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Was heißt kreativ für dich?

Am Freitag vor zwei Wochen sprach Frank Berzbach beim Jahrestreffen des Texterverbands über „Kreativität“. Während draußen die warme Novembersonne vom blitzblauen Himmel brannte, saßen dunkelgekleidete Frauen und Männer im fensterlosen Keller der MCAD Creative School in München und lauschten seinem Vortrag. Freiwillig. Ich auch. Und ja, es war gut. So gut, dass ich mein Ideenbüchlein zückte und mir Notizen machte. Ein paar Aussagen haben meine Fantasie angeregt. 1, 2, 3:

1 Jede(r) kann ein kreatives Leben führen.

Denkt ihr beim Stichwort „kreativ“ auch zuerst an Künstler, Werber oder Designer? Dabei heißt kreativ sein ja nichts anderes, als das wir unsere Fantasie einsetzen. Fantasie haben wir alle. Also kann jeder von uns kreativ sein. Ob wir das auf unser Leben und vor allem auf unsere Arbeit übertragen, hängt meiner Meinung nach von unserer Motivation ab. Weiterlesen

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USA versus Germany: Warum ein Land ohne bezahlten Mutterschutz kinderfreundlicher

Autorinnentrio zu Gast in der US Embassy Berlin: Michaela Schonhöft, Maya Dähne, Peggy Wandel

Autorinnentrio zu Gast in der US Embassy Berlin: Michaela Schonhöft, Maya Dähne, Peggy Wandel

ist als das von „Mutti“

Diese Woche war ich mit Maya Dähne und Michaela Schonhöft eingeladen zu einer deutsch-amerikanischen Diskussionsrunde. Der ehrgeizige Titel der Veranstaltung lautete:

„Balancing Family and Career Amidst Demographic Change:

Culture, Public Policy, Gender Roles, and Economics—An International Comparison

With Michaela Schonhöft, Peggy Wandel, and Maya Dähne

Authors of the books Childhoods (Kindheiten), Between Career and Playgroup (Zwischen Karriere and Krabbelgruppe), and

Desperately Seeking Daycare (Deutschland sucht den Krippenplatz)“

Veranstalter war die Wirtschaftssektion der US-Botschaft in Berlin. Mit deutschen und US-amerikanischen Botschaftsangehörigen, Gästen aus Ministerien und der Presse sprachen wir über internationale Erfahrungen und deutsche sowie US-amerikanische Eigenheiten. Kleine Erkenntnis am Rande: Die US-Amerikaner, vor allem die anwesenden berufstätigen Mütter, halten es für ein freiheitliches Grundrecht, am Sonntag ihre Einkäufe erledigen zu können, während wir Deutschen den Ladenschluss am Sonntag mehrheitlich verteidigen als letzte „Bastion im Angesicht des totalen Kapitalismus“.

Die Hauptfrage jedoch war: Wie lassen sich Beruf und Familie für Mütter und Väter besser vereinbaren und warum scheint dies in Deutschland schwieriger als in den USA, trotz großzügiger staatlicher Unterstützung? Was deutsche Eltern hierzulande erhalten, macht die US-Amerikaner neidisch. Dennoch zählt Deutschland zu den Schlusslichtern auf der Geburtenstatistik. Blickt man in die USA, gibt es weder den bezahlten Mutterschutz (abgesehen von wenigen progressiven Staaten wie Kalifornien), noch Elterngeld, Kindergeld oder sonstige Anreize. Dafür gibt es: Kinder. Die sind zwar Privatsache, gehören zum Leben in den USA aber ganz einfach dazu und werden nicht als Störfaktor oder Problem wahrgenommen.

Maya Dähne schilderte den Kontrast aus eigener Erfahrung: Sie arbeitete jahrelang in Washington D.C., wo auch ihre beiden Kinder zur Welt kamen. Bei der Rückkehr nach Deutschland freute sie sich auf „das ultimate Paradies für Eltern und Kinder“ – auf all die staatlichen Vergünstigungen und das weiche soziale Kissen. Wenige Wochen später war sie jedoch eher frustriert – in den USA hatte man sie als Schwangere und Mutter behandelt wie die „Queen of hearts“, in Berlin stand sie nicht nur einmal bepackt mit Windelkarton, Kleinkind und Kinderwagen am U-Bahnschaft und niemand machte Anstalten, ihr die Treppe hinauf oder hinunter zu helfen. Die neuen Nachbarn beschwerten sich über die Ruhestörung und der Betreuungsdschungel entpuppte sich als Nahkampfzone.

