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USA versus Germany: Warum ein Land ohne bezahlten Mutterschutz kinderfreundlicher

Autorinnentrio zu Gast in der US Embassy Berlin: Michaela Schonhöft, Maya Dähne, Peggy Wandel

Autorinnentrio zu Gast in der US Embassy Berlin: Michaela Schonhöft, Maya Dähne, Peggy Wandel

ist als das von „Mutti“

Diese Woche war ich mit Maya Dähne und Michaela Schonhöft eingeladen zu einer deutsch-amerikanischen Diskussionsrunde. Der ehrgeizige Titel der Veranstaltung lautete:

„Balancing Family and Career Amidst Demographic Change:

Culture, Public Policy, Gender Roles, and Economics—An International Comparison

With Michaela Schonhöft, Peggy Wandel, and Maya Dähne

Authors of the books Childhoods (Kindheiten), Between Career and Playgroup (Zwischen Karriere and Krabbelgruppe), and

Desperately Seeking Daycare (Deutschland sucht den Krippenplatz)“

Veranstalter war die Wirtschaftssektion der US-Botschaft in Berlin. Mit deutschen und US-amerikanischen Botschaftsangehörigen, Gästen aus Ministerien und der Presse sprachen wir über internationale Erfahrungen und deutsche sowie US-amerikanische Eigenheiten. Kleine Erkenntnis am Rande: Die US-Amerikaner, vor allem die anwesenden berufstätigen Mütter, halten es für ein freiheitliches Grundrecht, am Sonntag ihre Einkäufe erledigen zu können, während wir Deutschen den Ladenschluss am Sonntag mehrheitlich verteidigen als letzte „Bastion im Angesicht des totalen Kapitalismus“.

Die Hauptfrage jedoch war: Wie lassen sich Beruf und Familie für Mütter und Väter besser vereinbaren und warum scheint dies in Deutschland schwieriger als in den USA, trotz großzügiger staatlicher Unterstützung? Was deutsche Eltern hierzulande erhalten, macht die US-Amerikaner neidisch. Dennoch zählt Deutschland zu den Schlusslichtern auf der Geburtenstatistik. Blickt man in die USA, gibt es weder den bezahlten Mutterschutz (abgesehen von wenigen progressiven Staaten wie Kalifornien), noch Elterngeld, Kindergeld oder sonstige Anreize. Dafür gibt es: Kinder. Die sind zwar Privatsache, gehören zum Leben in den USA aber ganz einfach dazu und werden nicht als Störfaktor oder Problem wahrgenommen.

Maya Dähne schilderte den Kontrast aus eigener Erfahrung: Sie arbeitete jahrelang in Washington D.C., wo auch ihre beiden Kinder zur Welt kamen. Bei der Rückkehr nach Deutschland freute sie sich auf „das ultimate Paradies für Eltern und Kinder“ – auf all die staatlichen Vergünstigungen und das weiche soziale Kissen. Wenige Wochen später war sie jedoch eher frustriert – in den USA hatte man sie als Schwangere und Mutter behandelt wie die „Queen of hearts“, in Berlin stand sie nicht nur einmal bepackt mit Windelkarton, Kleinkind und Kinderwagen am U-Bahnschaft und niemand machte Anstalten, ihr die Treppe hinauf oder hinunter zu helfen. Die neuen Nachbarn beschwerten sich über die Ruhestörung und der Betreuungsdschungel entpuppte sich als Nahkampfzone.

Natürlich sind die USA objektiv alles andere als ein Paradies für Familien mit Kindern. Viele US-Bürger sind auf mehrere Jobs angewiesen, um ihre Familie zu ernähren und die Kosten für die Kinderbetreuung aufzubringen – leider auch in Deutschland keine Seltenheit mehr. In einer Rede an die Nation sprach Präsident Obama sich Ende Januar 2014 für eine bessere Vereinbarkeit und Bezahlung für Frauen aus: “ A woman deserves equal pay for equal work. (…) She deserves to have a baby without sacrificing her job. A mother deserves a day off for a sick child or sick parent without running into hardship – and you know what, a father does, too. It’s time to do away with workplace policies that belong in a  „Mad Men“ episode.  (…) Because I firmly believe when women succeed, America succeeds.“

