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USA versus Germany: Warum ein Land ohne bezahlten Mutterschutz kinderfreundlicher

Autorinnentrio zu Gast in der US Embassy Berlin: Michaela Schonhöft, Maya Dähne, Peggy Wandel

Autorinnentrio zu Gast in der US Embassy Berlin: Michaela Schonhöft, Maya Dähne, Peggy Wandel

ist als das von „Mutti“

Diese Woche war ich mit Maya Dähne und Michaela Schonhöft eingeladen zu einer deutsch-amerikanischen Diskussionsrunde. Der ehrgeizige Titel der Veranstaltung lautete:

„Balancing Family and Career Amidst Demographic Change:

Culture, Public Policy, Gender Roles, and Economics—An International Comparison

With Michaela Schonhöft, Peggy Wandel, and Maya Dähne

Authors of the books Childhoods (Kindheiten), Between Career and Playgroup (Zwischen Karriere and Krabbelgruppe), and

Desperately Seeking Daycare (Deutschland sucht den Krippenplatz)“

Veranstalter war die Wirtschaftssektion der US-Botschaft in Berlin. Mit deutschen und US-amerikanischen Botschaftsangehörigen, Gästen aus Ministerien und der Presse sprachen wir über internationale Erfahrungen und deutsche sowie US-amerikanische Eigenheiten. Kleine Erkenntnis am Rande: Die US-Amerikaner, vor allem die anwesenden berufstätigen Mütter, halten es für ein freiheitliches Grundrecht, am Sonntag ihre Einkäufe erledigen zu können, während wir Deutschen den Ladenschluss am Sonntag mehrheitlich verteidigen als letzte „Bastion im Angesicht des totalen Kapitalismus“.

Die Hauptfrage jedoch war: Wie lassen sich Beruf und Familie für Mütter und Väter besser vereinbaren und warum scheint dies in Deutschland schwieriger als in den USA, trotz großzügiger staatlicher Unterstützung? Was deutsche Eltern hierzulande erhalten, macht die US-Amerikaner neidisch. Dennoch zählt Deutschland zu den Schlusslichtern auf der Geburtenstatistik. Blickt man in die USA, gibt es weder den bezahlten Mutterschutz (abgesehen von wenigen progressiven Staaten wie Kalifornien), noch Elterngeld, Kindergeld oder sonstige Anreize. Dafür gibt es: Kinder. Die sind zwar Privatsache, gehören zum Leben in den USA aber ganz einfach dazu und werden nicht als Störfaktor oder Problem wahrgenommen.

Maya Dähne schilderte den Kontrast aus eigener Erfahrung: Sie arbeitete jahrelang in Washington D.C., wo auch ihre beiden Kinder zur Welt kamen. Bei der Rückkehr nach Deutschland freute sie sich auf „das ultimate Paradies für Eltern und Kinder“ – auf all die staatlichen Vergünstigungen und das weiche soziale Kissen. Wenige Wochen später war sie jedoch eher frustriert – in den USA hatte man sie als Schwangere und Mutter behandelt wie die „Queen of hearts“, in Berlin stand sie nicht nur einmal bepackt mit Windelkarton, Kleinkind und Kinderwagen am U-Bahnschaft und niemand machte Anstalten, ihr die Treppe hinauf oder hinunter zu helfen. Die neuen Nachbarn beschwerten sich über die Ruhestörung und der Betreuungsdschungel entpuppte sich als Nahkampfzone.

Natürlich sind die USA objektiv alles andere als ein Paradies für Familien mit Kindern. Viele US-Bürger sind auf mehrere Jobs angewiesen, um ihre Familie zu ernähren und die Kosten für die Kinderbetreuung aufzubringen – leider auch in Deutschland keine Seltenheit mehr. In einer Rede an die Nation sprach Präsident Obama sich Ende Januar 2014 für eine bessere Vereinbarkeit und Bezahlung für Frauen aus: “ A woman deserves equal pay for equal work. (…) She deserves to have a baby without sacrificing her job. A mother deserves a day off for a sick child or sick parent without running into hardship – and you know what, a father does, too. It’s time to do away with workplace policies that belong in a  „Mad Men“ episode.  (…) Because I firmly believe when women succeed, America succeeds.“

