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Kreativ: Verwandle die Welt um dich herum

Nur du allein hast die Macht, den Ort, an dem du lebst, zu einem wunderschönen Ort zu machen.

(frei nach „Die Kunst, ein kreatives Leben zu führen“, F. Bednarz)

„Was heißt kreativ für dich?“ habe ich im letzten Blogbeitrag gefragt. Zwei Antworten teile ich hier mit euch. Von beeindruckenden Frauen, die ich schon lange kenne; die eine live und in Farbe, die andere aufgrund der weiten Entfernung aus vielen wunderbaren E-Mails.

Jule von den Patentanten ist Designerin und hat ein unglaubliches Händchen für schöne Dinge. Rebecca, besser bekannt als selbsternannte Mittelmaßmama, hält ihre Weltsicht in treffenden Karikaturen fest. Vielen Dank euch beiden für eure spontanen Antworten!

„Was heißt kreativ für dich?“

Rebecca:

2 Cartoon für Peggy.22.2015

Jule: Kreativität für mich ist dieses Gefühl, wenn mein Tun aus dem Bauch heraus passiert.

Wenn ich dieses fließende Gefühl in mir spüre aus dem eine fast unaufhaltsame Handlung folgt.

Spontanität gehört dazu & es geht einfach, egal um was es geht.

Ein schöpferischer Vorgang, der nicht festgelegt ist auf einen bestimmten Bereich.

Es kann sich um Kleidung drehen, um Räume, um die Gestaltung eines Events, gleich ob im Kleinen oder im Großen.

Kreativität ist, wenn unterschiedliche Puzzlestücke sich zu einem großen Ganzen fügen & ein harmonisches Bild ergeben.

Wenn meine Kreativität in der Welt, mit den Menschen zu einer runden Sache wird, macht mich das sehr zufrieden & glücklich.

Kreativität ist bereichernd, das zeigen diese beiden ganz persönlichen Blickwinkel. Vielen herzliche Dank euch! Ich freue mich über weitere Stimmen und Kommentare und wünsche allen, die diese Zeilen lesen, glückliche Stunden und Tage. Nutzt eure Macht und macht den Ort, an dem ihr seid, zu einem wunderbaren Freiraum.

 

 

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Was heißt kreativ für dich?

Am Freitag vor zwei Wochen sprach Frank Berzbach beim Jahrestreffen des Texterverbands über „Kreativität“. Während draußen die warme Novembersonne vom blitzblauen Himmel brannte, saßen dunkelgekleidete Frauen und Männer im fensterlosen Keller der MCAD Creative School in München und lauschten seinem Vortrag. Freiwillig. Ich auch. Und ja, es war gut. So gut, dass ich mein Ideenbüchlein zückte und mir Notizen machte. Ein paar Aussagen haben meine Fantasie angeregt. 1, 2, 3:

1 Jede(r) kann ein kreatives Leben führen.

Denkt ihr beim Stichwort „kreativ“ auch zuerst an Künstler, Werber oder Designer? Dabei heißt kreativ sein ja nichts anderes, als das wir unsere Fantasie einsetzen. Fantasie haben wir alle. Also kann jeder von uns kreativ sein. Ob wir das auf unser Leben und vor allem auf unsere Arbeit übertragen, hängt meiner Meinung nach von unserer Motivation ab. Weiterlesen

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Papa in Kolumbien: “Menschlichkeit ist wie ein Samen” (Teil 2)

Aus dem Leben eines engagierten Papas – hier folgt der zweite Teil von Alveiros Geschichte. Bis Weihnachten gibt es wöchentlich ein neues Kapitel mit Einblicken in sein Leben, beruflich und privat. Über euer Interesse und eure Kommentare freue ich mich und wünsche euch eine spannende Lektüre.

Kolumbien ist eine Kultur, in der wir unsere Zeit zwischen Familie und Arbeit aufteilen müssen. Dabei kommt die Familie in der Regel zu kurz, denn die durchschnittliche Arbeitszeit beträgt 48 Stunden pro Woche. Teilzeitstellen gibt es kaum, der Verdienst würde schlichtweg nicht ausreichen, um über die Runden zu kommen. Vor allem in den Städten kommt zur eigentlichen Arbeit eine An- und Abreise von oft über einer Stunde hinzu. Es ist also nicht ungewöhnlich, wenn wir 12 Stunden am Tag außer Haus sind, um zu arbeiten. Viele Kolumbianer sehen ihre Kinder daher kaum. Sie verlassen das Haus, wenn diese noch schlafen und kehren erst spät wieder heim, vor allem wenn sie abends eine Fortbildung besuchen.

