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Hans-Georg Nelles im Gespräch

11 Fragen an einen engagierten Vater: Hans-Georg Nelles von Väter & Karriere. Er hat das Thema Vereinbarkeit zu seinem Beruf gemacht und thematisiert zum Beispiel in seinem Blogbeitrag „Darf es auch ein bisschen weniger sein„, dass Karriere und Teilzeit kein Widerspruch sein dürfen – für Männer und Frauen. Das kann man nicht oft genug sagen und schreiben, bis es selbstverständlich wird. „Aber von alleine geht nichts, es braucht schon den Mut, diese Vorstellungen auch tatsächlich zu äußern und zu leben„, so Hans-Georg Nelles.

Hans-Georg Nelles auf der WomenPower 2012

Hans-Georg Nelles auf der WomenPower 2012

1.    Hand aufs Herz – wieso bloggst du?

Ich habe vor fast 8 Jahren angefangen zu bloggen, nachdem ich eine spannende Veranstaltung zum Thema Bloggen besucht habe und ich darin eine gute Möglichkeit gesehen habe, Väter und ihre Anliegen zum Thema zu machen und die Entwicklung, die ja just zu diesem Zeitpunkt durch die Diskussion um das Elterngeld an Dynamik gewonnen hat, zu dokumentieren.

2.    Woher nimmst du die Zeit dafür?

Das Thema Väter und väterbewusste (Personal-) Politik habe ich zu meinem Beruf gemacht und die Texte im Blog sind Ergebnis meiner täglichen Beschäftigung damit.

3.    Gibt es Dinge in puncto Vereinbarkeit, die du gerne von anderen Ländern oder Kulturen nach Deutschland importieren würdest?

Ich habe drei inzwischen erwachsene Kinder und das beste was mir „passieren“ konnte ist eine Partnerin, die Spaß am Beruf hat, gerne arbeitet und die uns so eine partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit ermöglicht (hat).

4.    Ein Blick in die Zukunft: Wird es in zehn Jahren einfacher sein, in Deutschland Familie und Job zu vereinbaren? Oder machen wir eher Rückschritte?

Es wird nach dem Muster zwei Schritte vor, einen zurück verlaufen, aber ich bin der Überzeugung, dass die kommenden Väter und Mütter gute Chancen haben, ihre Vorstellungen gegenüber den Arbeitgebenden durchzusetzen. Aber von alleine geht nichts, es braucht schon den Mut, diese Vorstellungen auch tatsächlich zu äußern und zu leben.

5.    Wie sieht deiner Meinung nach die ideale Arbeitswelt aus?

Ideal sind Arbeitswelten, die zu den jeweiligen Bedürfnissen und Lebensereignissen von Männern und Frauen, Vätern und Müttern passen bzw. ihnen die Möglichkeit geben Arbeitszeiten und –orte so anzupassen, das gute Ergebnisse und Lebenszufriedenheit gleichermaßen erzielt werden.

6.    Bist  du lieber selbständig oder angestellt?

Ich habe 25 Jahre im Anstellungsverhältnis gearbeitet und bin jetzt seit fast 6 Jahren freiberuflich tätig. Ich kann mir nicht mehr vorstellen, von morgens bis abends an einem Schreibtisch zu sitzen und einer Tätigkeit nachzugehen.

7.    Stadt oder Land?

Das Land ist ein Sehnsuchtsraum, in den Städter Wünsche und Erwartungen projizieren. Ich brauch den Puls der Stadt. Manchmal ist es Berlin und der Takt ist anregend. Zur Entspannung reicht mir mein Viertel in dem DüsselDorf am Rhein.

8.    All-inclusive oder Abenteuerurlaub?

Weder noch, ich habe mir meine/ unsere Urlaube in den vergangenen 40 Jahren immer selber organisiert. Da war manches abenteuerlich, aber es war immer erholsam.

