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Papa in Kolumbien: “Menschlichkeit ist wie ein Samen” (Teil 2)

Aus dem Leben eines engagierten Papas – hier folgt der zweite Teil von Alveiros Geschichte. Bis Weihnachten gibt es wöchentlich ein neues Kapitel mit Einblicken in sein Leben, beruflich und privat. Über euer Interesse und eure Kommentare freue ich mich und wünsche euch eine spannende Lektüre.

Kolumbien ist eine Kultur, in der wir unsere Zeit zwischen Familie und Arbeit aufteilen müssen. Dabei kommt die Familie in der Regel zu kurz, denn die durchschnittliche Arbeitszeit beträgt 48 Stunden pro Woche. Teilzeitstellen gibt es kaum, der Verdienst würde schlichtweg nicht ausreichen, um über die Runden zu kommen. Vor allem in den Städten kommt zur eigentlichen Arbeit eine An- und Abreise von oft über einer Stunde hinzu. Es ist also nicht ungewöhnlich, wenn wir 12 Stunden am Tag außer Haus sind, um zu arbeiten. Viele Kolumbianer sehen ihre Kinder daher kaum. Sie verlassen das Haus, wenn diese noch schlafen und kehren erst spät wieder heim, vor allem wenn sie abends eine Fortbildung besuchen.

Zum Glück sind da häufig Großeltern, die sich um die Kinder kümmern. Der familiäre Zusammenhalt in Kolumbien ist stark und erleichtert es, Kinder groß zu ziehen. Bei uns im Haus lebt die alleinstehende Tante meiner Frau, seit unsere erste Tochter zur Welt kam – ein wahrer Segen. Auch meine Frau arbeitet schließlich 48 Stunden die Woche. Wenn Termine anstehen, wie zum Beispiel ein Elternabend, sprechen wir uns rechtzeitig ab, um diese wahrnehmen zu können. Auch meine Geschäftsreisen lege ich mit Rücksicht auf meine Familie. Zwar habe ich einen verantwortungsvollen Posten, doch die Familie steht stets an erster Stelle. Es ist schon vorgekommen, dass ich eine geplante Geschäftsreise abgesagt habe, weil ich zu Hause gebraucht wurde.

 

Gewalt im Alltag

Wir Kolumbianer müssen friedlichere Menschen werden. Bewaffnete Konflikte, Drogenhandel, Gewalt auf der Straße und in den Familien behindern seit Jahrzehnten die Entwicklung einer friedfertigen Gesellschaft. Millionen meiner Landsleute haben im Lauf der Jahre ihre Heimatregionen verlassen. Sie stranden als Vertriebene am Rand der überfüllten Städte, in der verzweifelten Hoffnung auf ein besseres Leben. So ging es auch meiner Frau und mir, als wir noch Kinder waren und mit unseren Familien fliehen mussten.

Schon als Kind wollte ich etwas erreichen und habe mir stets Ziele gesetzt. Heute leite ich eine Organisation, die psychologische und materielle Unterstützung leisten kann. Mit der YMCA (zu deutsch: CVJM, Christlicher Verein Junger Menschen) helfen wir vertriebenen Kindern und Jugendlichen beim Ankommen, versuchen ihnen Selbstbewusstsein zu vermitteln und eine Perspektive. Wir wollen sie stärken und ihnen die Augen öffnen für bessere Alternativen, als die, sich einer bewaffneten Gruppierung anzuschließen. Nur so lässt sich die Spirale von Armut und Gewalt ausbremsen. Weißt du, Menschlichkeit ist wie ein Samen, es braucht nicht viel um ihn zu pflanzen, aber er kann großartige Früchte tragen.

Unsere Probleme sind zu groß, als dass eine Regierung sie lösen könnte. Daher bringt es nichts, die Verantwortung allein dem Staat zuzuschieben. Jeder einzelne kann in seinem Umfeld hinschauen, den Mund aufmachen, ein Mentor sein. Schließlich sehnt sich der Großteil der Kolumbianer nach Frieden. Weniger potentielle Akteure heranzuziehen ist unsere einzige Chance, diese Sehnsucht zu erfüllen. Denn Schuld am kolumbianischen Konflikt sind in erster Linie nicht die Waffen, sondern die Menschen.