Zum Glück sind da häufig Großeltern, die sich um die Kinder kümmern. Der familiäre Zusammenhalt in Kolumbien ist stark und erleichtert es, Kinder groß zu ziehen. Bei uns im Haus lebt die alleinstehende Tante meiner Frau, seit unsere erste Tochter zur Welt kam – ein wahrer Segen. Auch meine Frau arbeitet schließlich 48 Stunden die Woche. Wenn Termine anstehen, wie zum Beispiel ein Elternabend, sprechen wir uns rechtzeitig ab, um diese wahrnehmen zu können. Auch meine Geschäftsreisen lege ich mit Rücksicht auf meine Familie. Zwar habe ich einen verantwortungsvollen Posten, doch die Familie steht stets an erster Stelle. Es ist schon vorgekommen, dass ich eine geplante Geschäftsreise abgesagt habe, weil ich zu Hause gebraucht wurde.

 

Gewalt im Alltag

Wir Kolumbianer müssen friedlichere Menschen werden. Bewaffnete Konflikte, Drogenhandel, Gewalt auf der Straße und in den Familien behindern seit Jahrzehnten die Entwicklung einer friedfertigen Gesellschaft. Millionen meiner Landsleute haben im Lauf der Jahre ihre Heimatregionen verlassen. Sie stranden als Vertriebene am Rand der überfüllten Städte, in der verzweifelten Hoffnung auf ein besseres Leben. So ging es auch meiner Frau und mir, als wir noch Kinder waren und mit unseren Familien fliehen mussten.

Schon als Kind wollte ich etwas erreichen und habe mir stets Ziele gesetzt. Heute leite ich eine Organisation, die psychologische und materielle Unterstützung leisten kann. Mit der YMCA (zu deutsch: CVJM, Christlicher Verein Junger Menschen) helfen wir vertriebenen Kindern und Jugendlichen beim Ankommen, versuchen ihnen Selbstbewusstsein zu vermitteln und eine Perspektive. Wir wollen sie stärken und ihnen die Augen öffnen für bessere Alternativen, als die, sich einer bewaffneten Gruppierung anzuschließen. Nur so lässt sich die Spirale von Armut und Gewalt ausbremsen. Weißt du, Menschlichkeit ist wie ein Samen, es braucht nicht viel um ihn zu pflanzen, aber er kann großartige Früchte tragen.

Unsere Probleme sind zu groß, als dass eine Regierung sie lösen könnte. Daher bringt es nichts, die Verantwortung allein dem Staat zuzuschieben. Jeder einzelne kann in seinem Umfeld hinschauen, den Mund aufmachen, ein Mentor sein. Schließlich sehnt sich der Großteil der Kolumbianer nach Frieden. Weniger potentielle Akteure heranzuziehen ist unsere einzige Chance, diese Sehnsucht zu erfüllen. Denn Schuld am kolumbianischen Konflikt sind in erster Linie nicht die Waffen, sondern die Menschen.

 

 

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Papa in Kolumbien: „Auf eine neue Familie kannst du dich nicht bewerben“ (Teil 1)

Vergangenen Donnerstag war ich zu Gast auf Schloss Falkenberg für eine Lesung. Statt dem einen Quotenmann waren quasi 10 Männer anwesend  (darunter allerdings auch mein eigener Mann sowie unsere beiden Söhne). Dennoch: Rekord! Für mich auf jeden Fall ein Anlass, Papas ins Rampenlicht von mum02 zu rücken. Zuletzt habe ich Andi aus Schweden hier vorgestellt, das ist schon eine Weile her. Zum Thema „working dads international“ möchte ich euch Alveiro aus Kolumbien vorstellen. Ihn habe ich über sein Leben als engagierter Papa mehrfach interviewt. Entstanden ist ein ausführliches Kapitel über das Familien- und Arbeitsleben in einem Land, das ganz andere Regeln folgt als unseres.

Acht Wochen vor Weihnachten fällt mir dazu ein, eine Fortsetzungsgeschichte daraus zu machen, eine andere Art Adventskalender, verpackt in wohlbekömmliche Päckchen. Claro que sí!

Alveiro mit seiner Familie

Alveiro mit seiner Familie

Steckbrief Kolumbien.

Einwohner: 46 Millionen

Fläche: 1,141 Mio. km2
Hauptstadt: Bogotá; ca. 7,3 Mio. Einwohner

Regelarbeitszeit: 48 Stunden pro Woche

Finanzielle Unterstützung für Familien / Mutterschutz und Elterngeld: Drei Monate Mutterschutz, beginnt eine Woche vor dem Geburtstermin. Väter bekommen nach der Geburt fünf Tage frei. Die Kinderbetreuung wird meist privat geregelt.

Zahlenquelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Kolumbien

 

Sie ziehen sich wie eine Perlenkette durch Alveiros 50-jähriges Leben: Menschen, die an ihn geglaubt und ihn unterstützt haben. Hart zu arbeiten und für andere da zu sein ist für den Landesvorsitzender des kolumbianischen YMCA essentiell. Längst ist aus ihm selbst eine Perle geworden, ein Mentor, der es sich zum Beruf gemacht hat, Menschen weiter zu helfen. Oberste Priorität in seinem Leben haben seine Töchter (8 und 10 Jahre) – wenn sie ihn brauchen, sagt er schon mal eine Geschäftsreise ab.