9.    Dein Lieblingsbuch?

Der Dialog, Das offene Gespräch am Ende der Diskussionen von David Bohm

10.    Körper, Geist, Seele – was ist dein Rezept, um mit dir selbst in Einklang zu kommen?

Nichts unternehmen, was diese Einheit zu sehr auf die Zerreißprobe stellt und wenn doch, laufen und anschließend in die Sauna.

11.    Angenommen eine Fee gewährt dir drei Wünsche. Was möchtest du sein, tun oder haben?

Gesundheit, Zufriedenheit und die Möglichkeit, meiner interessanten Tätigkeit möglichst lange nachgehen zu können und Wirkungen zu erzielen.

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Working Mum: Get dressed in full Armani Armour

Before heading off to the client presentation, I got dressed in full Armani Armour“, verkündet Kate Reddy, die Heldin aus Allison Pearsons Bestseller „I don’t know how she does it“*, zu deutsch “Der ganz normale Wahnsinn: Working Mum”.
„Armani armour“. Eine funkelnde Rüstung für den Kampf;  gepaart mit High-Heels und einer Menge zahlengetränkter Powerpoint-Folien zieht die Finanzmanagerin und zweifache Mum Kate so in die Meetings in London und New York City. Dieser Satz hat mich beschäftigt. „Kleider machen Leute“ – ihr kennt vielleicht die Geschichte vom Schneiderlehrling Wenzel, der in Gottfried Kellers Novelle für einen polnischen Grafen gehalten wird und die unverhoffte Situation ausnutzt.

 

Ich gehöre zu den Menschen, die ihre Garderobe je nach Anlass bedacht auswählen. Dazu gehört NICHT der Ausflug auf den Spielplatz, ich meine wirklich: Anlässe. Meiner Meinung nach gibt es Situationen, in denen wir uns nicht allein auf unsere inneren Werte verlassen dürfen. Sondern bei denen der erste Eindruck überzeugen muss. Visuell. Wenn ich ein Konzert moderiere, suche ich Kleider aus, die zum Programm und zu mir passen. Bei meinen ersten vier Lesungen im vergangenen Jahr trug ich das exakt selbe Outfit – bis ich mich sicher genug fühlte, um zu experimentieren.
Dabei braucht es kein Armani, nicht für mich. Doch es gibt diese Outfits, in denen wir uns gut und stark fühlen und die wir immer wieder in genau derselben Zusammenstellung aus dem Schrank ziehen.
Kennt ihr das Gefühl? Wie kleidet ihr euch für wichtige Ereignisse?

Als studierte Betriebswirtin dachte ich ja vor Jahren noch, unbedingt einen schwarzen Anzug zu brauchen. Bei Zinser, ehemals Breuninger, probierte ich fünf verschiedene an bis die Verkäuferin zu mir sagte. „Was halten Sie denn von diesem sportiven, schwarzen Kleid? Wissen Sie, Sie scheinen mir einfach nicht der Typ für einen schwarzen Anzug zu sein“. Ich sah sie erstaunt an. Und nahm schließlich das Kleid und den Anzug. Bald sah ich ein, dass die Frau recht gehabt hatte. Der schwarze Anzug hängt im Schrank. Zu förmlich für mich.
Auf der Suche nach dem eigenen Stil lande ich immer mal wieder in einer Sackgasse. Doch ich behaupte, die Liste der Fehlkäufe wird kürzer. Und es gibt schon immer Farben und Muster, um die ich einen großen Bogen mache. Die universelle „Armani Armour“, mit der ich mich in exponierten Lebenslagen gerüstet fühle? Wenn es sie gibt, wartet sie noch auf mich, irgendwo da draußen.