 

 

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Hans-Georg Nelles im Gespräch

11 Fragen an einen engagierten Vater: Hans-Georg Nelles von Väter & Karriere. Er hat das Thema Vereinbarkeit zu seinem Beruf gemacht und thematisiert zum Beispiel in seinem Blogbeitrag „Darf es auch ein bisschen weniger sein„, dass Karriere und Teilzeit kein Widerspruch sein dürfen – für Männer und Frauen. Das kann man nicht oft genug sagen und schreiben, bis es selbstverständlich wird. „Aber von alleine geht nichts, es braucht schon den Mut, diese Vorstellungen auch tatsächlich zu äußern und zu leben„, so Hans-Georg Nelles.

Hans-Georg Nelles auf der WomenPower 2012

Hans-Georg Nelles auf der WomenPower 2012

1.    Hand aufs Herz – wieso bloggst du?

Ich habe vor fast 8 Jahren angefangen zu bloggen, nachdem ich eine spannende Veranstaltung zum Thema Bloggen besucht habe und ich darin eine gute Möglichkeit gesehen habe, Väter und ihre Anliegen zum Thema zu machen und die Entwicklung, die ja just zu diesem Zeitpunkt durch die Diskussion um das Elterngeld an Dynamik gewonnen hat, zu dokumentieren.

2.    Woher nimmst du die Zeit dafür?

Das Thema Väter und väterbewusste (Personal-) Politik habe ich zu meinem Beruf gemacht und die Texte im Blog sind Ergebnis meiner täglichen Beschäftigung damit.

3.    Gibt es Dinge in puncto Vereinbarkeit, die du gerne von anderen Ländern oder Kulturen nach Deutschland importieren würdest?

Ich habe drei inzwischen erwachsene Kinder und das beste was mir „passieren“ konnte ist eine Partnerin, die Spaß am Beruf hat, gerne arbeitet und die uns so eine partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit ermöglicht (hat).

4.    Ein Blick in die Zukunft: Wird es in zehn Jahren einfacher sein, in Deutschland Familie und Job zu vereinbaren? Oder machen wir eher Rückschritte?

Es wird nach dem Muster zwei Schritte vor, einen zurück verlaufen, aber ich bin der Überzeugung, dass die kommenden Väter und Mütter gute Chancen haben, ihre Vorstellungen gegenüber den Arbeitgebenden durchzusetzen. Aber von alleine geht nichts, es braucht schon den Mut, diese Vorstellungen auch tatsächlich zu äußern und zu leben.

5.    Wie sieht deiner Meinung nach die ideale Arbeitswelt aus?

Ideal sind Arbeitswelten, die zu den jeweiligen Bedürfnissen und Lebensereignissen von Männern und Frauen, Vätern und Müttern passen bzw. ihnen die Möglichkeit geben Arbeitszeiten und –orte so anzupassen, das gute Ergebnisse und Lebenszufriedenheit gleichermaßen erzielt werden.

6.    Bist  du lieber selbständig oder angestellt?

Ich habe 25 Jahre im Anstellungsverhältnis gearbeitet und bin jetzt seit fast 6 Jahren freiberuflich tätig. Ich kann mir nicht mehr vorstellen, von morgens bis abends an einem Schreibtisch zu sitzen und einer Tätigkeit nachzugehen.

7.    Stadt oder Land?

Das Land ist ein Sehnsuchtsraum, in den Städter Wünsche und Erwartungen projizieren. Ich brauch den Puls der Stadt. Manchmal ist es Berlin und der Takt ist anregend. Zur Entspannung reicht mir mein Viertel in dem DüsselDorf am Rhein.

8.    All-inclusive oder Abenteuerurlaub?

Weder noch, ich habe mir meine/ unsere Urlaube in den vergangenen 40 Jahren immer selber organisiert. Da war manches abenteuerlich, aber es war immer erholsam.

9.    Dein Lieblingsbuch?

Der Dialog, Das offene Gespräch am Ende der Diskussionen von David Bohm

10.    Körper, Geist, Seele – was ist dein Rezept, um mit dir selbst in Einklang zu kommen?

Nichts unternehmen, was diese Einheit zu sehr auf die Zerreißprobe stellt und wenn doch, laufen und anschließend in die Sauna.

11.    Angenommen eine Fee gewährt dir drei Wünsche. Was möchtest du sein, tun oder haben?

Gesundheit, Zufriedenheit und die Möglichkeit, meiner interessanten Tätigkeit möglichst lange nachgehen zu können und Wirkungen zu erzielen.

