragung richtet sich ausschließlich an berufstätige Frauen (sowohl in Vollzeit als auch in Teilzeit), die mindestens ein Kind unter  18 Jahre haben und deren Partner/in ebenfalls berufstätig ist. Da ein Studium vom Arbeitsaufwand mit einer Berufstätigkeit gleichzusetzen ist, sind natürlich auch alle Studentinnen mit Kindern herzlich eingeladen an der Befragung teilzunehmen.“

 


			

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Heute im mum02-Jackpot: Mama-nagement featuring Frauke Ludowig

Heute ist es soweit, der Jackpot – zwei Originalcartoons von Mittelmaßmama, signiert von Familienmanagerin und Moderatorin Frauke Ludowig – (siehe Blogbeitrag vom 11.09.13) wird verlost!

Bevor ich euch die beiden Glückslose verrate, stelle ich der Karikaturistin, Bloggerin und working mum Rebecca alias Mittelmaßmama ein paar Fragen. Deren Beantwortung wollte sie eigentlich auf einen Moment der Ruhe verschieben. Der dann nie kam.

Hoffe, dass Du jetzt gerade wie ich laut darüber lachen kannst. RUHE und das im Leben einer Mama?

Auch dazu fiel ihr gleich wieder ein Cartoon-Motiv ein. Denn Mittelmaßmama sieht das Leben nicht durch eine rosarote Brille, sondern mit viel Humor. Und deshalb mag ich sie so gern!

Rebecca, woher nimmst du die Ideen für deine Zeichnungen?

Aus dem täglichen Leben. Wie jetzt, aus meiner Mail. Da fiele mir schon ein Cartoon dazu ein. Außerdem aus dem Dialog mit Mitmüttern, der mir die Skurilität manch einer Lebenssituation erst so richtig vor Augen führt. Und gelobt ist, wenn man drüber lachen kann.

Welche Angebote wünschst du dir, um Familie und Job leichter vereinbaren zu können?

Mehr Teilzeitangebote für alle. Auch für Männer. Mir geht es langsam auf den Keks, dass alle Welt meint, dass die Lösung für Kind und Karriere in ausreichender Kinderbetreuung und Vollzeitjob liegt. Vollzeit heißt oft genug: Volle Zeit plus Überstunden. Wo bleibt denn da das Familienleben? Warum soll ich mich da für ein Kind entscheiden? Wenn ich es am Ende doch nur schlafend sehe. Nein, ich will raus mit meiner Brut, vielleicht nicht unbedingt Fußball spielen, aber Asseln und Schnecken angucken, auf einen Spielplatz oder in den Zoo gehen. Oder in muffigen Fluren auf sie warten, während sie ihre ersten Schwimmzüge lernen. WobVorschauei ich mich sehr freuen würde, wenn die Betreuungseinrichtungen und Schulen, in die sie gehen, wirklich kindgerecht ausgerichtet sind, und ich mich und die Brut nach Feierabend nicht durch dusselige Hausaufgaben prügeln muss.

Wenn ihr wüsstet... by Mittelmaßmama

Wenn ihr wüsstet… by Mittelmaßmama

"Quote" by Mittelmaßmama

„Quote“ by Mittelmaßmama

Und nun kommen wir wie versprochen zur Verlosung ihrer Cartoons. Die Glücksfee hat gerade zwei Zettel gezogen. Ich habe sie auseinandergefaltet und gelesen. Welche Namen wohl draufstanden?

And the winners are…. Den Cartoon „Quote“ gewinnt Christine! Und „Wenn ihr wüsstet…“ geht an: Silke! Herzlichen Glückwunsch!

 

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26. September 2013 · 14:37

Schulkindmama: Wer bringt eure Kids zum Schwimmunterricht?

Seit knapp einer Woche bin ich Mutter eines Schulkindes. Ganz schön aufregend, obwohl ich ja gar nicht zur Schule gehe, sondern der „Große“.

Gestern hatten die Erstklässler ihre erste Schwimmstunde. An der Klassenzimmertür hängt eine verwaiste Liste, gesucht werden Eltern, die die Kinder zum gut 500 m entfernt liegenden Schwimmbad und zurück eskortieren. Bis gestern hatte sich niemand eingetragen, null, niente.

Zugegeben ist Mittwochmorgen kein idealer Termin, aber meine Güte. Wir leben in einer Kleinstadt, ihr könnt mir nicht erzählen, dass hier alle Eltern und womöglich Gr0ßeltern berufstätig sind. Also habe ich das Büro für eineinhalb Stunden geschlossen und bin los zur Schule. Gemeinsam mit einer wutschnaubenden Mitmama und meiner eigenen Mutter (die ich sicherheitshalber engagiert hatte, da ich ja dachte ich wäre sonst alleine mit 25 Kindern unterwegs).

Diese Mitmama hat sich aus demselben Grund einen halben Tag Urlaub (!) genommen und war stinksauer: „Das kann ja wohl nicht sein, die sollen sich mal eintragen, es geht schließlich um ihre Kinder, denen werde ich beim Elternabend was erzählen“. Ich werde davon berichten….

Zwischenzeitlich die Frage: Kennt ihr das Problem und habt ihr eine Idee, wie wir die Begleitung besser gelöst bekommen? Es gibt ja tatsächlich Gegenden, in denen Eltern flächendeckend berufstätig sind, wie klappt das dort?

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