*BUCHTIPP Allison Pearsons Bestseller „I don’t know how she does it“: Das Buch erschien bereits vor zehn Jahren und wurde mit Sarah Jessica Parker in der Hauptrolle der „Working mum“ verfilmt. Das Audiobuch verkürzte mir in den vergangenen Wochen Stunden im Stau auf dem Weg zu einem Kunden. Absolut großartiger Stoff. Kate Reddy lebt gleichzeitig auf zwei „Planeten“, was unweigerlich desaströse Folgen hat: Zum einen ist sie als talentierte Finanzmanagerin in der Londoner City rund um die Uhr im Einsatz. Zum anderen ist sie Mutter von Emily (5) und Ben (1) und verheiratet mit Richard, wohlmeinender Ehemann und mäßig erfolgreicher Architekt. In den Nebenrollen treten auf: Sexistische Kollegen, der verführerische Kunde, das erpresserische aber lebensnotwendige Kindermädchen, die nervigen Schwiegereltern, ein als Taxifahrer verkleideter Philosoph sowie Kates sehr großes schlechtes Gewissen zusammen mit ihrer endlosen mentalen To Do Liste. Und viele mehr. Also solltet ihr das Buch noch nicht kennen, lest oder hört es – es ist lustig und traurig und überzogen und dennoch wahr.

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Frauke Ludowig: „Ich bin die Familienmanagerin“.

Zum Muttertag gibt es heute ein Interview mit der TV-Moderatorin Frauke Ludowig, deren pragmatische Ansichten ich gerne mit euch teilen will. Da ich es – krankheitsbedingt – nicht nach Köln geschafft habe, sprachen wir am Telefon über ihr Leben zwischen Familie und Job, über Gelassenheit und Perfektionismus. Nebenbei sind interessante Tipps für berufstätige Eltern heraus zu lesen. Here we go…

Seit Jahrzehnten entlockt sie den großen und kleinen Stars dieser Welt Geheimnisse, berichtet live von königlichen Hochzeiten und unterrichtet das Fernsehvolk von RTL „exclusiv“ von VIP-Veranstaltungen. Doch was viele nicht wissen:

Am Telefon sprach mum02 mit Frauke Ludowig über Karriere und Kinder. Bild: Danone

Am Telefon sprach mum02 mit Frauke Ludowig über Karriere und Kinder. Bild: Danone

Die 49-jährige Frauke Ludowig ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von neun und sieben Jahren. Als Führungskraft ist die Redaktionsleiterin ein echtes Arbeitstier und schafft – wie viele berufstätige Mütter – den Spagat zwischen Familie und Karriere.

mum02: Sie leben und arbeiten in Köln?

Frauke Ludowig:

„Ich arbeite bei RTL in Köln und ich bin unter der Woche jeden Tag in der Redaktion, von morgens um 10 bis abends um 7 ungefähr. Neben meiner eigenen Sendung „Exclusiv“ bin ich auch für die Redaktion der Sendung „Prominent!“ bei VOX verantwortlich. Viele kennen mich eben vor der Kamera, aber tatsächlich findet mein Job zum Großteil dahinter statt – als Führungskraft habe ich einen Bürojob mit viel Personalverantwortung.“

Sie sind verheiratet und haben zwei Töchter im Alter von sieben und neun Jahren. Wie ist die Rollenteilung zwischen Ihnen als berufstätige Eltern?

„Wir sind nicht nur beide berufstätig sondern arbeiten beide auch relativ viel. Mein Mann ist Geschäftsführer einer Werbeagentur und hat damit sehr unkalkulierbare Tage. Ich kann ihm da aber entgegenkommen – daher kann er abends im Grunde nach Hause kommen, wann er will. Wenn er es bis sieben schafft, ist das toll, ansonsten aber auch nicht tragisch.

Ich als Frau muss dagegen schon sehr viel kontrollierter sein, stimme also meine Termine mit denen der Familie ab. Das kenne ich aus meinem Freundes- und Familienkreis nicht anders. Da sind es immer die Frauen, die sich um das Familienmanagement daheim kümmern.

Ich habe mir ein Netzwerk aufgebaut aus Kinderfrau, Ersatz-Kinderfrau und Freundinnen, die zur Not noch einspringen. Da können sich die meisten Männer wirklich glücklich schätzen, dass ihre Frauen das übernehmen und am Laufen halten.