Natürlich sind die USA objektiv alles andere als ein Paradies für Familien mit Kindern. Viele US-Bürger sind auf mehrere Jobs angewiesen, um ihre Familie zu ernähren und die Kosten für die Kinderbetreuung aufzubringen – leider auch in Deutschland keine Seltenheit mehr. In einer Rede an die Nation sprach Präsident Obama sich Ende Januar 2014 für eine bessere Vereinbarkeit und Bezahlung für Frauen aus: “ A woman deserves equal pay for equal work. (…) She deserves to have a baby without sacrificing her job. A mother deserves a day off for a sick child or sick parent without running into hardship – and you know what, a father does, too. It’s time to do away with workplace policies that belong in a  „Mad Men“ episode.  (…) Because I firmly believe when women succeed, America succeeds.“

Die Fernsehserie „Mad Men“, auf die Obama anspielt, handelt in den 1960er Jahren. Tatsächlich sind die tradierten Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten ein Hauptgrund, weshalb es mit der Vereinbarkeit hapert – in den USA wie in Deutschland. Daher kam immer wieder das „skandinavische Modell“ zur Sprache. Dort kann man ansatzweise eine neue Zeitkultur erleben. Ein früher Feierabend ist die Regel, Ingela aus Schweden erzählte mir zum Beispiel „Wer bei uns um 17 Uhr noch im Büro sitzt, wird schon mal vom Chef gefragt, ob zu Hause alles in Ordnung ist“. Ist ein Kind krank, bleiben Vater und Mutter abwechselnd zu Hause – ohne schlechtes Gewissen, denn die Familie hat Prioriät. Aus Deutschland kenne ich eher die Sprüche à la „Hast du heute einen halben Tag Urlaub?“ oder „Ich hätte nachmittags auch gerne frei“, wenn man das Büro schon gegen 16 Uhr  verlässt. Das skandinavische Konzept lässt sich sicher nicht komplett auf andere Länder übertragen, doch die zugrundeliegende Mentalität würde ich mir wünschen.

Es gibt hierzulande immer mehr Väter, die Zeit mit ihren Kindern einfordern und dafür beruflich kürzer treten (wollen). Zudem legen viele junge Absolventen und Absolventinnen schon beim Berufseinstieg mehr Wert auf Freizeit und eine gute Balance. Arbeit könnte dadurch einen neuen Stellenwert bekommen – indem wir arbeiten um zu leben anstatt zu leben um zu arbeiten. In Norwegen zum Beispiel gilt es als Faux-pas, ein Meeting nach 16 Uhr anzuberaumen – der Feierabend gehört der Familie oder Hobbys und wird eingehalten. Beim Smalltalk in Deutschland und in den USA fragen wir zuerst „Was machen Sie beruflich?“. Ein Norweger wird eher wissen wollen „Was hast du am Wochenende erlebt?“. Es wäre schön, wenn wir uns davon etwas abschauen könnten. Denn Kinderbetreuung von früh bis spät, damit zukünftig Mütter und Väter 37,5 h oder mehr pro Woche arbeiten können, das kann nicht die Lösung sein – auch wenn es angesichts des demographischen Wandels einleuchtend klingen mag.

 

 

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Glückssträhne: mum02-Rückschau 2013

Manches habe ich mir vorgenommen für das kommende Jahr, doch darüber schreiben werde ich erst, wenn es soweit ist. Daher gibt es am Ende des Jahres eine Rückschau auf die beliebtesten Blogposts. Wie eine Perlenschnur zog sich – wie mir soeben auffiel – das Thema Glück durch viele Posts. Auch der leidige Perfektionismus war häufig präsent. Ist ein weniger perfektes Leben glücklicher als ein möglichst perfektes? Vom Glück jedenfalls kriegen wir selten zu viel, es ist unbezahlbar, lässt sich wunderbar teilen, schert sich nicht um Stereotypen und macht – im Gegensatz zum Weihnachtsbraten – nicht dick.

Wenn ihr wüsstet... by Mittelmaßmama

Wenn ihr wüsstet… by Mittelmaßmama

Glück ist, unperfekt zu sein und sich trotzdem zu mögen.

Klingt wie ein Kalenderspruch? Fiel mir eben so ein. Vielleicht könnte ich also 2014 auch Kalendersprüche texten. Im Ernst: Bereits Anfang des Jahres ging es in mum02 um den leidigen Perfektionismus, zu dem Kinder so gar nicht passen. Tatsächlich macht uns das Streben nach Perfektion eher unzufriedener. „Das neueste iPhone, der extragroße Flachbildschirm, die Designercouch und der fünf-Sterne-Cluburlaub haben uns nämlich gar nicht  glücklich gemacht. Aber nach den Maßstäben unserer Konsumgesellschaft wenigstens annähernd perfekt. Kinder dagegen sind ein archaisches Feuerwerk an Ungewissheiten. (…) Übrigens, laut Eckart von Hirschhausen lachen Kinder 400 mal am Tag, Erwachsene 12 mal und Tote gar nicht. Das ist doch eine klare Tendenz.  Da lebe ich viel lieber lustig anstatt perfekt.“

Was ist das eigentlich, berufstätig sein?