Die Fernsehserie „Mad Men“, auf die Obama anspielt, handelt in den 1960er Jahren. Tatsächlich sind die tradierten Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten ein Hauptgrund, weshalb es mit der Vereinbarkeit hapert – in den USA wie in Deutschland. Daher kam immer wieder das „skandinavische Modell“ zur Sprache. Dort kann man ansatzweise eine neue Zeitkultur erleben. Ein früher Feierabend ist die Regel, Ingela aus Schweden erzählte mir zum Beispiel „Wer bei uns um 17 Uhr noch im Büro sitzt, wird schon mal vom Chef gefragt, ob zu Hause alles in Ordnung ist“. Ist ein Kind krank, bleiben Vater und Mutter abwechselnd zu Hause – ohne schlechtes Gewissen, denn die Familie hat Prioriät. Aus Deutschland kenne ich eher die Sprüche à la „Hast du heute einen halben Tag Urlaub?“ oder „Ich hätte nachmittags auch gerne frei“, wenn man das Büro schon gegen 16 Uhr  verlässt. Das skandinavische Konzept lässt sich sicher nicht komplett auf andere Länder übertragen, doch die zugrundeliegende Mentalität würde ich mir wünschen.

Es gibt hierzulande immer mehr Väter, die Zeit mit ihren Kindern einfordern und dafür beruflich kürzer treten (wollen). Zudem legen viele junge Absolventen und Absolventinnen schon beim Berufseinstieg mehr Wert auf Freizeit und eine gute Balance. Arbeit könnte dadurch einen neuen Stellenwert bekommen – indem wir arbeiten um zu leben anstatt zu leben um zu arbeiten. In Norwegen zum Beispiel gilt es als Faux-pas, ein Meeting nach 16 Uhr anzuberaumen – der Feierabend gehört der Familie oder Hobbys und wird eingehalten. Beim Smalltalk in Deutschland und in den USA fragen wir zuerst „Was machen Sie beruflich?“. Ein Norweger wird eher wissen wollen „Was hast du am Wochenende erlebt?“. Es wäre schön, wenn wir uns davon etwas abschauen könnten. Denn Kinderbetreuung von früh bis spät, damit zukünftig Mütter und Väter 37,5 h oder mehr pro Woche arbeiten können, das kann nicht die Lösung sein – auch wenn es angesichts des demographischen Wandels einleuchtend klingen mag.

 

 

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Die Frauenarbeitsvermeidungsrepublik

„Ich bin eben der Alleinverdiener bei uns“, erzählte  vor ein paar Tagen die männliche Hälfte einer befreundeten Familie, und wirkte dabei alles andere als glücklich. Eine in Deutschland alltägliche Situation: Vater, Mutter, zwei Töchter im Alter von 10 und 14 Jahren; Papa arbeitet im Konzern, davon werden sämtliche Ausgaben bestritten: Die monatliche Miete für das Haus, Nebenkosten, Essen, Kleidung, Urlaub, etc. Um ihn herum fallen Burnout-Kranke wie die Dominosteinchen. Er selber hält sich tapfer, aber der Druck im Konzern macht ihm zu Schaffen und er würde liebend gern in eine kleinere Firma wechseln. Doch das Gehalt sollte stimmen, denn: Er ist eben der Alleinverdiener. Seine Frau ist Akademikerin, hat aber seit der Geburt der Kinder den Hausfrauenpart übernommen und trägt monetär nichts zum Einkommen bei.  Er tat mir leid und wäre ich seine Frau, hätte ich beschlossen, dass es so nicht weiter gehen kann – ich würde mir einen Job suchen. Doch sie sass daneben und nickte nur. Die Töchter der beiden sind gute Schülerinnen im Gymnasium. Werden sie nach dem Studium und <5 Berufsjahren auch bei ihren Kindern zu Hause bleiben? Das wird ihnen schließlich vorgelebt.

aboutpixel.de / Schattenboxen © Michael Stachurski

aboutpixel.de / Schattenboxen © Michael Stachurski

Eine Bekannte aus dem Turnverein war 8 Jahre Vollzeitmama und sagte gern Sätze wie „Ich muss ja nicht arbeiten, mein Mann verdient genug„. Nun hat sie doch wieder einen Job angefangen, in ihrem Bereich als Akademikerin arbeitet sie für 400 oder 450 Euro zwei Tage die Woche, macht acht Tage im Monat. Das ist Ausbeuterei auf freiwilliger Basis und bringt keinen Cent für die Rente.
Ich habe die Tage einen aufrüttelnden FAZ-Artikel auf Facebook gepostet, der Frauen zum Sparen gegen die Altersarmut aufruft. Warum verdrängen wir dieses Thema so gern oder verweisen auf den gutverdienenden Ehemann (statistisch hält leider höchstens die Hälfte der Ehen lang genug)? Vermutlich „liegt es daran, dass die Zahlen, die wir jahrelang auf unseren Rentenbescheiden lesen, so klein sind, dass man sie gut übersehen kann.“ (FAZ-Link)