Mein Mann und ich sind Arbeitstiere. Unsere Töchter wachsen damit auf, genauso wie ich früher selbst mit beruflich engagierten Eltern aufgewachsen bin. Daher habe ich das Modell selbst nie in Frage gestellt. Wenn meine Kinder mal nachfragen, warum wir denn soviel arbeiten, versuche ich ihnen klarzumachen, dass ich zwar tagsüber nicht zu Hause bin, sie dadurch aber durchaus auch Vorteile haben. Zum einen sind sie gut versorgt und wir fahren dafür beispielsweise auch einmal mehr in den Urlaub, wo wir dann viel Zeit füreinander haben.

Was die konkrete Rollenverteilung angeht, haben mein Mann und ich die Hausarbeit ganz gut aufgeteilt. Jeder hat so seine Domänen – ich mache eher die Wäsche, er werkelt am Haus. Und die alltäglichen Bring- und Holdienste der Kinder übernimmt die Kinderfrau bei uns.“

Frauke Ludowig. Bild: Danone

Frauke Ludowig. Bild: Danone

Ein gutes Netzwerk ist ja enorm wichtig für arbeitende Eltern. Haben Sie Tipps, wie man sich solch ein gutes Netzwerk schaffen kann, selbst wenn keine Großeltern in der Nähe wohnen und das Geld eher knapp ist?

„Ja, ein gutes Netzwerk ist mit Kindern quasi überlebenswichtig, nicht nur wenn man arbeitet. Meine Eltern sind total rege und hilfsbereit, wohnen allerdings nicht in der Nähe und können daher nicht wirklich spontan einspringen. Weiterlesen

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Familiengipfel: Offener Brief an Ministerin Kristina Schröder

Sehr geehrte Frau Dr. Kristina Schröder,

auf dem gestrigen Familiengipfel haben Sie mit hochrangigen Vertretern der deutschen Wirtschaft und den Gewerkschaften darüber gesprochen, wie sich das Miteinander von Familie und Beruf in Deutschland besser vereinbaren lässt. Das ist begrüßenswert. Als Autorin, Bloggerin und als berufstätige Mutter beschäftige auch ich mich seit Jahren mit diesem Thema. Ich habe ein Buch geschrieben, in dem 20 berufstätige Mütter aus aller Welt erzählen, wie sie Familie und Job unter einen Hut bekommen und was sie sich von Arbeitgebern und Politik wünschen.

Damit möchte ich die Debatte in Deutschland um eine internationale Perspektive erweitern. Denn leben wir nicht längst in einer global vernetzten Welt? Gerade beim Thema Vereinbarkeit können wir viel voneinander lernen.

Im Buch berichtet beispielsweise die Betriebswirtin Ingela aus Schweden, wie sie und ihr Mann dank familienfreundlicher Arbeitsbedingungen und Ganztageskindergarten problemlos in Vollzeit arbeiten – und dennoch zwischen 16 und 17 Uhr zu Hause sind.

Die Frauen im Buch sind gebildet, hochqualifiziert und verfolgen eigene Ziele und Träume. Wie ein Reiseführer nimmt ZWISCHEN KARRIERE UND KRABBELGRUPPE den Leser mit auf eine Entdeckungstour von Land zu Land, in die Welt berufstätiger Mütter.

Peggy Wandel, Foto: Stefanie Heider

Peggy Wandel, Foto: Stefanie Heider

Könnten wir – wie Sanne in den Niederlanden – unsere Kinder jeden Monat einschulen, müsste ich mir keine Gedanken darüber machen, ob mein Sohn noch ein ganzes Jahr im Kindergarten bleiben soll. Ich wünsche mir auch eine Nachbarschaft, wie sie Astrid in Norwegen pflegt, mit Hauskonzerten und Straßenfesten. Dagegen verzichte ich gern auf Weiterlesen

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„Lean in“: Sheryl Sandberg offers encouraging advice for working mums (D/E)

Im Online-Magazin WIRED schreibt Alexandra Chang heute eine in meinen Augen gut austarierte Buchkritik über das frischgedruckte und bereits heftig diskutierte Buch von Sheryl Sandberg, „Lean in“. Ich bin nun recht neugierig auf das komplette Buch – die deutsche Fassung soll übrigens am 19. April 2013 auf den Markt kommen.