„Meine Frau und ich sind seit 11 Jahren ein Paar. Wir haben zwei Töchter. Danna Sophia ist zehn geworden, Juliana acht Jahre alt. Wir stehen uns sehr nahe, reden unglaublich viel. Jeden Abend erzählen sie mir von ihrem Tag und fragen nach, was ich erlebt habe. Ich liebe meine Arbeit und früher bin ich auch liebend gerne gereist. Doch seit wir Kinder haben, sind die vielen Reisen das Schlimmste für mich. Denn dann vermisse ich meine Kinder so sehr. Zum Glück verstehen die Mädchen, dass die vielen Geschäftsreisen Teil meines Jobs sind, schließlich sind sie damit aufgewachsen. Oft helfen sie mir beim Packen. Indem ich sie involviere, erleichtere ich uns die Trennung. Umso älter sie werden, umso mehr Zeit wollen sie mit mir verbringen. Sie haben so viele Fragen. Wenn ich zwei, drei Tage weg bin, beginnen sie mich zu vermissen, sie schreiben mir E-Mails und liebe Nachrichten. Nächste Woche ist es wieder soweit: Eine kleine CVJM-Delegation aus Deutschland hat sich angekündigt und ich werde mit ihnen durchs Land reisen. Komme ich an normalen Tagen abends nach Hause, werde ich verwöhnt. Danna und Juliana massieren mich, kratzen mir den Rücken, kämmen mir die Haare. Oft höre ich: „Papa, ich liebe dich!“ Sie haben wirklich keinerlei Hemmungen, ihre Gefühle zu zeigen. Das macht mich sehr glücklich, denn ich habe uns als Familie immer dazu ermutigt. Es ist wichtig, Gefühle in Worte fassen zu können. Doch die meisten Menschen haben das nie gelernt.“

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Lesung: Zurück an einen glücklichen Ort meiner Kindheit

Am Donnerstag, 30.10.2014 um 19:30 lese und erzähle ich aus meinem Buch „Zwischen Karriere und Krabbelgruppe“ auf Schloss Falkenberg im hessischen Wabern.

Mit Schloss Falkenberg in Wabern verbindet mich eine lange Geschichte: Als Grundschulkind fuhr ich mit Freunden im Reisebus zum ersten Mal auf eine Freizeit hin. Das Schloss liegt im gleichnamigen Dorf im Norden Hessens und war für mich als Kind und Jugendliche ein kleines Paradies. Gab es dort doch Pferde, weitläufige Wiesen, Reitunterricht, einen Badeteich und jede Menge Spaß und Unternehmungen mit Gleichaltrigen. Abends grillten wir Stockbrote am Feuer im Schlosshof und ich spielte mir an der Gitarre die Finger wund – Lagerfeuerromantik und Freiheit pur. Mehrfach verbrachte ich zehn Tage meiner Sommerferien dort.

Schloss Falkenberg

Schloss Falkenberg

Zum Reiten kamen auch Kinder aus dem Dorf aufs Schloss und so fand ich in Tanja eine Freundin, durch die ich heute noch mit Falkenberg in Verbindung stehe, denn sie wohnt vor Ort. Ich reiste an zu ihrer Hochzeit, besuchte sie und ihren Mann auf der Durchreise nach Kopenhagen und traf die ganze Familie ab und zu bei Urlauben in Bayern (was deutlich näher an meiner baden-württembergischen Heimat liegt als das doch recht weit entfernte Falkenberg). Mit der Lesung am Donnerstag kehre ich nun zurück an einen sehr glücklichen Ort meiner Kindheit. Meine Kinder und mein Mann werden mit dabei sein, gemeinsam schnuppern wir ein paar Tage Ferienluft in Falkenberg. Darauf freue ich mich und bin sehr gespannt, was der Abend und die Tage bringen mögen. An dieser Stelle ein allerherzliches Dankeschön an meine Freundin Tanja für die Idee und Organisation der Lesung!

 

Hoffnung für Dich e.V.

Eigentümer des Gemäuers, in dem früher Grafen und Ritter ein- und ausgingen, ist damals wie heute „Hoffnung für Dich e.V.“. Der Verein veranstaltet nach wie vor Freizeiten für Kinder und Jugendliche. Zudem betreut er im Schloss bzw. im Mutter-Kind-Haus seelisch behinderte Mütter mit ihren Kindern sowie drogenabhängige Männer und bietet Beratung für hilfesuchende Menschen.