„Ich glaube keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe“, da gebe ich dem alten Churchill absolut recht. Im Februar 2013 zitierte Spiegel Online eine Studie, nach der Mütter in Deutschland zunehmend berufstätig seien. Diese These musste ich einfach mit Beispielen aus meinem Bekanntenkreis unterminieren, darunter 10% Jobs, Minijobs und dergleichen. „Zwei Drittel aller Mütter arbeiten? Sorry, Statistisches Bundesamt, ich finde diese Zahlen wenig beeindruckend. Wie viele Mütter haben einen Job, von dem sie leben könnten? Der ihnen eine Rente sichert?“ Zum Glück bastelt sich jede ihr eigenes Leben, fernab jeder Statistik. Ich meine, wer will schon genau dem Mittelmaß entsprechen? Doch bei aller Toleranz: Der Spruch „Ich muss nicht arbeiten, mein Mann verdient genug“, verursacht mir inzwischen seelischen Ausschlag. Abgesehen davon, dass rund die Hälfte aller Ehen geschieden werden. Will ich mich als gut ausgebildete Frau mit einer Lebenserwartung von über 80 Jahren derartig abhängig machen von etwas so unberechenbaren wie dem Beziehungsglück?

Das ist ja der Gipfel

Kristina Schröders Familiengipfel im März 2013 brachte mich dazu, ihr einen offenen Brief zu schreiben. Die Antwort einer Mitarbeiterin war nett und lapidar. Nun bin ich ja gespannt, was Andrea Nahles aus dem Ressort macht.

„Exclusiv“ und „Prominent!“

heißen ihre Sendungen, Promis kennt sie einige. Darum ging es aber nur ganz am Rande bei meinem Gespräch mit Moderatorin Frauke Ludowig. Vielmehr um offene Einblicke in das Arbeits- und Familienleben einer gut organisierten Mama, die ein ziemliches Arbeitstier ist. Zitat Frauke Ludowig: „Als Frau in einer Führungsposition kann ich zum einen viel mitgestalten und zum anderen auch vorleben. Beispielsweise, dass ich wiedergekommen bin nach der Geburt meiner Kinder, dass ich gerne wiedergekommen bin. Dass ich meine Kinder nicht vernachlässige, obwohl ich meinen Beruf nicht nur zu 100 Prozent sondern manchmal auch drüber mache. Wenn jemand nur Teilzeit arbeiten will, sollte sie oder er trotzdem Karriere machen können. Ich habe selbst gerade eine exzellente Frau in meinem Team befördert (….).“ “Ich habe von meinen Kindern eine Menge gelernt. Zum Beispiel bin ich viel lässiger geworden. Früher war ich eher perfektionistisch, fast schon ein Workaholic. Heute sehe ich vieles gelassener.“

„Penner, Prostituierte und

ein Neugeborenes“ hieß ein Blogpost über meine Freundin in Manhattan. Schonungslose Einblicke in das Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten inklusive. Vielleicht ein Einzelfall, auf jeden Fall aber ein spannender: „Schwanger in New York City“

Sauna, Sonne und Samstagssüßigkeiten

Wie in Schweden bekommen auch finnische Kinder in der Regel nur samstags Süßigkeiten. Im Urlaub hielten sich meine Söhne zwar daran, doch anschließend war diese skandinavische Eigenheit schnell vergessen. Von Freundschaften mit Mumins, vom Blaubeersammeln, Saunieren und vom finnischen Schulsystem erzählt dieser Blogpost aus dem August 2013.

Das Glück hat kein Preisschild

2013 habe ich vermehrt Bücher besprochen, die gut auf mum02 passen. Eines davon war „Kindheiten“ von Michaela Schonhöft. Ausgangspunkt des Buchs ist die Frage nach dem Glück. Sie zieht sich wie ein Leitmotiv durch die Kapitel und gipfelt in der Betrachtung, wie eine kinderfreundliche Gesellschaft aussehen könnte. Hier kann gerade Deutschland noch einiges lernen: Dass Kinder nämlich nicht nur eine Bezugsperson brauchen, sondern die Erziehung besser auf viele Schultern verteilt wird. Dass Glück nicht gleichbedeutend ist mit Leistung und Erfolg.“

Als ich kürzlich in Berlin zu Gast war, habe ich die Autorin persönlich kennengelernt – wie schön, die geistige Schöpferin hinter den Zeilen im wahren Leben zu treffen. Überhaupt haben viele Begegnungen, real und virtuell, dieses Jahr für mich bereichert. Bei Lesungen aus meinem Buch, bei  Gesprächen mit vielen Menschen – darunter diverse Bloggerinnen – habe ich wieder einmal festgestellt: Jeder Mensch hat eine faszinierende Geschichte zu erzählen. Man muss nur die richtigen Fragen stellen und aufmerksam zuhören. Darum werde ich mich auch 2014 bemühen.