Am Wochenende sprach ich auf der „Schön&Gut Messe“ in Münsingen mit einer mittelständischen Textilunternehmerin, sie stellt Strickmode aus Biobaumwolle her und sucht händeringend nach qualifizierten Arbeitskräften. „Bei uns im Dorf gibt es genug Frauen zwischen 35 und 45, deren Kinder groß genug sind und die beruflich wieder durchstarten könnten – bei mir auch gerne in Teilzeit. Aber stattdessen verdingen sich gelernte Industriekauffrauen lieber auf 450-Euro Basis als Putzkraft oder beim Discounter an der Kasse.“ Sie selbst würde gern in ein paar Jahren in Rente gehen, doch dafür muss sie erst noch einiges an privater Altersvorsorge ansparen – das werden auch manche der Frauen noch merken, die auf Sozialversicherungsabgaben pfeifen.  Wer schon einmal auf Lohnsteuerklasse 5 gearbeitet hat, weiß auch, warum viele lieber nur einen Minijob annehmen – es bleibt oft kaum etwas übrig vom Teilzeitgehalt. Daher gehört unser unsägliches Steuergesetz (übrigens das komplizierteste weltweit) reformiert. Eine Abschaffung des Ehegattensplittings und eine gerechtere Besteuuerung könnte für mehr Anerkennung von  Teilzeitarbeit sorgen. Dazu findet sich ein sehr interessanter Leitartikel auf der Seite des VBM (Verband berufstätiger Mütter):

Ehegattensplitting, kostenlose Ehefrauen-Familien-Mitversicherung & Co – weg mit den diskriminierenden

aboutpixel.de / Schattenboxen © Michael Stachurski

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Regelungen im Steuer- und Sozialrecht

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12.07.2013: Lesung beim VBM in Stuttgart

Zwischen Krabbelgruppe und Karriere: 20 berufstätige Mütter aus aller Welt

Zwischen Krabbelgruppe und Karriere: 20 berufstätige Mütter aus aller Welt

Bevor auch in Baden-Württemberg bald die Sommerferien und damit die Reisezeit beginnt, lade ich euch herzlich ein zu einer Weltreise der besonderen Art: Am Freitagabend, 12.7.2013 stelle ich ab 20 Uhr im Plenum in Stuttgart mein Buch „Zwischen Karriere und Krabbelgruppe – 20 berufstätige Mütter aus aller Welt erzählen, wie sie Familie und Job unter einen Hut bekommen“ vor. Dazu lädt der Verband berufstätiger Mütter e.V. (kurz „VBM“) ein – übrigens eine wichtige Interessenvertretung und ein Netzwerk sehr sympathischer, kompetenter Frauen. Eingeladen ist jede und jeder, der Lust auf dieses Thema hat, es ist eine offene Veranstaltung und bestimmt wird es eine sehr nette Runde. Im Restaurant Plenum (direkt beim Stuttgarter Landtag) gibt es übrigens auch sehr leckeres Essen, schon das lohnt einen Besuch 😉

Vor allem aber die angekündigte Weltreise: An diesem Abend möchte ich die Zuhörerinnen und Zuhörer mitnehmen durch Europa, Süd- und Nordamerika bis nach Asien, Australien und Afrika. Anhand spannender, sehr persönlicher und unglaublich aufschlußreicher Geschichten von echten Müttern. Und damit jetzt keiner sagt „lesen kann ich selbst“ oder „ich kenne das Buch doch schon“: Natürlich lese ich nicht nur vor. Ich möchte vor allem Geschichten erzählen, die Hintergründe und Entstehungsgeschichte des Buches verraten und Bilder der Frauen zeigen. Das alles findet ihr nicht im Buch, also kommt vorbei! Ich würde mich sehr freuen.