FalkenbergLagerfeuer

 

 

 

Bildquelle: http://www.hoffnung-fuer-dich.de

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Solch einen Lehrer hätte ich mir auch gewünscht

Gelesen: „Davids Liste – Was bleibt, wenn ich gehe“ von David Menasche

DavidsListe

Wir leben, als wäre unser Leben unendlich

„Wie wir leben, liegt ganz an uns. Ich hatte einen Vorteil gegenüber vielen anderen Leuten: Ich glaubte inzwischen wirklich, dass ich sterben würde.“ Das hatten ihm die Ärzte gesagt. Sechs Jahre leben mit dieser Art Gehirntumor, „das war ein echter Glücksfall“. David begriff, dass er sterben würde, wogegen „die meisten Leute denken irgendwie, der Tod betrifft sie nicht. Sie leben, als wäre ihr Leben unendlich.“ (Die Zitate stehen im Buch auf S. 111/112)

 

Prioritäten setzen

Der ehemalige Skateboard-Punk und leidenschaftliche Lehrer David Menasche baute ein Leitmotiv in seinen Unterricht ein: die Prioritätenliste. Seine Schüler bekamen von ihm in regelmäßigen Abständen die Aufgabe, für sie lebenswerte Begriffe aufzuschreiben in der Reihenfolge ihrer Bedeutung. Eine Liste könnte so aussehen:

 

Abenteuer

Privatsphäre

Respekt

Unabhängigkeit

Freundschaft

Liebe

Familie

 

Solche Prioritätenlisten scheinen in den USA nicht ungewöhnlich zu sein. Bei uns sind sie meines Wissens höchstens als Zeitmanagementinstrument bekannt, aber nicht als Lebenshilfe. Durch die Listen bringt Menasche seine Schüler dazu, über sich selbst nachzudenken und darüber, was für sie im Leben gerade wirklich zählt. „In der Highschool gab es so viele Erwachsene, die uns unter Druck setzten (…), die uns sagten, worauf wir uns konzentrieren sollten und worauf nicht: Freunde, Noten, Geld, Beliebtheit. (…) Nur wenige Erwachsene zeigten uns die Möglichkeit, vorn anzufangen, in uns selbst, und unsere eigenen Prioritäten zu setzen. Die Liste zwang uns dazu, uns selbst anzuschauen und uns zu fragen, worauf wir tatsächlich Wert legten. Aber sie tat es auf eine Weise, die uns keine Angst machte und keinen Druck ausübte. Sie half uns, uns selbst kennenzulernen, damit wir entscheiden konnten, was für eine Art von Erwachsenen wir werden wollten„, erzählt Menasches ehemalige Schülerin Melissa Rey auf Seite 73.

 

Schicksalsschlag und Couchsurfing

Das Buch „Davids Liste“ ist eine Autobiographie mit Ratgebercharakter und als solches durchaus lesenswert. Auch wenn er vor allem erzählt, was wir eigentlich wissen, aber ungern hören und noch weniger beherzigen: Unser Leben ist endlich und es liegt an uns, was wir damit anfangen.

David Menasche, Lehrer aus Miami, hat dieses Buch als Vermächtnis geschrieben, nachdem er an einem unheilbaren Hirntumor erkrankt und ihm die Ärzte sagten, er hätte nur noch wenige Monate zu leben (vermutlich steht das Leben ganz oben auf seiner Prioritätenliste, jedenfalls ist er laut seiner Facebookseite alles andere als tot). Am Unterrichten hält er lange fest, rennt zwischendurch aufs Klo um zu kotzen und steht gleich darauf wieder vor der Klasse, als sei nichts gewesen. Irgendwann ist er tatsächlich zu schwach zum Unterrichten. Da kommt ihm die Idee zu einer Reise, auf der er möglichst viele seiner früheren Schüler wiedersehen will.

Via Facebook startet er einen Aufruf , viele melden sich und laden ihn zu sich ein. So macht David Menasche sich per Anhalter und Zug auf. Er fährt quer durch die USA und übernachtet als „Couchsurfer“ bei ehemaligen Schülerinnen und Schülern. Schwerkrank und beinahe erblindet, ist er dabei immer wieder auf die Hilfe fremder Menschen angewiesen. In New York City bewahrt ihn  Sarah Jessica Parker zufällig davor, von einem Taxi überrollt zu werden. Sicherheitshalber begleitet sie ihn zwei Blocks weiter zu einer Bar, in der er sich mit seinem Ex-Schüler Sergio treffen will. Der klärt David erst mal auf, wer da gerade Fremdenführerin für ihn gespielt hat.

 

Was bleibt von mir?

Menasche will herausfinden, ob er und seine Liste nachhaltigen Eindruck auf seine Schülerinnen und Schüler gemacht haben, wie und ob er ihren Lebensweg geprägt hat. Dass er sein Ziel erreicht hat, belegen die vielen Briefe und Kommentare ehemaliger Schüler, mit denen das Buch gespickt ist. Für David Menasche wird die Reise zur Bestätigung. Gleichzeitig findet er einen besseren Zugang zu sich selbst. Auf seiner persönlichen Prioritätenliste stand die Hingabe an seine Schüler immer ganz oben. „…seit meiner Reise habe ich begriffen, dass ich bei ihnen (den Schülern) auch Priorität habe “ sagt Menasche am Ende des Buchs.

 

Was geben wir unseren Kindern mit?