Ich wünsche allen, die diese Zeilen lesen, ein gutes Neues Jahr, angefüllt mit glücklichen Augenblicken.

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Urlaubseindrücke: Mit Kindern unterwegs in Finnland

Nachdem wir gerade zwei Wochen auf Familienurlaub in Finnland waren, will ich heute ein paar meiner Eindrücke mit euch teilen. Wer mein Buch „Zwischen Karriere und Krabbelgruppe“ gelesen hat, ist bereits im ersten Kapitel meiner finnischen Freundin Petra und ihrer Familie begegnet. Sie haben wir diesen Sommer wieder besucht und ihre großartige Gastfreundschaft genossen! Mutterschaftspakete, Kindertagesstätten von 7 bis 17 Uhr und im Bedarfsfall sogar 24 h am Tag – Finnland hat einiges zu bieten für beruftstätige Eltern und ihre Kinder. Im Urlaub musste ich allerdings feststellen, dass die Kinderfreundlichkeit im Alltag auch in Finnland ihre Grenzen kennt.

Überall zu finden: Lakritze liegen die Finnen, ob süß oder salzig!

Überall zu finden: Lakritze lieben die Finnen, ob süß oder salzig!

Im Restaurant gab es nicht immer Kindergerichte, und wenn doch, war dies am Preis nicht zu spüren. Für einen Kinderteller Nudeln mit Tomatensoße bezahlten wir in einem wirklich einfachen Lokal 11,90 Euro. Überhaupt, die Preise: Ein Stück Kuchen kostet 6 bis 8 Euro, ein Hefeteilchen 3 bis 4 Euro, eine Pizza Margarita circa 15 Euro. Obwohl es unser Budget gesprengt hat, waren wir ab und zu essen. In keinem der Lokale schenkte man den Kindern besondere Aufmerksamkeit*, es gab zum Beispiel nie Malstifte oder gar einen Lolli zum Nachtisch. Letzteres mag daran liegen, dass finnische Kinder im Allgemeinen nur samstags Süßigkeiten essen sollen. Auch habe ich es unterwegs so gut wie nie erlebt, dass die Kinder angelächelt wurden – das hängt sicher mit der meist sehr zurückhaltenden Art der Finnen zusammen. Apropos ausgehen und Restaurants: In Finnland bestellt man grundsätzlich am Tresen und bezahlt auch sofort. Man bekommt dafür ein Nummernschild, das man auf seinen Tisch stellt, bis die Bestellung eintrifft. Bis wir das Konzept kapiert hatten, saßen wir zwei Mal in einer Gartenwirtschaft und dachten „Wieso beachtet uns denn niemand?“. Dann ging uns ein Licht auf…

Lesen konnten wir ja nichts, aber auf Nachfrage waren die Menschen hilfsbereit und sprachen meist auch sehr gut Englisch. Ein bißchen finnisch haben wir unterwegs auch gelernt – das ist schon toll, wenn man zu Gast in einer finnischen Familie sein darf.

Mämmi, eine finnische Dessert-Spezialität: Ein süßer Brei aus Malz und Zucker, mit Vanillesoße ganz lecker

Mämmi, eine finnische Dessert-Spezialität: Ein süßer Brei aus Malz und Zucker, mit Vanillesoße ganz lecker

*Nachtrag: an unserem letzten Abend in Helsinki landeten wir in der Obhut äußerst lustiger und freundlicher Kellner, die auch mit den Kindern viele Späße machten und ihre angestaubten Deutschkenntnisse auspackten!

Im Mumin-Theater!

Im Mumin-Theater!

Freizeit

Es gibt gerade im Sommer jede Menge Attraktionen für Kinder, Freizeitparks wie das „Muminland“ in Naantali (überhaupt, die netten Mumins bevölkern das ganze Land). Allerdings haben die Parks ihren Preis – pro Person zahlten wir für einen Tag im Muminland 25 Euro, in einem Park für etwas größere Kinder zahlen alle über 120 cm Körpergröße sogar 37 Euro Eintritt. Und die Attraktionen im Park sind zum Großteil nicht inklusive, sondern kosten extra. Die Mumins haben wir dennoch absolut ins Herz geschlossen und lesen derzeit das Buch „Geschichten aus dem Mumintal“. Und in Lahti fanden wir dank unserer Freunde einen wunderbaren Park mit Ritterburg, Spielplätzen und Verkehrsübungsplatz inklusive Fahrzeugen für die Kleinen – Eintritt frei (dafür fahren gerade kinderreiche Familien wohl extra aus Helsinki die 100 km nach Lahti).