Hier findet ihr die Ankündigung auf der Webseite des VBM:

http://www.vbm-online.de/regionalstellen/stuttgart/termine/details/1897-StuttgartJuli13.html

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Vorfreude: Aktionstag „Lokale Bündnisse für Familie“ im Saarland.

Die Ankündigung hat Globus in Völklingen gut sichtbar an der Rolltreppe platziert. Foto: Martina Koch

Die Ankündigung hat Globus in Völklingen gut sichtbar an der Rolltreppe platziert. Foto: Martina Koch

Die SHG-Kliniken in Völklingen haben mich für kommenden Freitag, 24. Mai 2013, zu einer Lesung mit anschließender Gesprächsrunde eingeladen. Der Abend findet statt im Rahmen des Aktionstages „Lokale Bündnisse für Familie“. Eben habe ich mir überlegt, aus welchen Kapiteln ich am besten Ausschnitte vorstelle. Ingela aus Schweden vielleicht – als tolles Beispiel für die gleichberechtigte Vereinbarung von Familie und Beruf. Simi aus Indien – weil sie in bester Bollywood-Manier aus ihrem turbulenten Mutter- und Unternehmerinnenleben erzählt. Oder Ayako, die japanische Primaballerina, die das Vorurteil „Ballerinas bekommen keine Babys“ erfolgreich ausgehebelt hat. Am liebsten würde ich von allen 20 Frauen erzählen, doch wer durch die Lesung auf den Geschmack kommt, kann ja anschließend  in Ruhe weiter um die Welt schmökern.

FAMILIENFREUNDLICH

Schon vorab bekam dieser Termin für mich einen ganz besonderen Charakter: Nicht nur ich als Autorin wurde eingeladen, die wunderbare Frau Koch fragte gleich nach: „Wollen Sie denn nicht auch Ihren Mann und Ihre Kinder mitbringen? Sie können gerne Weiterlesen

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Empörung ist schick, bringt uns aber auch nicht weiter.

Ärgert ihr euch nicht auch oft über die gedrechselten, schwammigen Aussagen vieler Berufspolitiker, die wir jeden Tag serviert bekommen? Redet aber jemand Klartext, stürzen wir – Medien, Blogger oder Leser – uns ganz gern hämisch auf diese Person. Heute ist mal Lencke Wischhusen dran. Ich kenne die Frau nicht persönlich und bin kein Mitglied im Bund Junger Unternehmer (BJU), fühle mich also objektiv genug, um meine eigene Meinung zu ihren Aussagen kundzutun.

Lencke Wischhusen gestern in der BILD:

„Frauen müssen im Job mutiger werden. Sie brauchen mehr Selbstvertrauen, zum Beispiel in Gehaltsverhandlungen.“

Diese Feststellung ist nicht neu und nach wie vor richtig.

„Sie wählen oft Berufe, in denen eher niedrige Löhne gezahlt werden. Insofern haben Frauen auch eine Mitverantwortung an den Verdienstunterschieden.“

Bingo, die Aussage aus Satz eins ist bekann. Satz zwei mag weh tun, klingt aber logisch.

„Frauen könnten ihrem Chef anbieten, während der Babypause z. B. als Urlaubsvertretung in der Firma zu arbeiten. So bleiben sie besser in Kontakt mit ihrem Arbeitgeber“

Ah, den Stein des Anstoßes orte ich auf dem Grund dieser Aussage! Sie mündete in die Bild-Headline: „Mütter mit Babys sollen in den Ferien arbeiten“. Seit wann ist die Babypause ein Ferienlager? Diese Zeit hat mit Urlaub gar nichts zu tun. Frau Wischhusen scheint das allerdings auch gar nicht behauptet zu haben.

Für den Wiedereinstieg nach der Babypause ist es tatsächlich sehr empfehlenswert, in Kontakt mit Chef und Kollegen zu bleiben. Ein paar Tage Urlaubsvertretung anzubieten oder die Teilnahme an einem Workshop, wenn die Kinderbetreuung in der Zeit geregelt ist, halte ich für eine machbare und praktische Idee. Sicher nicht für jede Mama, aber welche Idee ist das schon? Übrigens gibt es ja auch Vätermonate (zwei bis zwölf, je nach eigenem Ermessen), Mama muss nicht immer beim Kind sein.