Einen Lehrer wie David Menasche zu haben, ist sicherlich ein Glücksfall. Ich konnte mir meine Lehrer in der Schule nicht aussuchen, meine Kinder können es ebenso wenig. Doch als Eltern sind wir von Anfang an die Lehrer unserer Kinder. Ich mag keine Erziehungsratgeber, aber ich glaube fest daran: „Du kannst deine Kinder nicht erziehen. Sie machen dir sowieso alles nach.“ Und was hören sie von mir viel zu oft? „Keine Zeit“, „Lass das“, „trödel nicht so rum“. Sind das etwa meine Prioritäten? Und wenn ich mir endlich die Zeit nehme, mit ihnen zu spielen, ein Buch zu lesen oder zu musizieren, dann höre ich schon mal: „Keine Zeit Mama, ich will mit Leon spielen“. Diese Woche habe ich meinem jüngeren Sohn an zwei Tagen morgens noch eine Seite aus seinem heißgeliebten Tierbuch vorgelesen. Das dauerte gar nicht lang und war sehr nett. Als er mich fragte, ob ich Zeit hätte, sagte ich: „ich nehme mir Zeit für dich“. Prompt kam die Antwort: „Das finde ich gut Mama, dass du dir Zeit nimmst“. Ich will es viel öfter tun. Denn unterm Strich zählt genau das: Zeit mit den Menschen zu verbringen, die uns am Herzen liegen. Ihnen zuzuhören und sie darin zu bestärken, an ihren Träumen festzuhalten. Schließlich ist unser Leben voll unendlicher Möglichkeiten. Und es ist dennoch endlich, daran sollten wir ab und zu denken, wenn wir unsere Prioritäten setzen.

 

Buch-Info:

David Menasche: „Davids Liste. Was bleibt, wenn ich gehe“ ist 2014 erschienen im KNAUR Verlag, Reihe Menssana, ISBN 978-3-426-65738-6

 

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Working Mum: Get dressed in full Armani Armour

Before heading off to the client presentation, I got dressed in full Armani Armour“, verkündet Kate Reddy, die Heldin aus Allison Pearsons Bestseller „I don’t know how she does it“*, zu deutsch “Der ganz normale Wahnsinn: Working Mum”.
„Armani armour“. Eine funkelnde Rüstung für den Kampf;  gepaart mit High-Heels und einer Menge zahlengetränkter Powerpoint-Folien zieht die Finanzmanagerin und zweifache Mum Kate so in die Meetings in London und New York City. Dieser Satz hat mich beschäftigt. „Kleider machen Leute“ – ihr kennt vielleicht die Geschichte vom Schneiderlehrling Wenzel, der in Gottfried Kellers Novelle für einen polnischen Grafen gehalten wird und die unverhoffte Situation ausnutzt.

 

Ich gehöre zu den Menschen, die ihre Garderobe je nach Anlass bedacht auswählen. Dazu gehört NICHT der Ausflug auf den Spielplatz, ich meine wirklich: Anlässe. Meiner Meinung nach gibt es Situationen, in denen wir uns nicht allein auf unsere inneren Werte verlassen dürfen. Sondern bei denen der erste Eindruck überzeugen muss. Visuell. Wenn ich ein Konzert moderiere, suche ich Kleider aus, die zum Programm und zu mir passen. Bei meinen ersten vier Lesungen im vergangenen Jahr trug ich das exakt selbe Outfit – bis ich mich sicher genug fühlte, um zu experimentieren.
Dabei braucht es kein Armani, nicht für mich. Doch es gibt diese Outfits, in denen wir uns gut und stark fühlen und die wir immer wieder in genau derselben Zusammenstellung aus dem Schrank ziehen.
Kennt ihr das Gefühl? Wie kleidet ihr euch für wichtige Ereignisse?

Als studierte Betriebswirtin dachte ich ja vor Jahren noch, unbedingt einen schwarzen Anzug zu brauchen. Bei Zinser, ehemals Breuninger, probierte ich fünf verschiedene an bis die Verkäuferin zu mir sagte. „Was halten Sie denn von diesem sportiven, schwarzen Kleid? Wissen Sie, Sie scheinen mir einfach nicht der Typ für einen schwarzen Anzug zu sein“. Ich sah sie erstaunt an. Und nahm schließlich das Kleid und den Anzug. Bald sah ich ein, dass die Frau recht gehabt hatte. Der schwarze Anzug hängt im Schrank. Zu förmlich für mich.
Auf der Suche nach dem eigenen Stil lande ich immer mal wieder in einer Sackgasse. Doch ich behaupte, die Liste der Fehlkäufe wird kürzer. Und es gibt schon immer Farben und Muster, um die ich einen großen Bogen mache. Die universelle „Armani Armour“, mit der ich mich in exponierten Lebenslagen gerüstet fühle? Wenn es sie gibt, wartet sie noch auf mich, irgendwo da draußen.