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USA versus Germany: Warum ein Land ohne bezahlten Mutterschutz kinderfreundlicher

Autorinnentrio zu Gast in der US Embassy Berlin: Michaela Schonhöft, Maya Dähne, Peggy Wandel

Autorinnentrio zu Gast in der US Embassy Berlin: Michaela Schonhöft, Maya Dähne, Peggy Wandel

ist als das von „Mutti“

Diese Woche war ich mit Maya Dähne und Michaela Schonhöft eingeladen zu einer deutsch-amerikanischen Diskussionsrunde. Der ehrgeizige Titel der Veranstaltung lautete:

„Balancing Family and Career Amidst Demographic Change:

Culture, Public Policy, Gender Roles, and Economics—An International Comparison

With Michaela Schonhöft, Peggy Wandel, and Maya Dähne

Authors of the books Childhoods (Kindheiten), Between Career and Playgroup (Zwischen Karriere and Krabbelgruppe), and

Desperately Seeking Daycare (Deutschland sucht den Krippenplatz)“

Veranstalter war die Wirtschaftssektion der US-Botschaft in Berlin. Mit deutschen und US-amerikanischen Botschaftsangehörigen, Gästen aus Ministerien und der Presse sprachen wir über internationale Erfahrungen und deutsche sowie US-amerikanische Eigenheiten. Kleine Erkenntnis am Rande: Die US-Amerikaner, vor allem die anwesenden berufstätigen Mütter, halten es für ein freiheitliches Grundrecht, am Sonntag ihre Einkäufe erledigen zu können, während wir Deutschen den Ladenschluss am Sonntag mehrheitlich verteidigen als letzte „Bastion im Angesicht des totalen Kapitalismus“.

Die Hauptfrage jedoch war: Wie lassen sich Beruf und Familie für Mütter und Väter besser vereinbaren und warum scheint dies in Deutschland schwieriger als in den USA, trotz großzügiger staatlicher Unterstützung? Was deutsche Eltern hierzulande erhalten, macht die US-Amerikaner neidisch. Dennoch zählt Deutschland zu den Schlusslichtern auf der Geburtenstatistik. Blickt man in die USA, gibt es weder den bezahlten Mutterschutz (abgesehen von wenigen progressiven Staaten wie Kalifornien), noch Elterngeld, Kindergeld oder sonstige Anreize. Dafür gibt es: Kinder. Die sind zwar Privatsache, gehören zum Leben in den USA aber ganz einfach dazu und werden nicht als Störfaktor oder Problem wahrgenommen.

Maya Dähne schilderte den Kontrast aus eigener Erfahrung: Sie arbeitete jahrelang in Washington D.C., wo auch ihre beiden Kinder zur Welt kamen. Bei der Rückkehr nach Deutschland freute sie sich auf „das ultimate Paradies für Eltern und Kinder“ – auf all die staatlichen Vergünstigungen und das weiche soziale Kissen. Wenige Wochen später war sie jedoch eher frustriert – in den USA hatte man sie als Schwangere und Mutter behandelt wie die „Queen of hearts“, in Berlin stand sie nicht nur einmal bepackt mit Windelkarton, Kleinkind und Kinderwagen am U-Bahnschaft und niemand machte Anstalten, ihr die Treppe hinauf oder hinunter zu helfen. Die neuen Nachbarn beschwerten sich über die Ruhestörung und der Betreuungsdschungel entpuppte sich als Nahkampfzone.

Natürlich sind die USA objektiv alles andere als ein Paradies für Familien mit Kindern. Viele US-Bürger sind auf mehrere Jobs angewiesen, um ihre Familie zu ernähren und die Kosten für die Kinderbetreuung aufzubringen – leider auch in Deutschland keine Seltenheit mehr. In einer Rede an die Nation sprach Präsident Obama sich Ende Januar 2014 für eine bessere Vereinbarkeit und Bezahlung für Frauen aus: “ A woman deserves equal pay for equal work. (…) She deserves to have a baby without sacrificing her job. A mother deserves a day off for a sick child or sick parent without running into hardship – and you know what, a father does, too. It’s time to do away with workplace policies that belong in a  „Mad Men“ episode.  (…) Because I firmly believe when women succeed, America succeeds.“