Sandberg ist Mitbegründerin von Google und Facebook, 43 Jahre alt und Mutter von zwei Kindern. Die Amerikanerin ist eine der erfolgreichsten Karrierefrauen der USA. In ihrem Buch „Lean in: Frauen und der Wille zum Erfolg“ ermutigt sie andere Frauen und Mütter, sich eine Karriere zuzutrauen und entlarvt typische Fallen.

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USA: Schwanger und gekündigt

Schreiben tue ich zwar täglich stundenlang, doch nun soll es endlich mal wieder einen Blog-Beitrag auf mum02 geben. Um mein Gewissen zu beruhigen möchte ich hier anführen, dass ich zur Zeit ganz schön ausgelastet bin. Mit Kundenaufträgen (wichtig, von denen lebe ich), Buchkorrekturen (im Dezember erscheint mein Buch über berufstätige Mütter aus aller Welt), Kindergeburtstag feiern (Familienfest war am Sonntag, morgen steht die Kinderparty an – drückt mit die Daumen für ein märchenhaftes Gelingen) und durchwachten Nächten (Husten, Schnupfen, Ohrenschmerzen plagen uns abwechselnd).

Bevor ich gleich zum nächsten Kundentermin verschwinde, will ich berichten was meiner Freundin in den USA widerfahren ist.  Bis vor kurzem war sie Dozentin an einer privaten Universität. Dort wurde nun ein knappes Drittel aller Vollzeitstellen gestrichen und damit verlor auch sie ihren Job. „Aber du bist doch schwanger?“ habe ich sie gefragt.  Denn tatsächlich erwartet sie im Winter ihr zweites Kind. Daraufhin

Ein steiniger Weg: Jobs weltweit

Ein steiniger Weg: Jobs weltweit

erklärte sie mir, es gäbe in den USA keinen Kündigungsschutz für Schwangere. Berufen könne man sich höchstens auf ein Anti-Diskriminierungs-Gesetz. Doch das greift in ihrem Fall nicht, da sie gemeinsam mit vielen Kollegen entlassen wurde und nicht aufgrund ihrer Schwangerschaft.

 

Enden möchte ich den Beitrag aber gern mit einer positiven Note: In Deutschland plagt berufstätige Mütter ja bekanntlich ab und an ein schlechtes Gewissen. Völlig unnötig, erklärt ein Artikel in „Psychologie heute“ recht prägnant. Er erschien zwar schon 2011, mir ist er aber heute erst begegnet. Und falls es euch auch so geht, hier der Link.

 

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„Als Frau wird das ja eh nichts mit der Karriere“

Gestern Abend saß ich in der vollbesetzten Stuttgarter U-Bahn und kam nicht umhin, das Gespräch zweier junger Frauen zu hören. Eine war offensichtlich BA-Studentin im 4. Semester in einem Konzern mit mehr als 40 Niederlassungen weltweit. Die andere war ziemlich neugierig und bombadierte sie mit Fragen.  So wissen wir Mitfahrer jetzt, wie das Betriebsklima in ihrer derzeitigen Abteilung (Arbeitsvorbereitung) ist, kennen ihren Notendurchschnitt und den ihrer Mitstudenten und sind informiert darüber wie schwierig es ist, eine vernünftige Wohnung in Stuttgart zu mieten. Im Frühjahr verbringt sie drei Monate in einer Auslandsniederlassung, ihr Wunschziel sind die USA und das wird ziemlich sicher auch klappen. Nach dem die Vor- und Nachteile des internationalen Trimesters analysiert sind, kommt die nächste Frage: Steigst du danach fest ein? Ja, die Gewerkschaft hat bereits ausgehandelt, dass alle BA-ler übernommen werden, unabhängig vom Notendurchschnitt. Ich kenne sogar schon das (recht ordentliche) Einstiegsgehalt – tut mir leid, weghören war nicht drin. Ob sie dann nach zwei Jahren Praxis noch den Master dranhängen will? „Ach ne du, dann habe ich mich schon mal an das gute Geld gewöhnt und außerdem, so als Frau, da kriegt man doch eh irgendwann Kinder. Da ist das nicht so mit Karriere.“ Bis dahin hatte ich nur beiläufig zugehört, aber da dachte ich mir: Wird sich eigentlich nie etwas ändern?