*BUCHTIPP Allison Pearsons Bestseller „I don’t know how she does it“: Das Buch erschien bereits vor zehn Jahren und wurde mit Sarah Jessica Parker in der Hauptrolle der „Working mum“ verfilmt. Das Audiobuch verkürzte mir in den vergangenen Wochen Stunden im Stau auf dem Weg zu einem Kunden. Absolut großartiger Stoff. Kate Reddy lebt gleichzeitig auf zwei „Planeten“, was unweigerlich desaströse Folgen hat: Zum einen ist sie als talentierte Finanzmanagerin in der Londoner City rund um die Uhr im Einsatz. Zum anderen ist sie Mutter von Emily (5) und Ben (1) und verheiratet mit Richard, wohlmeinender Ehemann und mäßig erfolgreicher Architekt. In den Nebenrollen treten auf: Sexistische Kollegen, der verführerische Kunde, das erpresserische aber lebensnotwendige Kindermädchen, die nervigen Schwiegereltern, ein als Taxifahrer verkleideter Philosoph sowie Kates sehr großes schlechtes Gewissen zusammen mit ihrer endlosen mentalen To Do Liste. Und viele mehr. Also solltet ihr das Buch noch nicht kennen, lest oder hört es – es ist lustig und traurig und überzogen und dennoch wahr.

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Lesetipp: Mütter – die letzte Fiktion unserer Zeit?

GEO-Wissen MÜTTER

Über die Feiertage fand ich Muse, mich durch die vor Weihnachten erschienene Ausgabe von GEO Wissen zu schmökern. Sie handelt von „der wohl wichtigsten Frau im Leben der meisten Menschen: der eigenen Mutter“.

gelesen und für interessant befunden: GEO-Heft "Mütter"

gelesen und für interessant befunden: GEO-Heft „Mütter“

Vom Ende der deutschen Mutter und dem Beginn der Mütter

Besonders spannend fand ich die Gesellschaftsreportage „Gesucht: die neue Mutter“ von Christoph Kucklick. Ausgehend vom Stereotyp „Mütter haben sanft und opferbereit zu sein“ widerlegt er systematisch die Mutterschaft als „letzte Fiktion unserer Zeit“. In dem er zeigt: Es gibt nicht DIE gute Mutter, es gibt unendlich viele Spielarten. Dabei treten auf: Eltern dank Leihmutterschaft; eine frischgebackene 64-jährige Mutter; eine SOS-Kinderdorf-Mutter; eine Familie mit acht Kindern, die seit dem vierten Kind manchen Bekannten als „asozial“ gilt (so geht es meiner Freundin mit vier Kindern ebenfalls); Karrierefrauen mit eingefrorenen Eizellen; Adoptiveltern; zwei Kinder in einer Wohngemeinschaft mit ihren Vätern und Müttern, einem lesbischen und einem schwulen Elternpaar, etc.

Kucklick entlarft – wie andere vor ihm – den gerade im Westen Deutschlands häufig anzutreffenden „Kult der totalen Mutterschaft“ als Erbstück des deutschen Kaiserreichs und des Nazionalsozialismus. Und er zeigt durch viele Beispiele aus dem In- und Ausland, das diese Form der Überforderung völlig unnötig ist. Es gibt ja dieses bekannte Sprichwort „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind groß zu ziehen.“ Daran erinnert mich der Tenor des Artikels: Um die angestrebte Gelassenheit zu realisieren, könnten viele gestresste Mütter auf die Rolle als „Zentralgestirn“ im Leben ihrer Kinder verzichten zu Gunsten anderer Bezugspersonen: allen voran den Vätern, daneben andere Familienmitglieder, Tagesmütter, ErzieherierInnen usw.

Am Ende des Artikels findet sich eine wenig überraschende aber meist vernachlässigte Tatsache: „Mütter sind dann am glücklichsten, wenn sie das Leben führen können, das sie sich wünschen.“ Ein Plädoyer für die Vielfalt des Mütterlichen.

Mütter und ihre Kinder

Im Abschnitt „Mütter und ihre Kinder“ beleuchtet GEO Wissen zunächst in Worten und Bildern das Wunder des Lebens, das Rätsel der Schwangerschaft und um Ähnlichkeiten zwischen Eltern und Kindern. Außerdem geht das Heft Fragen nach wie „Typisch Junge, typisch Mädchen?“, „Ist Mutterliebe angeboren?“ (scheinbar nicht), „Wie entkommt Frau der Perfektionismus-Falle?“ und – wie kann das Thema in einem deutschen Heft zu diesem Thema fehlen – „Wann ist es Zeit für die Kita?“ (es kommt darauf an).

Fazit

Die Reportagen und Texte im Heft teilen sich in zwei Blickwinkel: „Mütter und ihre Kinder“ und „Kinder und ihre Mütter“. Dazu gibt es jeweils zwei Tests, der erstere verspricht Aufschluss über die Beziehung zur eigenen Mutter, der zweite will die leidige Frage „bin ich eine gute Mutter?“ beantworten. Solche Psycho-Tests für den Hausgebrauch sind Geschmackssache, davon abgesehen fand ich jedoch viele aufschlussreiche Analysen und Betrachtungen in den 16 versammelten Texten und kann das Heft daher absolut empfehlen.

Das Heft GEO WISSEN Nr. 52 „Mütter“ umfasst 164 Seiten und kostet in Deutschland 9,50 Euro.