Schule

Lustig fanden die Finnen, dass wir Deutschen soviel Geld für einen Schulranzen ausgeben! In Finnland kauft man den Kindern einen Rucksack im unteren zweistelligen Euro-Bereich. Dementsprechend wenig Aufhebens machen die Finnen auch um den Schulranzen. Petras Sohn wird am 12. August eingeschult und als wir Ende Juli zu Besuch kamen, hatten sie noch keinen Ranzen für ihn. Ich war ganz beeindruckt ob ihrer Coolness dieses wichtigen Themas gegenüber 🙂 (in Deutschland werden die zukünftigen Erstklässler ja ungefähr ab Ostern gefragt: „Hast du schon einen Schulranzen?“). Die Einschulung selbst ist kein Fest in Finnland, die Kinder gehen am ersten Montag nach den Sommerferien einfach allein in die Schule.

Übrigens habe ich später in Helsinki dann doch einige Lego-Rucksäcke entdeckt, die optisch in Richtung Schulranzen gingen und für stolze 79 Euro zu haben waren. Für Scout-Kunden aus Deutschland natürlich immer noch ein Schnäppchen! Was die Kinderbetreuung für Schulkinder angeht, gibt es auch in Finnland wohl Engpässe. Petra erzählte mir, einige Kinder bekämen keinen Platz und wären – wenn die Eltern beide berufstätig sind – schon ab der ersten Klasse am Nachmittag allein zu Hause. Denn der Unterricht endet in den ersten Klassen häufig um 11 oder 12 Uhr.

Unsere Kinder haben die Zeit mit ihren finnischen Freunden sehr genossen

Unsere Kinder haben die Zeit mit ihren finnischen Freunden sehr genossen

 

Die Finnen sind ja ein sehr naturverbundenes Volk, daher möchte ich euch meine Vogelstimmen-Erlebnisse nicht vorenthalten. An ungemütlichen Orten wie riesigen Tiefgaragen (das Zentrum Helsinkis ist quasi unterhöhlt) oder Flughafentoiletten beschallen sie die Besucher mit sanftem Vogelgezwitscher aus finnischen Wäldern. Nette Idee, oder?

P.S. Sehr angenehmer Nebeneffekt der fremden finnischen Sprache: Am Strand riefen nur meine Kinder „Mama“, alle anderen schrien „Äiti“.

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Buchverlosung auf Septembermorgen.com

mum02 geht fremd….. mit „Septembermorgen“. Auf diesem schönen Blog seht ihr hier  http://www.septembermorgen.com/x-fragen-an-mum02-buchvorstellung-zwischen-karriere-und-krabbelgruppe-verlosung/ Bilder von mir und meinem Zuhause und lest meine Antworten zu Katjas Fragen, frei nach dem Motto »Wie machen das eigentlich die anderen (Mamas)?«. Wer bis zum 3.3.13 einen Kommentar dazu auf Septembermorgen hinterlässt, hat die Chance ein Exemplar von „Zwischen Karriere und Krabbelgruppe“ zu gewinnen. Viel Spaß dabei und habt noch ein schönes Winterwochenende!

 

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Wie vereinbart ihr Kinder und Karriere? Tipps von working mums weltweit.

1. Wähle die passende Kinderbetreuung!

Denn wenn du dein Kind in guten Händen weißt, kannst du dich entspannt deinem Job widmen. Also schau dich um, bevor du eine Entscheidung triffst. So wie meine Freundin Natalia aus Birmingham: „Ich besichtigte eine Einrichtung, in der die Wände verschimmelt waren. Ein anderer Kindergarten warb mit einem „Entdeckungsraum für die Sinne“ – das war eine düstere Ecke, in der Löffel aus Metall von der Decke hingen.“

2. Vergleiche dich nicht mit Anderen!

Es ist meist eher frustrierend als hilfreich. Wenn du es schon nicht lassen kannst, such dir „Vorbilder“, die ein in deinen Augen beängstigendes Pensum bewältigen. So wie die zweifache Mama und Dozentin Raquel in Spanien: „Mein Tag an der Universität dauert häufig von 9 bis 22 Uhr. (…) Dazu arbeite ich oft nachts und am Wochenende. Das ist nicht gerade erstrebenswert, ermöglicht es mir als Mutter aber, mein Privatleben überhaupt mit meiner Vollzeitstelle zu vereinbaren. Wobei sich mein Leben ehrlich gesagt bis heute ständig anfühlt wie ein Ausnahmezustand.“

3. Hol dir Unterstützung!

Auch wenn du es nicht wahrhaben willst: Auch dein Tag hat nur 24 Stunden. Daher musst du neben Familie und Job unweigerlich Abstriche machen. Bring die Hemden zum Bügeln, engagier eine Reinemachfrau oder mach es wie manche Niederländer: „Immer mehr Familien holen sich auch Unterstützung ins Haus, anstatt die Kinder zur Kinderbetreuung zu bringen und wieder abzuholen. Dieser Lebensstil kostet zwar mehr Geld, aber weniger Nerven,“ (Sanne, 38, 3 Töchter).