Die Fernsehserie „Mad Men“, auf die Obama anspielt, handelt in den 1960er Jahren. Tatsächlich sind die tradierten Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten ein Hauptgrund, weshalb es mit der Vereinbarkeit hapert – in den USA wie in Deutschland. Daher kam immer wieder das „skandinavische Modell“ zur Sprache. Dort kann man ansatzweise eine neue Zeitkultur erleben. Ein früher Feierabend ist die Regel, Ingela aus Schweden erzählte mir zum Beispiel „Wer bei uns um 17 Uhr noch im Büro sitzt, wird schon mal vom Chef gefragt, ob zu Hause alles in Ordnung ist“. Ist ein Kind krank, bleiben Vater und Mutter abwechselnd zu Hause – ohne schlechtes Gewissen, denn die Familie hat Prioriät. Aus Deutschland kenne ich eher die Sprüche à la „Hast du heute einen halben Tag Urlaub?“ oder „Ich hätte nachmittags auch gerne frei“, wenn man das Büro schon gegen 16 Uhr  verlässt. Das skandinavische Konzept lässt sich sicher nicht komplett auf andere Länder übertragen, doch die zugrundeliegende Mentalität würde ich mir wünschen.

Es gibt hierzulande immer mehr Väter, die Zeit mit ihren Kindern einfordern und dafür beruflich kürzer treten (wollen). Zudem legen viele junge Absolventen und Absolventinnen schon beim Berufseinstieg mehr Wert auf Freizeit und eine gute Balance. Arbeit könnte dadurch einen neuen Stellenwert bekommen – indem wir arbeiten um zu leben anstatt zu leben um zu arbeiten. In Norwegen zum Beispiel gilt es als Faux-pas, ein Meeting nach 16 Uhr anzuberaumen – der Feierabend gehört der Familie oder Hobbys und wird eingehalten. Beim Smalltalk in Deutschland und in den USA fragen wir zuerst „Was machen Sie beruflich?“. Ein Norweger wird eher wissen wollen „Was hast du am Wochenende erlebt?“. Es wäre schön, wenn wir uns davon etwas abschauen könnten. Denn Kinderbetreuung von früh bis spät, damit zukünftig Mütter und Väter 37,5 h oder mehr pro Woche arbeiten können, das kann nicht die Lösung sein – auch wenn es angesichts des demographischen Wandels einleuchtend klingen mag.

 

 

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Heute im mum02-Jackpot: Mama-nagement featuring Frauke Ludowig

Heute ist es soweit, der Jackpot – zwei Originalcartoons von Mittelmaßmama, signiert von Familienmanagerin und Moderatorin Frauke Ludowig – (siehe Blogbeitrag vom 11.09.13) wird verlost!

Bevor ich euch die beiden Glückslose verrate, stelle ich der Karikaturistin, Bloggerin und working mum Rebecca alias Mittelmaßmama ein paar Fragen. Deren Beantwortung wollte sie eigentlich auf einen Moment der Ruhe verschieben. Der dann nie kam.

Hoffe, dass Du jetzt gerade wie ich laut darüber lachen kannst. RUHE und das im Leben einer Mama?

Auch dazu fiel ihr gleich wieder ein Cartoon-Motiv ein. Denn Mittelmaßmama sieht das Leben nicht durch eine rosarote Brille, sondern mit viel Humor. Und deshalb mag ich sie so gern!

Rebecca, woher nimmst du die Ideen für deine Zeichnungen?

Aus dem täglichen Leben. Wie jetzt, aus meiner Mail. Da fiele mir schon ein Cartoon dazu ein. Außerdem aus dem Dialog mit Mitmüttern, der mir die Skurilität manch einer Lebenssituation erst so richtig vor Augen führt. Und gelobt ist, wenn man drüber lachen kann.

Welche Angebote wünschst du dir, um Familie und Job leichter vereinbaren zu können?