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Buchvorstellung „Wunder muss man selber machen“ von Sina Trinkwalder

 Sina Trinkwalder aus Augsburg zog Ende 2009 einen Schlussstrich unter ihr Dasein in der Werbebranche, um etwas Sinnvolles zu schaffen: Eine Näherei, in der Arbeitslose die Chance bekommen,  ökologische Bekleidung in Deutschland herzustellen. 2010 wurde Manomama geboren, ein soziales Textilunternehmen in privater Hand. Über das Abenteuer Manomama hat sie 2013 ein Buch vorgelegt. Es heißt „ Wunder muss man selber machen – Wie ich die Wirtschaft auf den Kopf stelle“.cover_SinaT

Angesichts meiner Vergangenheit musste ich dieses Buch unbedingt lesen. Ich entstamme einem schwäbischen Textilunternehmen, das nach manchen Hochs, vielen Tiefs und folglich schrumpfenden Mitarbeiter- sowie Verkaufszahlen 2008 während der Wirtschaftskrise schließlich dicht machte. Damals habe ich fieberhaft überlegt, wie wir uns durch eine Neuorientierung am Markt halten könnten. Leider gab es dieses Buch zu der Zeit noch nicht. Es hätte mir auf jeden Fall Stoff zum Nachdenken geliefert.

Bereits viele Jahre bevor wir unseren Bekleidungsbetrieb schlossen, wurde ich immer mal wieder erstaunt gefragt: „Was, euch gibt es immer noch? Die meisten Textiler haben doch längst dichtgemacht in Deutschland – billige Konkurrenz aus Asien und so“. Diesem Vorurteil wollte Trinkwalder sich nicht beugen. Mit halsbrecherischem Mut zum Risiko investierte sie in Näh- und Zuschneidemaschinen und holt arbeitslose Näherinnen von der Straße.

 

Wer bitte gründet im 21. Jahrhundert eine Textilfabrik in Augsburg?

Das Buch nimmt die Leser in 20 Kapiteln mit von der spontanen Idee über die zahlreichen Hürden bis hin zur Etablierung von Manomama mit festen Auftraggebern. Wenn ich heute bei DM einkaufe, schaue ich die bunten Stofftaschen dort an und denke mir:„Euch kenn ich doch, ihr werdet in Augsburg genäht“. Bei Manomama nämlich.

Wie ein roter Faden zieht sich Sinas Bauchgefühl durch das Buch. Wie sie Entscheidungen trifft, dürfte klassischen Unternehmensberatern einen Herzinfarkt bescheren. Dabei erweist sich ihr sozialer und betriebswirtschaftlicher Spürsinn als enorm treffsicher.

Die erzählerischen Rückblicke im Buch wechseln sich ab mit thematischen Ausflügen. In Sinas Betrachtungen wird abgerechnet mit Globalisierung, Politik, Wirtschaft und Staat. Auch scheinheilige Promis und sogar die Bio- und Ökobewegung bekommen ihr Fett weg. In „Teilhabe statt Umverteilung“ zum Beispiel bringt sie ihre Auftragskalkulation auf den Punkt: „Nennen Sie mir den Preis, der für Sie ausreichend und für mich fair ist.“

Hochleistungsrosinenpicken“ handelt von der geistigen und körperlichen Ausbeutung von Mitarbeitern, die in vielen Unternehmen zu ökonomischem Verbrauchsgut degradiert worden seien. „In unserem Land ist für jeden Menschen etwas zu tun“ setzt Trinkwalder dem entgegen. Sie glaubt nicht nur an die Bedeutung eines selbstverdienten Lebensunterhalts, sie will vor allem Menschen auf der Verliererseite des Lebens den Zugang dazu ermöglichen. Indem sie selbst Arbeitsplätze schafft.

Für ihr Engagement erhielt Sina Trinwalder bereits zahlreiche Preise und war Gast in diversen Talkshows. Sie ist verheiratet mit einem Mann, der zwischen den Zeilen sehr sympathisch rüber kommt, sich viel um den gemeinsamen Sohn kümmert und ihr den Rücken freihält für ihre Mission vom fairen Unternehmertum.