4. Sei kreativ im Umgang mit deiner Zeit!

Multitasking mag ein Mythos sein, für Mütter ist es ohne Frage eine Kernkompetenz. Gewisse Tätigkeiten lassen sich scheinbar gleichzeitig erledigen: „Oft sehe ich in Mumbai Frauen im Zug Gemüse schnippeln, denn wenn sie abends nach Hause kommen, muss schnell das Essen auf dem Tisch stehen“, berichtet Simi aus Indien. Andere Kombinationen sind eher stressig: „Ich weiß noch, wie ich mit Lena am Schreibtisch saß, stillend und tippend zugleich“, erinnert sich Nicola aus New York.

Neugierig geworden? All diese kleinen Episoden stammen aus meinem Taschenbuch „Zwischen Karriere und Krabbelgruppe“, erschienen am 1.12.2012 im Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin.

288 Seiten, 9,95 EUR (D)
ISBN 978-3-86265-168-9
http://www.schwarzkopf-schwarzkopf.de

P.S. Übrigens habe ich mir schon bei der Veröffentlichung eine ganze Reihe an „ernsthaften Tipps mit Augenzwinkern“ für berufstätige Mütter ausgedacht. Ein paar Online-Magazine haben diese aufgegriffen, nachzulesen beispielsweise hier:

http://www.spielsachen.de/magazin/artikel/uebersicht/zeige/wie-sie-den-spagat-als-working-mum-ueberleben-zehn-tipps-aus-aller-welt.html

Zwischen Krabbelgruppe und Karriere: 20 berufstätige Mütter aus aller Welt

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Bundesregierung: Warum die Deutschen keine Kinder mehr wollen

Die mangelnde gesellschaftliche Anerkennung für berufstätige Mütter ist laut einer neuen Studie der Bundesregierung einer der Hauptgründe für die Unlust der Durchschnitts-Deutschen, Kinder zu bekommen. Mehr über die Ergebnisse könnt Ihr hier nachlesen:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/deutschland-studie-untersucht-gruende-fuer-sinkende-geburtenrate-a-873264.html

Dass es bei uns nicht unbedingt an monetärer Zuwendung von seitens des Staates fehlt, sondern hauptsächlich an einer kinder- und elternfreundlichen Grundeinstellung, ist nichts neues. Aber wie kann sich das ändern? Vielleicht durch bessere Vorbilder, dachte ich mir – Grund genug, ein Buch über berufstätige Mütter zu schreiben, um an konkreten Beispielen aus anderen Ländern zu zeigen: Es geht auch anders.

Astrid aus Stavanger mit Familie

Astrid aus Stavanger mit Familie

„Norwegen ist ein Land, in dem es Freude macht, Kinder zu bekommen„, erklärt Astrid aus Leipzig in „Zwischen Karriere und Krabbelgruppe“ (http://mum02.com/2012/11/30/mein-buchn/). Sie lebt seit rund 16 Jahren in Stavanger, ist mit einem Norweger verheiratet und hat zwei Kinder. In Norwegen werden nicht nur mehr Kinder geboren als in Deutschland, das Land hat auch eine der europaweit höchsten Beschäftigungsquoten von Frauen beziehungsweise Müttern. Noch ein wenig mehr von Astrid aus Norwegen: „Das norwegische System ist sehr kulant und macht es wesentlich einfacher, ein funktionierendes Familienleben zu führen, als ich das von deutschen Freunden kenne.“ Außerdem gelte Kinderkiegen in Norwegen noch als ein natürlicher Vorgang, „über den man sich freut, den man aber nicht akribisch analysiert, solange keine Beschwerden auftreten. Wer will, kann während der Schwangerschaft neben dem Hausarzt auch regelmäßig und kostenfrei eine Hebamme aufsuchen. Zum Ultraschall geht man für gewöhnlich nur einmal in neun Monaten….“

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mum02 zu Gast im Schweizer Mamablog

Der Mamablog des Schweizer Tagesanzeiger ist nach eigener Aussage der am häufigsten gelesene Blog der Schweiz. Es geht um „Kinder, Knatsch und Prosecco“ und ich habe mich sehr gefreut über die Anfrage, einen Beitrag dafür zu schreiben. Ich wollte gern einen Ländervergleich machen, aber natürlich passt ein Buch nicht in 4500 Zeichen, daher gibt es einen kleinen Eindruck aus Finnland, der Schweiz und Israel. Den Artikel findet ihr seit heute unter folgender Adresse:

http://blog.tagesanzeiger.ch/mamablog/index.php/27943/eine-reise-durch-die-welt-berufstatiger-mutter/r

Bild: Stefanie Heider

Bild: Stefanie Heider

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Working dad: Ein Papa aus Schweden packt aus

Als ich Andis Frau Ingela für mein Buchprojekt „Working Mums“ (das war der Arbeitstitel) interviewen wollte, fragte er mich umgehend: Und wer schreibt über die arbeitenden Papas? Tatsächlich wird bei uns viel geredet und geschrieben über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, im Fokus stehen dabei meist die Mütter. In Schweden ist es längst nicht mehr ungewöhnlich, dass sich Mama und Papa gleichberechtigt um Kinder und Karriere kümmern. Das war mit ein Grund für den Deutschen Andi und seine schwedische Frau, von Deutschland nach Schweden zu ziehen, als sie Eltern wurden. Die beiden haben zwei Söhne im Alter von vier und sechs Jahren.