Mehr Teilzeitangebote für alle. Auch für Männer. Mir geht es langsam auf den Keks, dass alle Welt meint, dass die Lösung für Kind und Karriere in ausreichender Kinderbetreuung und Vollzeitjob liegt. Vollzeit heißt oft genug: Volle Zeit plus Überstunden. Wo bleibt denn da das Familienleben? Warum soll ich mich da für ein Kind entscheiden? Wenn ich es am Ende doch nur schlafend sehe. Nein, ich will raus mit meiner Brut, vielleicht nicht unbedingt Fußball spielen, aber Asseln und Schnecken angucken, auf einen Spielplatz oder in den Zoo gehen. Oder in muffigen Fluren auf sie warten, während sie ihre ersten Schwimmzüge lernen. WobVorschauei ich mich sehr freuen würde, wenn die Betreuungseinrichtungen und Schulen, in die sie gehen, wirklich kindgerecht ausgerichtet sind, und ich mich und die Brut nach Feierabend nicht durch dusselige Hausaufgaben prügeln muss.

Wenn ihr wüsstet... by Mittelmaßmama

Wenn ihr wüsstet… by Mittelmaßmama

"Quote" by Mittelmaßmama

„Quote“ by Mittelmaßmama

Und nun kommen wir wie versprochen zur Verlosung ihrer Cartoons. Die Glücksfee hat gerade zwei Zettel gezogen. Ich habe sie auseinandergefaltet und gelesen. Welche Namen wohl draufstanden?

And the winners are…. Den Cartoon „Quote“ gewinnt Christine! Und „Wenn ihr wüsstet…“ geht an: Silke! Herzlichen Glückwunsch!

 

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26. September 2013 · 14:37

Nachlese Aktionstag „Lokale Bündnisse für Familie“

Im Kongresszentrum der SHG-Kliniken: Lesung aus "Zwischen Karriere und Krabbelgruppe"

Im Kongresszentrum der SHG-Kliniken: Lesung aus „Zwischen Karriere und Krabbelgruppe“

Wir Wandels sind zurück aus dem Saarland. Ich spreche wohl nicht nur für mich, wenn ich sage: glücklich und beeindruckt. Neben dem Aktionstag Familie und Beruf sorgte dafür zwar nicht das Wetter, aber auf jeden Fall die Gastfreundschaft der Saarländer, das Unesco-Weltkulturerbe Völklinger Hütte und die Europäische Kinder- und Jugendbuchmesse in Saarbrücken.

24.05.2013 Freitagnachmittag parkten wir unser Auto neben der Klinik am Kinderhaus Sterntaler, einer Tagesbetreuungseinrichtung für die Mitarbeiterkinder der SHG-Kliniken Völklingen. Nur so am Rande: Wenn ich je ins Krankenhaus müsste, würde ich mir eine solche Einrichtung in der Nähe wünschen – auch wenn der Krankenhausduft nicht ganz fehlt, wirkte die Anlage modern, freundlich und „heimelig“ im positiven Sinne.

Aber zurück zur Villa Sterntaler: Unsere Kinder hatten sich vage auf ein Hotel gefreut und waren nun schwer beeindruckt, mitten in einem Kindergarten gelandet zu sein. Das „Kinderhaus Sterntaler“ ist im Erdgeschoss einer wunderschönen Villa untergebracht, deren zwei obere Stockwerke übers Wochenende unser zweites Zuhause wurden. Fürstlich fühlte sich das an 😉

Mit im Gepäck: Globus und Reisetasche

Mit im Gepäck: Globus und Reisetasche

Im hauseigenen Kongresszentrum fand um 18 Uhr die Lesung zu „Zwischen Karriere und Krabbelgruppe“ mit anschließender Gesprächsrunde statt. Unser „großer“ Sohn (6) entschloss sich spontan, die Ankündigung zu übernehmen. Weiterlesen

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Frauke Ludowig: „Ich bin die Familienmanagerin“.

Zum Muttertag gibt es heute ein Interview mit der TV-Moderatorin Frauke Ludowig, deren pragmatische Ansichten ich gerne mit euch teilen will. Da ich es – krankheitsbedingt – nicht nach Köln geschafft habe, sprachen wir am Telefon über ihr Leben zwischen Familie und Job, über Gelassenheit und Perfektionismus. Nebenbei sind interessante Tipps für berufstätige Eltern heraus zu lesen. Here we go…

Seit Jahrzehnten entlockt sie den großen und kleinen Stars dieser Welt Geheimnisse, berichtet live von königlichen Hochzeiten und unterrichtet das Fernsehvolk von RTL „exclusiv“ von VIP-Veranstaltungen. Doch was viele nicht wissen:

Am Telefon sprach mum02 mit Frauke Ludowig über Karriere und Kinder. Bild: Danone

Am Telefon sprach mum02 mit Frauke Ludowig über Karriere und Kinder. Bild: Danone

Die 49-jährige Frauke Ludowig ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von neun und sieben Jahren. Als Führungskraft ist die Redaktionsleiterin ein echtes Arbeitstier und schafft – wie viele berufstätige Mütter – den Spagat zwischen Familie und Karriere.

mum02: Sie leben und arbeiten in Köln?

