Schlagwort-Archive: Frauenquote

Empörung ist schick, bringt uns aber auch nicht weiter.

Ärgert ihr euch nicht auch oft über die gedrechselten, schwammigen Aussagen vieler Berufspolitiker, die wir jeden Tag serviert bekommen? Redet aber jemand Klartext, stürzen wir – Medien, Blogger oder Leser – uns ganz gern hämisch auf diese Person. Heute ist mal Lencke Wischhusen dran. Ich kenne die Frau nicht persönlich und bin kein Mitglied im Bund Junger Unternehmer (BJU), fühle mich also objektiv genug, um meine eigene Meinung zu ihren Aussagen kundzutun.

Lencke Wischhusen gestern in der BILD:

„Frauen müssen im Job mutiger werden. Sie brauchen mehr Selbstvertrauen, zum Beispiel in Gehaltsverhandlungen.“

Diese Feststellung ist nicht neu und nach wie vor richtig.

„Sie wählen oft Berufe, in denen eher niedrige Löhne gezahlt werden. Insofern haben Frauen auch eine Mitverantwortung an den Verdienstunterschieden.“

Bingo, die Aussage aus Satz eins ist bekann. Satz zwei mag weh tun, klingt aber logisch.

„Frauen könnten ihrem Chef anbieten, während der Babypause z. B. als Urlaubsvertretung in der Firma zu arbeiten. So bleiben sie besser in Kontakt mit ihrem Arbeitgeber“

Ah, den Stein des Anstoßes orte ich auf dem Grund dieser Aussage! Sie mündete in die Bild-Headline: „Mütter mit Babys sollen in den Ferien arbeiten“. Seit wann ist die Babypause ein Ferienlager? Diese Zeit hat mit Urlaub gar nichts zu tun. Frau Wischhusen scheint das allerdings auch gar nicht behauptet zu haben.

Für den Wiedereinstieg nach der Babypause ist es tatsächlich sehr empfehlenswert, in Kontakt mit Chef und Kollegen zu bleiben. Ein paar Tage Urlaubsvertretung anzubieten oder die Teilnahme an einem Workshop, wenn die Kinderbetreuung in der Zeit geregelt ist, halte ich für eine machbare und praktische Idee. Sicher nicht für jede Mama, aber welche Idee ist das schon? Übrigens gibt es ja auch Vätermonate (zwei bis zwölf, je nach eigenem Ermessen), Mama muss nicht immer beim Kind sein.

Seien wir ehrlich: Die Debatte um berufstätige Mütter und die Kinderbetreuung dreht sich schon so lange im Kreis, dass einem dabei schwindelig werden kann. Kommt tatsächlich jemand mit konkreten Vorschlägen, werden diese wie hier bruchstückhaft wiedergegeben und anschließend zum Abschuss freigegeben. „Wie kann die es wagen, die hat ja selbst keine Kinder, Unternehmertochter, pfui“, so einige Reaktionen auf den (von BILD in gewohnt sachlich-nüchterner Manier – ähm, Achtung: Ironie) lancierten Bericht zum Interview mit der BJU-Vorsitzenden. Sorry Leute, aber so traut sich bald keine(r) mehr, den Mund auf zumachen. Und das bringt uns bestimmt nicht weiter.

Soweit das Wort zum Donnerstag.

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Familiengipfel: Offener Brief an Ministerin Kristina Schröder

Sehr geehrte Frau Dr. Kristina Schröder,

auf dem gestrigen Familiengipfel haben Sie mit hochrangigen Vertretern der deutschen Wirtschaft und den Gewerkschaften darüber gesprochen, wie sich das Miteinander von Familie und Beruf in Deutschland besser vereinbaren lässt. Das ist begrüßenswert. Als Autorin, Bloggerin und als berufstätige Mutter beschäftige auch ich mich seit Jahren mit diesem Thema. Ich habe ein Buch geschrieben, in dem 20 berufstätige Mütter aus aller Welt erzählen, wie sie Familie und Job unter einen Hut bekommen und was sie sich von Arbeitgebern und Politik wünschen.

Damit möchte ich die Debatte in Deutschland um eine internationale Perspektive erweitern. Denn leben wir nicht längst in einer global vernetzten Welt? Gerade beim Thema Vereinbarkeit können wir viel voneinander lernen.