Seien wir ehrlich: Die Debatte um berufstätige Mütter und die Kinderbetreuung dreht sich schon so lange im Kreis, dass einem dabei schwindelig werden kann. Kommt tatsächlich jemand mit konkreten Vorschlägen, werden diese wie hier bruchstückhaft wiedergegeben und anschließend zum Abschuss freigegeben. „Wie kann die es wagen, die hat ja selbst keine Kinder, Unternehmertochter, pfui“, so einige Reaktionen auf den (von BILD in gewohnt sachlich-nüchterner Manier – ähm, Achtung: Ironie) lancierten Bericht zum Interview mit der BJU-Vorsitzenden. Sorry Leute, aber so traut sich bald keine(r) mehr, den Mund auf zumachen. Und das bringt uns bestimmt nicht weiter.

Soweit das Wort zum Donnerstag.

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Familiengipfel: Offener Brief an Ministerin Kristina Schröder

Sehr geehrte Frau Dr. Kristina Schröder,

auf dem gestrigen Familiengipfel haben Sie mit hochrangigen Vertretern der deutschen Wirtschaft und den Gewerkschaften darüber gesprochen, wie sich das Miteinander von Familie und Beruf in Deutschland besser vereinbaren lässt. Das ist begrüßenswert. Als Autorin, Bloggerin und als berufstätige Mutter beschäftige auch ich mich seit Jahren mit diesem Thema. Ich habe ein Buch geschrieben, in dem 20 berufstätige Mütter aus aller Welt erzählen, wie sie Familie und Job unter einen Hut bekommen und was sie sich von Arbeitgebern und Politik wünschen.

Damit möchte ich die Debatte in Deutschland um eine internationale Perspektive erweitern. Denn leben wir nicht längst in einer global vernetzten Welt? Gerade beim Thema Vereinbarkeit können wir viel voneinander lernen.

Im Buch berichtet beispielsweise die Betriebswirtin Ingela aus Schweden, wie sie und ihr Mann dank familienfreundlicher Arbeitsbedingungen und Ganztageskindergarten problemlos in Vollzeit arbeiten – und dennoch zwischen 16 und 17 Uhr zu Hause sind.

Die Frauen im Buch sind gebildet, hochqualifiziert und verfolgen eigene Ziele und Träume. Wie ein Reiseführer nimmt ZWISCHEN KARRIERE UND KRABBELGRUPPE den Leser mit auf eine Entdeckungstour von Land zu Land, in die Welt berufstätiger Mütter.

Peggy Wandel, Foto: Stefanie Heider

Peggy Wandel, Foto: Stefanie Heider

Könnten wir – wie Sanne in den Niederlanden – unsere Kinder jeden Monat einschulen, müsste ich mir keine Gedanken darüber machen, ob mein Sohn noch ein ganzes Jahr im Kindergarten bleiben soll. Ich wünsche mir auch eine Nachbarschaft, wie sie Astrid in Norwegen pflegt, mit Hauskonzerten und Straßenfesten. Dagegen verzichte ich gern auf Weiterlesen

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mum02 zu Gast bei Spiegel Online

Für den Spiegel Online habe ich Auszüge aus meinem Buch „Zwischen Karriere und Krabbelgruppe“ zusammengestellt,  heute ist der Artikel erschienen. Eine schöne Antwort auf die gestrige Studie („Warum die Deutschen so wenig Kinder bekommen, mangelnde Vereinbarkeit und Anerkennung, etc.“), denn der Blick ins Ausland macht Mut!

Erfahrt mehr über das Leben meiner working mums-Freundinnen Petra aus Finnland, Snezka aus Slowenien und Simi aus Indien im Spiegel Artikel:

Peggy WandelFoto: Stefanie Heider

Peggy Wandel
Foto: Stefanie Heider

 

http://www.spiegel.de/karriere/ausland/berufstaetige-muetter-frauen-aus-anderen-laendern-ueber-ihre-erfahrungen-a-873314.html

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BGH beamt die Republik aus den 1950ern in die Welt der Gleichberechtigung.

Bildquelle: aboutpixel.de / Duell © Konstantin Gastmann

Bildquelle: aboutpixel.de / Duell © Konstantin Gastmann

Ein aktuelles Urteil des Bundesgerichtshofs will Deutschland auf einen Schlag in die moderne Welt der Gleichberechtigung katapultieren. Aber funktioniert Weltanschaungs-Wandel per Dekret?