Frauke Ludowig:

„Ich arbeite bei RTL in Köln und ich bin unter der Woche jeden Tag in der Redaktion, von morgens um 10 bis abends um 7 ungefähr. Neben meiner eigenen Sendung „Exclusiv“ bin ich auch für die Redaktion der Sendung „Prominent!“ bei VOX verantwortlich. Viele kennen mich eben vor der Kamera, aber tatsächlich findet mein Job zum Großteil dahinter statt – als Führungskraft habe ich einen Bürojob mit viel Personalverantwortung.“

Sie sind verheiratet und haben zwei Töchter im Alter von sieben und neun Jahren. Wie ist die Rollenteilung zwischen Ihnen als berufstätige Eltern?

„Wir sind nicht nur beide berufstätig sondern arbeiten beide auch relativ viel. Mein Mann ist Geschäftsführer einer Werbeagentur und hat damit sehr unkalkulierbare Tage. Ich kann ihm da aber entgegenkommen – daher kann er abends im Grunde nach Hause kommen, wann er will. Wenn er es bis sieben schafft, ist das toll, ansonsten aber auch nicht tragisch.

Ich als Frau muss dagegen schon sehr viel kontrollierter sein, stimme also meine Termine mit denen der Familie ab. Das kenne ich aus meinem Freundes- und Familienkreis nicht anders. Da sind es immer die Frauen, die sich um das Familienmanagement daheim kümmern.

Ich habe mir ein Netzwerk aufgebaut aus Kinderfrau, Ersatz-Kinderfrau und Freundinnen, die zur Not noch einspringen. Da können sich die meisten Männer wirklich glücklich schätzen, dass ihre Frauen das übernehmen und am Laufen halten.

Mein Mann und ich sind Arbeitstiere. Unsere Töchter wachsen damit auf, genauso wie ich früher selbst mit beruflich engagierten Eltern aufgewachsen bin. Daher habe ich das Modell selbst nie in Frage gestellt. Wenn meine Kinder mal nachfragen, warum wir denn soviel arbeiten, versuche ich ihnen klarzumachen, dass ich zwar tagsüber nicht zu Hause bin, sie dadurch aber durchaus auch Vorteile haben. Zum einen sind sie gut versorgt und wir fahren dafür beispielsweise auch einmal mehr in den Urlaub, wo wir dann viel Zeit füreinander haben.

Was die konkrete Rollenverteilung angeht, haben mein Mann und ich die Hausarbeit ganz gut aufgeteilt. Jeder hat so seine Domänen – ich mache eher die Wäsche, er werkelt am Haus. Und die alltäglichen Bring- und Holdienste der Kinder übernimmt die Kinderfrau bei uns.“

Frauke Ludowig. Bild: Danone

Frauke Ludowig. Bild: Danone

Ein gutes Netzwerk ist ja enorm wichtig für arbeitende Eltern. Haben Sie Tipps, wie man sich solch ein gutes Netzwerk schaffen kann, selbst wenn keine Großeltern in der Nähe wohnen und das Geld eher knapp ist?

„Ja, ein gutes Netzwerk ist mit Kindern quasi überlebenswichtig, nicht nur wenn man arbeitet. Meine Eltern sind total rege und hilfsbereit, wohnen allerdings nicht in der Nähe und können daher nicht wirklich spontan einspringen. Weiterlesen

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Die Definition von Berufstätigkeit

Spiegel online zitiert heute eine aktuelle Erhebung des Statistischen Bundesamts, nach der immer mehr Mütter in Deutschland berufstätig sind. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/familie-und-job-zwei-von-drei-muettern-sind-berufstaetig-a-885700.html 

„Die meisten Mütter von Kindern unter 15 Jahren in Deutschland sind berufstätig: 68 Prozent arbeiten – das sind mehr als zehn Jahre zuvor.“

Diese Meldung darf jede(r) für sich selbst bewerten. Im Kontext der anhaltenden Diskussion um die Vereinbarkeit von Familie und Job, Fachkräftemangel und Kinderbetreuung ist die Botschaft ziemlich klar: Supi, was wollt ihr denn, da tut sich doch was!