Im Buch berichtet beispielsweise die Betriebswirtin Ingela aus Schweden, wie sie und ihr Mann dank familienfreundlicher Arbeitsbedingungen und Ganztageskindergarten problemlos in Vollzeit arbeiten – und dennoch zwischen 16 und 17 Uhr zu Hause sind.

Die Frauen im Buch sind gebildet, hochqualifiziert und verfolgen eigene Ziele und Träume. Wie ein Reiseführer nimmt ZWISCHEN KARRIERE UND KRABBELGRUPPE den Leser mit auf eine Entdeckungstour von Land zu Land, in die Welt berufstätiger Mütter.

Peggy Wandel, Foto: Stefanie Heider

Peggy Wandel, Foto: Stefanie Heider

Könnten wir – wie Sanne in den Niederlanden – unsere Kinder jeden Monat einschulen, müsste ich mir keine Gedanken darüber machen, ob mein Sohn noch ein ganzes Jahr im Kindergarten bleiben soll. Ich wünsche mir auch eine Nachbarschaft, wie sie Astrid in Norwegen pflegt, mit Hauskonzerten und Straßenfesten. Dagegen verzichte ich gern auf Weiterlesen

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Vorlesetag, Story Time und der Versuch einer Absage an Brüssel

Beinahe wollte mum02 heute über die Frauenquote schreiben, nachdem die EU-Kommission gestern beschlossen hat, 40 Prozent Frauen an die Spitze börsennotierter Unternehmen zu bringen. Über den (sowieso deutlich abgeschwächten) Entwurf muss man noch gar nicht schreiben, angestachelt hat mich vielmehr die prompte Reaktion der deutschen Regierung. Getreu ihrem Buch „Danke – Emanzipiert sind wir selber“ konterte unsere Bundesfamilienministerin Kristina  Schröder direkt und betonte, Brüssel sei dafür nicht zuständig. Kann man sich das aussuchen, wofür Brüssel zuständig ist und wofür nicht, ist das gar ein Multiple Choice Verein? So nach dem Motto, wir nehmen die Hygieneverordnung aber die Frauenquote könnt ihr behalten?

Vorlesetag
Bild: gert albrecht artwork

Doch dann dachte sich mum02: Stop! Die Sonne scheint und ich mag mich heute nicht über Politik echauffieren, daher habe ich ein besseres Thema gefunden: Den bundesweiten Vorlesetag! Heute, am 16.11.2012, wird vorgelesen: In vielen Schulen, Kindergärten, Büchereien und – wer weiß – vielleicht auch bei euch im Büro oder wo auch immer.  Und das ist gut so, denn: Vorlesen ist einfach und gleichzeitig wunderbar. Meine Kinder können nicht genug dafür bekommen (weshalb bei uns jeder Tag ein Vorlesetag ist), und bei großen Leuten werden Hörbücher immer beliebter.

Wer nun spontan Lust auf eine „live“ gut gelesene Geschichte bekommen hat: Unter folgendem Link könnt ihr nachsehen, wo es in eurer Nähe eine Veranstaltung gibt:

http://www.vorlesetag.de/veranstaltungssuche/
Einmal im Monat findet in der Reutlinger Stadtbibliothek eine englische Vorlesestunde für Kinder statt, die „Story Time“. Abwechselnd mit meiner Kollegin Nicola Vollkommer lese und erzähle ich dort aus meinen Lieblingskinderbüchern, wie zum Beispiel das super schaurige „What’s the time, Grandma Wolf?“ oder „We’re going on a bear hunt“. Letztes Mal im Oktober kamen richtig viele Kinder….

http://195.189.92.46/Plone/hauptstelle/kinderbibliothek/veranstaltungen/copy2_of_story-time-die-englische-vorlesestunde-1

…was wohl am kalten Wetter lag. Im Sommer und wenn es draußen besonders schön ist, verirren sich nur wenige Kindergarten- und Vorschulkinder zur Story Time. Einmal waren nur meine beiden Kinder und ein dritter Junge da – wir hatten trotzdem jede Menge Spaß. Als Berufstätige kommen mir die Vorlesestunden am Dienstagnachmittag manchmal gar nicht gelegen, aber wenn ich dort bin, genieße ich die Zeit mit den Kindern und den Büchern. Dann sage ich mir: Es ist ein großes Glück, selbständig zu sein und sich solche Freiheiten nehmen zu können. Also, auch wenn heute die Sonne scheint: Geht hin, hört zu oder greift selbst zum Buch.