Der BGH urteilte Anfang August, dass geschiedene Alleinerziehende keinen Anspruch auf Unterhalt vom Ex-Partner haben, wenn das Kind drei Jahre alt ist. In der Urteilsbegründung geht der Gesetzgeber generell davon aus, „dass die Betreuung in Ganztagesschulen oder Tagesstätten gleichwertig zur Betreuung durch die Eltern ist.“ Das hängt sicherlich ganz vom Elternhaus ab, doch darauf will ich nicht hinaus. Die neue Rechtsprechung mag logisch sein, aber nicht unbedingt gerecht. Zumindest nicht in der (süd-?) deutschen Wirklichkeit, in der frischgebackene Väter häufig Sätze sagen wie „Meine Frau und ich haben beschlossen, dass sie zu Hause bei den Kindern bleibt“. Das sollten sich Hausfrauen (genau so wie Hausmänner) in spe ab sofort lieber gut überlegen, denn sie könnten eines Tages ganz schön dumm da stehen. Wer seine Karriere zu Gunsten der Familie an den Nagel hängt, muss im Scheidungsfall nicht nur seine Ehe begraben sondern gleich sein ganzes Familienmodell an den Nagel hängen, und sich fix überlegen wie sie/er zu Geld kommen und gleichzeitig für das Scheidungskind oder die Scheidungskinder da sein kann.

Gut, wenn man sich darüber wohl keine Gedanken zu machen braucht. Gestern traf ich eine Freundin  zum gemütlichen Frühstücksplausch in der Innenstadt. Nach zwei Stunden verabschiedete ich mich, auf meinem Schreibtisch wartete jede Menge Arbeit. Meine Hausfrau-und-Mutter-Freundin wollte noch shoppen gehen. Zum Abschied sagte sie  lächelnd zu mir:  „Tja, eine muss ja Geld verdienen. Ich gebe immer nur welches aus.“

Ich wünsche ihr, dass sie nie mit dem BGH in Konflikt kommt.

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Restaurantbesuch lieber ohne Kind

Teil 2 meines Gesprächs mit Carla aus München findet ihr hier:

Wie nimmst du die gesellschaftliche Akzeptanz von Familien mit Kindern wahr?

„München ist eine Stadt gutverdienender Singles. Man macht sich meistens nicht beliebt, mit zwei Kindern in ein Restaurant zu gehen. Das merkt man besonders, wenn man es im Urlaub gerade anders erlebt hat (wie zum Beispiel in Spanien oder Italien, wo Kinder fast überall im Mittelpuntk stehen).

Wie vereinbarst du persönlich Familie und Beruf?

„Vor allem über strukturiertes Arbeiten und gute Organisation, externe Hilfe gibt’s eigentlich nur über die Kita, ab und zu mal einen Babysitter, aber das ist verhältnismäßig teuer.“

Was sind dabei die größten Hindernisse?

„Zeit: die ist immer knapp. Ich habe den Eindruck, dass ich immer flexibler sein muss als das Gegenüber, im Job, bei Alltagserledigungen, et cetera. Es wird suggeriert, dass man sich ja selber für das eingeschränkte Leben mit Kindern entschieden hat, also muss man es auch selbst organisieren.“

Wie beurteilst du die stattliche Förderung „Elterngeld“?

„Ich habe beim zweiten Kind ein Jahr Elterngeld bekommen, mein Mann zwei Monate. Bei meiner Tochter gab es das Elterngeld noch nicht, da haben wir nichts bekommen. Die Förderung wird zwar besser (Krippenausbau, Elterngeld), hat aber nicht die nötige Prio. Denn in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wird Elterngeld gekürzt, der Rüstungsetat steigt aber stetig.“

Nimmst du dir bewusst (Aus-)Zeit für dich selbst, wenn ja wie gestaltest du diese?

„Ja, mit Freundin, Sport, persönlichen Projekten, aber viel zu selten. 1-2 mal im Jahr ein Mädelswochenende: Städtetrip, Hüttentour o.ä.“

Was sind deine Pläne für die Zukunft? Wo siehst du dich in 10 Jahren? „Dann bin ich hoffentlich Unternehmerin und/oder Buchautorin“

Über kleine Alltagssorgen hinaus darf man als Eltern nie vergessen, wie schön das Leben mit Kindern ist.  Wie Carla sagt: „Kinder haben so viel positive Energie. Negatives wird eigentlich immer von außen an sie heran getragen, von selbst sind sie nicht so. Und das muss man sich immer wieder vor Augen halten.“