Aber Moment mal: Was ist ein Job? Wie definiert das Statistische Bundesamt „Berufstätigkeit? Davon ist im Artikel nicht die Rede. Vermutlich ist bezahlte Arbeit per se eine Berufstätigkeit, egal ob ich eine oder 80 Stunden die Woche arbeite. Dennoch ist die Unterscheidung wichtig, daher sollte man genauer nachfragen. In meiner Gegend hört sich die Realität beispielsweise so an (O-Ton, heute Abend in der Sammelumkleidekabine eines nahe gelegenen Schwimmbades):

Mama A: „Du kellnerst ja in der Albhütte, stimmt’s?“ Mama B: „Arbeitest du auch?“ Mama A: „Ja, ich bediene im Lokal „Adler“ ab und zu, ein bisschen was muss eben schon rein kommen nebenher“. Mama B: „Ja, ein 400-Euro Job ist okay. Ich weiß gar nicht wie das Familien machen, bei denen nur der Vater arbeitet“.

Eine Bekannte von mir ist alleinerziehend, der Kleinste kann werktags bis 16 Uhr im Kindergarten bleiben. Sie arbeitet tagsüber in der Gastronomie und hat an ihrem freien Tag noch eine Putzstelle, dennoch reicht das Geld nicht. Ihr Ex-Mann macht Druck, sie solle sich endlich eine „richtige“ Vollzeitstelle suchen und ihm nicht mehr auf der Tasche liegen – doch wer schaut solange nach ihrem vierjährigen Sohn?
Kürzlich erzählte mir eine andere Mama von ihrem Stress im Job, sie ist verheiratet und hat zwei Kinder. Erst nach geraumer Zeit bekam ich mit, dass sie ganze drei Stunden die Woche in einer Kleinkindgruppe arbeitet, während ihre beiden Kinder im Kindergarten sind. Zwei Drittel aller Mütter arbeiten? Sorry, Statistisches Bundesamt, ich finde diese Zahlen wenig beeindruckend. Wie viele Mütter haben einen Job, von dem sie leben könnten? Der ihnen eine Rente sichert?

Dazu lief heute ein interessanter Beitrag auf NRD: „Ungerecht: Mütter-Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt“ (http://www.ndr.de/regional/muetterdiskriminierung101.html.) Darin erläutert ein Professor Stefan Sell  (Hochschule Koblenz) das Problem aus volkwirtschaftlicher Sicht: „Es gibt zahlreiche Studien, die zeigen, dass wir uns eine unglaubliche Verschwendung von Qualifikation, von Wissen, von Leistungsfähigkeit erlauben, durch die vielen strukturellen Hindernisse, die wir den qualifizierten Müttern in den Weg legen. Der Schaden geht in die Milliarden, das können wir uns eigentlich gar nicht mehr erlauben.“

Ein Fazit des NDR-Beitrags: „Doch auch Familienministerin Kristina Schröder scheint dieses Problem noch nicht wirklich erkannt zu haben. Nach wie vor predigt sie ihre Überzeugung, Frauen könnten selbst wählen, wie sie leben und wie viel sie arbeiten möchten. Wer wolle, der könne auch arbeiten, und wählen, ob Voll- oder Teilzeit oder als Minijobberin. Spricht man mit betroffenen Müttern, sieht das jedoch nach wie vor ganz anders aus.“

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Buchverlosung auf Septembermorgen.com

mum02 geht fremd….. mit „Septembermorgen“. Auf diesem schönen Blog seht ihr hier  http://www.septembermorgen.com/x-fragen-an-mum02-buchvorstellung-zwischen-karriere-und-krabbelgruppe-verlosung/ Bilder von mir und meinem Zuhause und lest meine Antworten zu Katjas Fragen, frei nach dem Motto »Wie machen das eigentlich die anderen (Mamas)?«. Wer bis zum 3.3.13 einen Kommentar dazu auf Septembermorgen hinterlässt, hat die Chance ein Exemplar von „Zwischen Karriere und Krabbelgruppe“ zu gewinnen. Viel Spaß dabei und habt noch ein schönes Winterwochenende!