Selbstverdientes Auskommen = Selbstvertrauen und Wertschätzung

Manomama stellt möglichst solche Menschen ein, die auf dem regulären Arbeitsmarkt keine Chance (mehr) haben. „Warum machst du dir es doppelt schwer?“ wird Sina dazu im Buch von einem Lieferanten gefragt. Denn einen Textilbetrieb in Deutschland zum Laufen zu bekommen ist schon mit motiviertem Fachpersonal eine Kunst. Ihre Antwort: „Weil es um Gerechtigkeit geht. Schau, wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Das ist an sich nicht schlecht, sehen wir einmal von den perversen Auswüchen ab. Wenn wir uns kennenlernen, fragen wir einander nicht, wie es uns geht, sondern erzählen uns, welcher Arbeit wir nachgehen. Wir definieren uns über Arbeit. Haben wir nichts Berufliches zu erzählen, sind wir nicht interessant. Wir gehören nicht dazu. Schlimmer noch: Als Arbeitsloser bist du nicht nur am Rande unserer Gesellschaft, die Arbeitenden verachten dich. Weil du ihnen auf der Tasche liegst. Staatsgeld verprasst. Du wirst krank, depressiv, und der Strudel zieht dich immer tiefer hinunter. (….) Ich habe viel Energie in die Wiege gelegt bekommen. Wieso sollte ich nicht meine Kratt für jene Menschen aufwenden, die sie brauchen? Wenn die Stärkeren viel mehr auf die Schwächeren in unserer Gesellschaft achten würden, wäre uns allen geholfen.“ (Aus: „Wunder muss man selber machen“ von Sina Trinkwalder, Seite 248)

Risiko? Her damit.

Beeindruckt hat mich die Art und Weise, wie sich Trinkwalder das komplette Know-how von industrieller Nähtechnik bis Zuschnitt selbst beibringt. Wie sie sich ohne Sicherheitsnetz auf eine fremde Branche und neue Menschen einlässt, auf die Gefahr hin, dabei kräftig auf die Schnauze zu knallen. Und das tut sie. Aber wie meine Mutter immer sagte: Hinfallen ist keine Schande, du musst eben immer wieder aufstehen. Und das tut Trinkwalder natürlich auch, ihr Kampfgeist springt einen beim Lesen an wie ein wildgewordenes Känguru. Im Klappentext wird sie denn auch charakterisiert als „Schrecken der Arbeitgeberverbände“. Das klingt plakativ, aber sie ist kein Schrecken. Vielmehr ein Vorbild, das gerechte Löhne bezahlt und in Deutschland am freien Markt faire Bekleidung produziert. Fazit: Sehr lesenswert.

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„Das Glück hat kein Preisschild“

Rezension zu „Kindheiten. Wie kleine Menschen in anderen Ländern groß werden.“MSchonhoeft_Kindheiten_06-4

Wo wohnt es eigentlich, das Glück? Weltweit wünschen sich Eltern glückliche Kinder, aus denen glückliche Erwachsene werden sollen. Aber wie funktioniert Erziehung  in anderen Kulturkreisen? Japan setzt auf Wohlfühl-Kitas, die Inuit auf Gelassenheit, bibeltreue Amerikaner glauben an die Züchtigung ihrer Kinder, in Schweden heißt ein Zauberwort „Inklusion“. Auch haben die Schweden bereits 1991 die Austrahlung von Werbung bei Kindersendungen verboten. Sind skandinavische Kinder deshalb laut Statistik glücklicher als der Durchschnitt? So wie übrigens auch der niederländische Nachwuchs, dessen Eltern besonders viel Zeit mit ihren Kindern verbringen. Intuitiv spüren wir: Nicht „Zeit ist Geld“, Zeit zu haben ist Glück.

Das Glück hat kein Preisschild ist denn auch meine persönliche Lieblingsheadline in Michaela Schonhöfts Buch „Kinderheiten“. Und es nimmt einen wichtigen Teil der Antwort vorweg auf die Eingangsfrage nach dem Glück: Zeit, Wissen, Natur und Nestwärme gehören zu den wichtigsten Zutaten für eine glückliche Kindheit.

Auf 357 Seiten breitet die Journalistin, Soziologin und Globetrotter-Mama Michaela Schonhöft das „Weltwissen der Erziehung“ aus. Mit der Autorin habe ich auch ein Interview geführt. Mich hat die Tiefe und Breite ihres Werkes beeindruckt. Die gesammelten Anekdoten, Geschichten und Fakten ergeben ein rundum lesenswertes Kaleidoskop. Ausgangspunkt des Sachbuchs ist die Frage nach dem Glück. Sie zieht sich wie ein Leitmotiv durch das Buch. Es gipfelt in der Betrachtung, wie eine kinderfreundliche Gesellschaft aussieht. Hier kann gerade Deutschland noch einiges lernen: Dass Kinder nämlich nicht nur eine Bezugsperson brauchen, sondern die Erziehung besser auf viele Schultern verteilt wird. Dass Glück nicht gleichbedeutend ist mit Leistung und Erfolg. „Eine Gesellschaft offenbart sich nirgendwo deutlicher als in der Art und Weise, in der sie mit ihren Kindern umgeht„, wird Nelson Mandela zitiert. Kinder seien schließlich der größte Reichtum jeder Gesellschaft. Doch nicht nur auf gesellschaftlicher Ebene bietet der Blick in fremde Kulturen neue Erkenntnisse. Auch für meine eigene Familie habe ich einiges rausgelesen aus diesem facettenreichen, absolut lesenswerten Buch.

Das Buch „Kindheiten“ von Michaela Schonhöft ist erschienen im Pattloch-Verlag, München, 2013.

Autorin Michaela Schönhoft. Bild: Anke Jacob.

Autorin Michaela Schönhoft. Bild: Anke Jacob.

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