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Mehr weibliche Unternehmensbosse

gibt es weltweit zu vermelden, diese Nachricht ging heute durch die Medien. Sie bezieht sich auf frisch veröffentlichte  Zahlen der US- Organisation «Corporate Women Directors International“.

Woran es liegt? Hauptsächlich wohl an den Frauenquoten, die sich einige EU-Länder verordnet haben. In Spanien stieg der Anteil weiblicher Chefs seit 2004 um 2%, in Frankreich kletterte die Quote gar um 7%. Wäre ja auch schlimm, wenn so eine Quote keinen Erfolg zeigen würde. Fakt ist: Es gibt viel mehr befähigte Frauen, als wir heute an den Unternehmensspitzen sehen. Doch viele davon wollen sich nicht nachsagen lassen, den Job aufgrund einer Quotenregelung bekommen zu haben. Mir würde es genau so gehen. Statt einer gesetzlichen Quote sind andere, nur scheinbar weniger drastische, Schritte nötig, um Frauen – und Männern – den Weg zur Vereinbarkeit von Job und Privatleben zu ermöglichen. Zum Beispiel muss der Mythos weg, das befördert wird wer abends am längsten im Büro sitzt. Wie sagte meine Freundin Karin kürzlich? „Da sind wir modernen Menschen rund um die Uhr vernetzt und immer erreichbar – aber Jahrzehnte entfernt von Telearbeit als anerkannter Arbeitsform“. Doch wie viele Unternehmen gehen diese Schritte freiwilligSteiniger Weg zur Frauenquote? Wenn sie die Menschen zum Umdenken bewegt, ist eine Quote sicher nicht ganz verkehrt.

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Von der Notaufnahme zum Briefing zur Kundenpräsentation

So lassen sich die vergangenen 24 Stunden im Zeitraffer skizzieren.

Gestern, am Sonntagnachmittag, fuhren wir zum Kaffeeklatsch bei Verwandten. Dort angekommen stolperte mein „Großer“ (5 Jahre alt) direkt vor der Haustür und knallte mit voller Wucht aufs Kinn (er hatte dummerweise die Arme hinterm Rücken verschränkt, eine Angewohnheit die er sich wohl von seinem Großvater abgeschaut hat). Die klaffende Wunde blutete stark. Wie ein Krankenwagen-Pilot raste mein Mann ins Hospital, ich hielt auf dem Rücksitz das zitternde Kind fest. Die Wunde musste genäht werden, ansonsten schien er unverletzt – doch weil er nicht aufhörte über Ohrenschmerzen zu klagen, fuhren wir noch zum Kinderarzt. Aber auch dort zum Glück Entwarnung. Zum Abendessen gab es Griesbrei, da der Kleine nichts kauen konnte, und um 21 Uhr fiel die ganze Familie erschöpft ins Bett. Das war auch gut so, denn heute morgen um 6 ging es für mich weiter zum Briefingtermin bei einem Neukunden – dank des Montagmorgen-Verkehrschaos brauchte ich satte zwei Stunden für 80 km, so hockte ich im Stau während meine Gedanken um mein Kind kreisten. Produktmanagement, Vertrieb, Einkauf, Qualitätssicherung – sechs Menschen saßen mir ab 9  gegenüber, um über eine neue Produkt-Range zu sprechen. Drei durchdiskutierte Stunden später klemmte ich mich wieder hinters Steuer, doch anstatt nach Hause zog ich weiter zu einem Präsentationstermin, diesmal südlich von Stuttgart. Gewohnt zu funktionieren stand ich auch diesen Termin durch. Zwischendurch rief  ich natürlich zu Hause an, wo meine Mutter bei meinem Sohn war und mir versicherte, es ginge ihm sehr gut und ich bräuchte mir keine Gedanken zu machen. Das weiß ich, und doch will mein Mutterinstinkt an seiner Seite sein. Jetzt ist es wieder Abend, mein Kind schläft, es geht ihm gut, mein Kopf dröhnt. An manchen Tagen ist es hart, eine working mum zu sein. Gute Nacht 😉

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Die Kombination aus Kompetenz und Lässigkeit

Carla, 36 Jahre, Diplom-Journalistin, Freiberuflerin und Mutter von zwei Kindern.  Wir sprechen über Karriere, Sehnsüchte und Familienalltag.