 

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Notfallarbeitsplatz mit Laufstall? Aus einem deutschen Großunternehmen..

Sprach kürzlich mit einem Papa von drei Kindern über seinen Alltag in einem großen deutschen Medienkonzern. Der Personalrat hat dort nun einen Büroarbeitsplatz mit PC und Laufstall eingerichtet und ist mächtig stolz darauf. Sicherlich ist dies auch eine gute Einrichtung, allerdings wird sie – gemessen an der Größe des Unternehmens – vermutlich nur für absolute Notfälle dienen können. So gut ich die Idee dahinter finde, in diesem Umfang umgesetzt erinnert sie mich an den sprichwörtlichen „Tropfen auf den heißen Stein“. Ich selbst habe nach der Geburt meines Sohnes einen Laufstall bei mir im Büro stehen gehabt und den Kleinen anfangs täglich mit zur Arbeit genommen (es war kurz vor der Einführung der Elternzeit, ich ging acht Wochen nach der Geburt zurück in den Job). Um dennoch den eigenen Job erledigen zu können, sind Eltern, die ihr Baby mit zur Arbeit bringen, allerdings auf ein gutes Netzwerk angewiesen – verständnisvolle Chefs und hilfsbereite Kollegen. In meinem Fall arbeitete ich mit meinen Eltern im selben Betrieb, und wir konnten uns mit der Betreuung abwechseln. Als mein Sohn acht Monate alt war und immer aktiver wurde, fand ich eine sehr gute Tagesmutter für ihn, die selbst kleine Kinder hatte und bei der er sich gleich wohl fühlte. Für uns war das damals eine gute Lösung, ich bin froh, dass ich ihn nicht schon mit acht Wochen „hergeben“ musste.

Doch ich schweife ab, zurück zu dem Gespräch mit dem dreifachen Papa, der sich mehr Verständnis für Arbeitnehmer mit Kindern wünscht. Vermutlich rührt das fehlende Einfühlungsvermögen seiner Chefs daher, dass sie selbst keine Kinder haben. Tatsächlich seien sowohl die Chefs als auch deren direkte Assistenten und Sekretärinnen zu circa 90 % kinderlos. Sie haben also keinerlei Probleme mit der Kinderbetreuung. Die vorherrschenden Modelle seien „DINKys“ (double income no kids), Singles sowie ab und zu noch die klassische Familie, bei der die Ehefrau komplett beim Kind daheim bleibt. Mit diesen Kollegen konkurrieren nun Mütter und Väter, die nebenher noch den täglichen Betreuungsspagat schaffen müssen. Ein Einzelfall? Leider nicht. Es ist sehr schwierig, der häufig kinderlosen Führungsriege die Problematik zu verdeutlichen. Gleichzeitig aber höchste Zeit für deutsche Unternehmen, umzudenken*. Eine Elternquote könnte da nicht schaden (ups, jetzt habe ich laut gedacht)…

* Bei Nadel-Hersteller Groz-Beckert im schwäbischen Albstadt entsteht derzeit ein Sozialzentrum mit vorbildlicher Kinderbetreuung und Schule, mehr als 18 Millionen investiert der Betrieb dafür. Wer mehr darüber lesen will, klickt hier:

http://www.gea.de/nachrichten/wirtschaft/18+5+millionen+euro+fuer+ein+sozialzentrum.2436368.htm

 

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mum02 zu Gast bei Spiegel Online

Für den Spiegel Online habe ich Auszüge aus meinem Buch „Zwischen Karriere und Krabbelgruppe“ zusammengestellt,  heute ist der Artikel erschienen. Eine schöne Antwort auf die gestrige Studie („Warum die Deutschen so wenig Kinder bekommen, mangelnde Vereinbarkeit und Anerkennung, etc.“), denn der Blick ins Ausland macht Mut!

Erfahrt mehr über das Leben meiner working mums-Freundinnen Petra aus Finnland, Snezka aus Slowenien und Simi aus Indien im Spiegel Artikel:

Peggy WandelFoto: Stefanie Heider

Peggy Wandel
Foto: Stefanie Heider

 

http://www.spiegel.de/karriere/ausland/berufstaetige-muetter-frauen-aus-anderen-laendern-ueber-ihre-erfahrungen-a-873314.html

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