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Über den Tellerrand: Zu Hause Mittagessen

Über den Tellerrand schauen ist immer wieder eine gute Idee. So muss man beispielsweise nicht alle Fehler selbst machen. Das gilt in der Politik, in der Wirtschaft und im ganz normalen Leben. Wir lassen uns inspirieren oder übernehmen sogar ein erfolgreiches Konzept.  Die bei uns als „Herdprämie“ titulierte, hauptsächlich von der CSU geforderte Bezahlung von Eltern (gemeint sind Mütter), die ihre Kinder zu Hause erziehen, wurde in Norwegen beispielsweise schon 2007 wieder abgeschafft wegen enormem sozialen Missbrauch – ob wir uns so eine  Suppe auch einbrocken?

Sich über Ländergrenzen hinweg mit Freunden auszutauschen, das fasziniert mich einfach. Wie viele meiner Freunde kann auch Sara aus Ljubljana nicht glauben, was in deutschen Kindergärten vielerorts noch usus ist: eine Mittagspause, die die Kinder zu Hause verbringen. In Slowenien hätte sich viel geändert seit der Unabhängigkeit des Landes, seit Frauen üblicherweise arbeiten müssen oder wollen. „Ich kann mir nicht vorstellen, zu Hause und Hausfrau zu sein“ sagt Sara – sie gehört also zu Letzteren. Ein Jahr Elternzeit gibt es in Slowenien, bereits mit 11 Monaten kann das Kind in den Kindergarten. Gut durchdacht, so gibt es einen vollen Monat der Eingewöhnungszeit, bevor die Mutter wieder zu arbeiten beginnt. Die „Grundschule“ haben die Slowenen vor kurzem von acht auf neun Jahre ausgebaut. Die Kinder gehen nicht länger zur Schule, sie werden ein Jahr früher eingeschult. Eine pragmatische Lösung, die scheinbar besser angenommen wird als G8 in Deutschland (die Gymnasialzeit wurde von neun auf acht Jahre verkürzt). Die Kinderbetreuung geht für Saras Tochter von 8 bis 15 Uhr. Das war im Kindergarten so und ist nun in der Schule nicht anders. Die Erstklässler haben bis 12 Uhr Unterricht, danach schlafen sie in der Schule, basteln oder machen Sport. So kann Sara über Mittag arbeiten und sich dann ab 15 Uhr ihrem Kind widmen.

Mein Sohn hingegen wird im kommenden Monat drei Jahre alt, damit läuft sein Platz in der Kleinkindbetreuung aus. In meinem Wunschkindergarten, der eine Betreuung über Mittag anbietet und den auch sein älterer Bruder besucht, ist leider kein Platz frei. Einen Platz gibt es nur in einem regulären Kindergarten am Ort, mit „regulär“ meine ich die Öffnungszeiten: von acht bis halb eins und von halb  zwei bis vier Uhr. Diese eine Stunde Mittagspause wird eine echte Herausforderung, nach der ich zukünftig meine Berufstätigkeit ausrichten darf: Kind also mittags aus dem Spiel herausreissen, schnell an den Herd, dem Kind etwas zu essen vorsetzen, um mich dann wieder von ihm zu trennen – für zwei Stunden. Für mein Kind und mich klingt das eher nach „Herdstrafe“, dieser deutsche Weg. Da wirkt die slowenische Lösung für mich ganz entspannt. Kind wird durchgehend betreut, während die Eltern arbeiten, und anschließend nehmen wir uns Zeit füreinander. Ich kann ihn nur empfehlen, den Blick über den Tellerrand.

P.S. Im Kindergarten meines „Großen“ wird eine sehr familienfreundliche Lösung praktiziert: Das Kind kann über Mittag im Kindergarten bleiben und essen, wann immer die Eltern diese Betreuung benötigen. Dazu trägt man bis zum Ende der Vorwoche in eine Liste ein, an welchen Wochentagen man dieses Angebot in der kommenden Woche nutzen möchte. Super flexibel, mitten in Deutschland. Geht doch! Und wird übrigens sehr gut angenommen. Häufig bleiben auch die Kinder, deren Mamas (es sind einfach nur Mamas hier am Ort, ich hoffe das ändert sich auch noch) zu Hause sind – ganz einfach weil die Kinder so gern im Kindergarten bei ihren Freunden essen wollen.

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