 

Kannst du in wenigen Sätzen deinen Alltag als berufstätiger Papa beschreiben?

 

Andi: Um 6.15 klingelt der Wecker, ich gehe ins Bad und mache mich für den Tag zurecht (bei uns Männern geht das ja bekanntlich etwas schneller). Gegen 6:45 wecken wir die Kinder.

 

Dann beginnt die Aufteilung 🙂

 

Wir wechseln uns nämlich immer wieder ab, einer bringt die Kinder in den Kindergarten bzw. in die Schule, der oder die andere holt sie ab.

 

Wenn ich an dem Tag die Kinder abgebe, bereite ich ihnen ein schnelles Frühstück (der Kleine frühstückt später noch in der Kindertagesstätte, wollte der Große in der Schule frühstücken müsste er allerdings schon gegen sieben Uhr dort sein). Um 7:30 fahre ich die Kinder zur KITA bzw. zur Schule und gegen 8 Uhr treffe ich an meiner Arbeitsstelle ein.

 

Meine Frau kann derweil direkt zur Arbeit und fängt an diesen Tagen schon zwischen 7 und 7:30 an zu arbeiten. Dafür verlässt sie das Büro gegen 16 Uhr und holt die Kinder ab. Ich arbeite derweil noch etwas länger und bin aber spätestens um 17:30 ebenfalls zu Hause.

 

Fürs Kochen ist immer der zuständig, der die Kinder abholt und daher als erstes nach Hause kommt. Kurz nach 19 Uhr bringen wir die Kinder zu Bett. Vorher gibt es natürlich eine Gute-Nacht-Geschichte, meine Frau liest auf schwedisch vor, ich auf deutsch. Auch dabei wechseln wir uns ab. Zwischen 19:30 und 20:00 herrscht dann Ruhe im Haus, die Kinder schlafen und uns bleibt Zeit füreinander oder für Hobbys. Es kann sein, dass ich mich auf mein Mountainbike setze und noch eine Stunde Rad fahre. Auch am Haus gibt es immer etwas zu basteln und zu reparieren für mich. Oder wir schauen uns gemütlich einen Film an. Manchmal treffe ich auch noch ein paar Kumpels auf ein Bier in der Stadt.


Was könnten Deutsche in punkto Vereinbarkeit von Kind und Karriere von Schweden lernen?

 

Andi: Viele Firmen in Deutschland müssen realisieren, dass Eltern generell – aber vor allem auch Väter – zwei Rollen haben, Karriere UND Familie. Papa muss also genauso um 16 Uhr nach Hause gehen dürfen wie Mama. Als Arbeitnehmer bekommt man in Deutschland doch häufig ein schlechtes Gewissen vermittelt (ob direkt oder indirekt), wenn man drei Mal die Woche früher geht, um die Kinder abzuholen. Daher trauen sich viele nicht. Bei Müttern wird das schon eher akzeptiert, auch wenn es für sie ebenfalls sehr schwierig ist, alles unter einen Hut zu bekommen.

 

Ich denke ein Riesenvorteil bei mir und meiner Frau ist, das wir beide die Möglichkeit haben und dadurch sehr viel flexibler sind. Es kommt immer wieder vor, dass wir uns anrufen: „Du, ich hab ein Meeting reinbekommen, kannst du heute die Kids abholen, dann hol ich sie dafür morgen ab?“ Dazu gehört allerdings selbstverständlich, dass wir im Gegenzug abends ab und zu weiterarbeiten müssen, im Home Office. Das gilt auch, wenn eines der Kinder mal krank ist – wenn wir viel zu tun haben, arbeiten wir dann eben abwechselnd von zu Hause aus.

 

Ich hab in meinen sieben Jahren in Schweden noch nie einen seltsamen Blick oder Kommentar von meinen Chefs mitbekommen, wenn ich sagte ich müsse jetzt gehen um die Kinder abzuholen! Meiner Meinung nach sollten die Firmen daher ein Vorbild sein, dann trauen sich auch mehr Daddys, ihre Rolle aktiver zu leben.

 

 
Wenn du in mütterlichen Domänen auftauchst (auf dem Spielplatz, in der Krabbelgruppe, beim Kinderarzt, etc.) – wie fühlst du dich dabei, wie begegnet man dir?