Eure mum02

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Mehr weibliche Unternehmensbosse

gibt es weltweit zu vermelden, diese Nachricht ging heute durch die Medien. Sie bezieht sich auf frisch veröffentlichte  Zahlen der US- Organisation «Corporate Women Directors International“.

Woran es liegt? Hauptsächlich wohl an den Frauenquoten, die sich einige EU-Länder verordnet haben. In Spanien stieg der Anteil weiblicher Chefs seit 2004 um 2%, in Frankreich kletterte die Quote gar um 7%. Wäre ja auch schlimm, wenn so eine Quote keinen Erfolg zeigen würde. Fakt ist: Es gibt viel mehr befähigte Frauen, als wir heute an den Unternehmensspitzen sehen. Doch viele davon wollen sich nicht nachsagen lassen, den Job aufgrund einer Quotenregelung bekommen zu haben. Mir würde es genau so gehen. Statt einer gesetzlichen Quote sind andere, nur scheinbar weniger drastische, Schritte nötig, um Frauen – und Männern – den Weg zur Vereinbarkeit von Job und Privatleben zu ermöglichen. Zum Beispiel muss der Mythos weg, das befördert wird wer abends am längsten im Büro sitzt. Wie sagte meine Freundin Karin kürzlich? „Da sind wir modernen Menschen rund um die Uhr vernetzt und immer erreichbar – aber Jahrzehnte entfernt von Telearbeit als anerkannter Arbeitsform“. Doch wie viele Unternehmen gehen diese Schritte freiwilligSteiniger Weg zur Frauenquote? Wenn sie die Menschen zum Umdenken bewegt, ist eine Quote sicher nicht ganz verkehrt.

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Frauenquote

„Seien Sie kreativ, sonst werden wir kreativ sein“ rief Angela Merkel diese Woche Vertretern deutscher Wirtschaftsverbände zu. Die Angesprochen werden höflich genickt haben, größtenteils aber innerlich den Kopf schütteln. Eine von Ursula von der Leyen vorgeschlagene Quote für mehr Frauen in Führungspositionen lehnt die Kanzlerin ab und setzt auf freiwillige Initiativen der Wirtschaft. Ich befürchte ihr Aufruf wird in absehbarer Zeit wenig erreichen.

In Deutschland gibt es genügend hochqualifizierte Frauen für Jobs in Top-Positionen. Bloß kommen die wenigsten ran an diese Stellen.  Denn der Weg dorthin führt klassischerweise nach wie vor über Präsenz – sprich abends als Letzte(r) gehen, Netzwerke knüpfen und Seilschaften bilden. Wer auf familienfreundliche Arbeitszeiten oder Telearbeit pocht, kann einpacken.

Diese Art zu denken wird sich erst ändern, wenn mehr Männer Privatleben und Familie einen zeitlich gewichtigeren Stellenwert einräumen. Es gibt die Paare mit Kindern, in denen beide Partner 70 oder 80% arbeiten und sich die Erziehung der Kinder und das Familienmanagement teilen. Ich bin selbst die eine Hälfte eines solchen Paares. Doch es gibt noch zu wenige Elternpaare, die gleichberechtigt Job und Leben teilen. Erst wenn ihre Zahl zunimmt und hochqualifizierte Frauen sich nicht mehr zwischen Kind und Karriere entscheiden müssen, sondern selbstverständlich beides leben können, werden viele Firmen umdenken und umdenken müssen. Und dann brauchen wir tatsächlich keine Quote.

Der Blick über den Tellerrand zeigt, dass es auch anders geht. Zum Beispiel in Skandinavien. Vergangenes Jahr organisierte ich eine Veranstaltung mit der AHK in Stockholm. Mit absoluter Selbstverständlichkeit blieben dort – weibliche wie auch männliche – Führungskräfte zu Hause, weil ihr Kind krank war. Das passiert nun in Deutschland auch, aber der faszinierende Unterschied: in Schweden hatten die Menschen kein schlechtes Gewissen, und mussten sich nicht rechtfertigen. Familie hat dort einfach Priorität. Vorige Woche ging übrigens durch die Presse, das Nato-Generalsektretär Anders Rasmussen ein internationales Treffen absagte, weil er sich um seine erkrankte Tochter kümmerte. Ich würde mir wünschen, dass man darüber in Deutschland bald nicht mehr den Kopf schüttelt.

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