Was bedeutet Karriere für dich? Hat sich deine Einschätzung verändert seit du Familie hast?

„Das Wort Karriere mag ich nicht, denn es impliziert, dass der Beruf Prio 1 im Leben ist: mit Familie ist „Karriere“ kaum möglich, wenn man nicht Frau von der Leyen ist. Mir geht es um berufliche Selbstverwirklichung, Ziele (in abgespeckter Version, weil Familie einfach Zeit beansprucht) zu erreichen, Geld zu verdienen, also auch finanziell unabhängig zu sein und mich fachlich weiterzuentwickeln.

Was hast Du von Deinem Kind oder Deinen Kindern gelernt? „Auch mal fünf gerade sein zu lassen, Perfektionismus und Kinder – das passt nicht wirklich zusammen.“

Welchen Tag in Deinem Leben möchtest Du gern noch einmal erleben?  „Alle, an denen Bauch und Kopf im Einklang waren.“

Hast du Vorbilder?  „Jeder, der seine persönlichen Herausforderungen mit positiver Denke, Humor und Engagement annimmt und sich selbst nicht allzu wichtig nimmt. Kompetenz und Lässigkeit ist eine erstrebenswerte Kombination.“

Was fasziniert dich an deinem Beruf? „Ich rede oft mit den unterschiedlichsten Leuten. Was mir daran so gefällt ist, auf Menschen zu treffen, die ihre Aufgabe mit Leidenschaft machen, fit darin sind und dies auch vermitteln können: also sich nicht hinter Fachchinesisch oder Phrasen verschanzen und gesunden Menschenverstand beweisen.“

Was ist für dich das Wichtigste im Leben? „Das Leben mit geliebten Menschen genießen zu können.“

Wie ist die Rollenverteilung zwischen dir und deinem Partner? „Ich arbeite Teilzeit, er Vollzeit: also tendenziell klassisch verteilt, wobei wir das recht flexibel handhaben können, dadurch, dass er Lehrer ist und relativ viel zu Hause ist. Haushalt bleibt vor allem an mir kleben, er kauft ein und kocht oft. Um die Kinder kümmern wir uns gleichermaßen, würde ich sagen.“

Wieso habt ihr Kinder bekommen und wie hat sich eure Partnerschaft mit Kindern verändert? „Kinder gehören für uns zu einem erfüllten leben unbedingt dazu. Das heißt aber auch: Zweisamkeit ist selten, was es deutlich schwieriger macht, auch einfach mal Paar zu sein.“

Hand aufs Herz: wie hast du dich verändert seit du Mutter bist? „Das kann wohl am besten meine Familie beurteilen. Aber ich denke, ich sehe manche Dinge relaxter, d.h. Pläne können nicht ums Biegen und Brechen durchgezogen werden. Zwangsläufig verschieben sich auch Interessen: also eher Kinderbasar als Shopping mit der Freundin u.ä.“

Wie würde ein typischer Tag ablaufen, wenn du plötzlich ausfällst? „Dann fängt morgens um sieben schon das Chaos an, denn mein Mann verlässt dann das Haus. Er müsste sich schon frei nehmen, um die Kids anzuziehen, Frühstück zu machen und in die Kita zu bringen. Haushalt – nun ja. Wenn ich mal weg bin, wird nur das Nötigste gemacht (Spülmaschine einräumen). Kinder uns Haushalt in Kombination ist offenbar nicht Männersache…“

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Eingeordnet unter Frau und Job, Leben mit Kindern