 

Andi: Es gibt hier keine mütterliche Domäne, wirklich, also auf dem Spielplatz oder in der Krabbelgruppe sind genauso viele Paps wie Mamas. Generell ist das wirklich völlig normal in Schweden, Papas mit Kinderwagen oder auf dem Spieli zu sehen, da wundert sich niemand.


Wird zu wenig über engagierte Papas geschrieben und gesprochen, kommst du dir bei der ganzen Diskussion um berufstätige Mütter manchmal vernachlässigt vor?

 

Andi: Nein, die Diskussion ist hier nicht so wild. Vermutlich, weil die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für beide Elternteile in Schweden bereits selbstverständlicher ist. Was hier gerade ziemlich intensiv diskutiert wird ist das Thema Frauenquoten in Führungspositionen, meiner Einschätzung nach wird das zu stark in den Vordergrund gerückt.


Gemeinsam mit deiner Frau teilst du dir die Kindererziehung, das klingt richtig gut. Welche Tipps hast du für Paare, die sich ebenfalls mehr Gleichberechtigung in punkto Kinder & Karriere wünschen?


Andi: Bei Angestellten muss der Chef mitspielen, siehe Frage 2! Wenn die Firma mitmacht und man nicht das Gefühl haben muss, seine Karriere zu gefährden, dann klappt die Gleichberechtigung ganz von selbst. Vorausgesetzt, Mann und Frau haben die Ambition, sich gleichberechtigt einzubringen. Der Staat kann mithelfen, aber aus meiner Sicht müssen vor allem die Firmen verstehen, dass sie trotzdem leistungsbereite Arbeitnehmer bekommen. Es funktioniert wirklich, wenn sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber nur flexibler agieren!!


Andi, vielen Dank für die Einblicke in euer Leben in Schweden!

 

P.S.  Liebe Leserinnen und Leser, falls ihr euch über meine Schreibpause gewundert habt: Die Buchdiät war erfolgreich, mein Regal sieht wieder wunderbar geordnet aus und da ist wieder Luft für neue Bücher. Dennoch kam ich nicht zum bloggen, da mich der Feinschliff vor der Buchveröffentlichung (am 1.12. ist es soweit) ganz schön beschäftigt habt.

 

 

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Frauenquote

„Seien Sie kreativ, sonst werden wir kreativ sein“ rief Angela Merkel diese Woche Vertretern deutscher Wirtschaftsverbände zu. Die Angesprochen werden höflich genickt haben, größtenteils aber innerlich den Kopf schütteln. Eine von Ursula von der Leyen vorgeschlagene Quote für mehr Frauen in Führungspositionen lehnt die Kanzlerin ab und setzt auf freiwillige Initiativen der Wirtschaft. Ich befürchte ihr Aufruf wird in absehbarer Zeit wenig erreichen.

In Deutschland gibt es genügend hochqualifizierte Frauen für Jobs in Top-Positionen. Bloß kommen die wenigsten ran an diese Stellen.  Denn der Weg dorthin führt klassischerweise nach wie vor über Präsenz – sprich abends als Letzte(r) gehen, Netzwerke knüpfen und Seilschaften bilden. Wer auf familienfreundliche Arbeitszeiten oder Telearbeit pocht, kann einpacken.

Diese Art zu denken wird sich erst ändern, wenn mehr Männer Privatleben und Familie einen zeitlich gewichtigeren Stellenwert einräumen. Es gibt die Paare mit Kindern, in denen beide Partner 70 oder 80% arbeiten und sich die Erziehung der Kinder und das Familienmanagement teilen. Ich bin selbst die eine Hälfte eines solchen Paares. Doch es gibt noch zu wenige Elternpaare, die gleichberechtigt Job und Leben teilen. Erst wenn ihre Zahl zunimmt und hochqualifizierte Frauen sich nicht mehr zwischen Kind und Karriere entscheiden müssen, sondern selbstverständlich beides leben können, werden viele Firmen umdenken und umdenken müssen. Und dann brauchen wir tatsächlich keine Quote.

Der Blick über den Tellerrand zeigt, dass es auch anders geht. Zum Beispiel in Skandinavien. Vergangenes Jahr organisierte ich eine Veranstaltung mit der AHK in Stockholm. Mit absoluter Selbstverständlichkeit blieben dort – weibliche wie auch männliche – Führungskräfte zu Hause, weil ihr Kind krank war. Das passiert nun in Deutschland auch, aber der faszinierende Unterschied: in Schweden hatten die Menschen kein schlechtes Gewissen, und mussten sich nicht rechtfertigen. Familie hat dort einfach Priorität. Vorige Woche ging übrigens durch die Presse, das Nato-Generalsektretär Anders Rasmussen ein internationales Treffen absagte, weil er sich um seine erkrankte Tochter kümmerte. Ich würde mir wünschen, dass man darüber in Deutschland bald nicht mehr den Kopf schüttelt.

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