Die Fernsehserie „Mad Men“, auf die Obama anspielt, handelt in den 1960er Jahren. Tatsächlich sind die tradierten Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten ein Hauptgrund, weshalb es mit der Vereinbarkeit hapert – in den USA wie in Deutschland. Daher kam immer wieder das „skandinavische Modell“ zur Sprache. Dort kann man ansatzweise eine neue Zeitkultur erleben. Ein früher Feierabend ist die Regel, Ingela aus Schweden erzählte mir zum Beispiel „Wer bei uns um 17 Uhr noch im Büro sitzt, wird schon mal vom Chef gefragt, ob zu Hause alles in Ordnung ist“. Ist ein Kind krank, bleiben Vater und Mutter abwechselnd zu Hause – ohne schlechtes Gewissen, denn die Familie hat Prioriät. Aus Deutschland kenne ich eher die Sprüche à la „Hast du heute einen halben Tag Urlaub?“ oder „Ich hätte nachmittags auch gerne frei“, wenn man das Büro schon gegen 16 Uhr  verlässt. Das skandinavische Konzept lässt sich sicher nicht komplett auf andere Länder übertragen, doch die zugrundeliegende Mentalität würde ich mir wünschen.

Es gibt hierzulande immer mehr Väter, die Zeit mit ihren Kindern einfordern und dafür beruflich kürzer treten (wollen). Zudem legen viele junge Absolventen und Absolventinnen schon beim Berufseinstieg mehr Wert auf Freizeit und eine gute Balance. Arbeit könnte dadurch einen neuen Stellenwert bekommen – indem wir arbeiten um zu leben anstatt zu leben um zu arbeiten. In Norwegen zum Beispiel gilt es als Faux-pas, ein Meeting nach 16 Uhr anzuberaumen – der Feierabend gehört der Familie oder Hobbys und wird eingehalten. Beim Smalltalk in Deutschland und in den USA fragen wir zuerst „Was machen Sie beruflich?“. Ein Norweger wird eher wissen wollen „Was hast du am Wochenende erlebt?“. Es wäre schön, wenn wir uns davon etwas abschauen könnten. Denn Kinderbetreuung von früh bis spät, damit zukünftig Mütter und Väter 37,5 h oder mehr pro Woche arbeiten können, das kann nicht die Lösung sein – auch wenn es angesichts des demographischen Wandels einleuchtend klingen mag.

 

 

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Schwanger in New York: Penner, Prostituierte und ein Neugeborenes

Kinderkriegen in New York vs. Deutschland: Sarah erzählt

Kinderkriegen in New York vs. Deutschland: Sarah erzählt bei mum02 darüber

 

Eine deutsche Freundin von mir hat ihr erstes Kind bekommen – nicht in Deutschland, sondern mitten im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, in New York City, Lower Manhattan. Was sie darüber erzählt, zeigt mir mal wieder, dass wir hierzulande sehr gut versorgt sind. Auch als ganz normale Kassenpatientin. Denn unbegrenzte Möglichkeiten können manchmal grenzenlos unheimlich sein. Oder wie Sarah sagt „New York ist nichts für Weicheier“. 

Die Geburt

Sarah*: „Insgesamt dauerten Wehen und Geburt 35 Stunden, ohne Pause. Zuerst waren wir lang daheim. Als die Wehen immer heftiger wurden, marschierten mein Mann und ich zu Fuß ins vier Minuten entfernte Krankenhaus. Dort bekam ich eine PDA, die sie für drei Stunden haben wirken lassen. Das war herrlich. Aber da ich dann keine richtigen Wehen mehr hatte, haben sie sie wieder abgestellt und die „push phase“ ging dann unbetäubt über fast vier Stunden, so dass ich am Schluss echt gedanklich mit dem Leben abgeschlossen hatte. Ich habe noch nie so was Anstrengendes hinter mich gebracht. Leider hab ich auch viel Blut verloren, so dass ich danach ziemlich blass und wackelig war. Und da sie mich und unser Baby nach 24 Stunden schon heimgeschickt haben, „wurschtelten“ mein Mann und ich uns fortan so durch.“

Nightmare im Emergency Room: Penner, Verbrecher, Prostituierte und ein Neugeborenes

Sarah: „Ich habe einen fiesen Dammschnitt bekommen, der mir sehr zu schaffen machte. Einen Tag nach der Entlassung aus dem Krankenhaus ist er zum ersten Mal wieder aufgeplatzt. Zu Fuß eilten wir – ich im Schlafanzug – in den Emergency room (das Krankenhaus liegt nur vier Gehminuten entfernt). Es war erneut eine Grenzerfahrung. Wir sind um 22 Uhr dort eingelaufen und kamen erst morgens um 2 Uhr wieder raus! Warum? Weil sich die Abteilungen des Krankenhauses nicht absprechen und man uns „vergessen“ hatte. Die vier Stunden werden mir nicht nur aufgrund meiner irren Schmerzen, sondern vor allem aufgrund der Gesellschaft dort, immer im Gedächtnis bleiben. Wir teilten die dreckigen Räumlichkeiten mit einem betrunkener Penner, den sie zur Ausnüchterung auf einer Pritsche festgebunden hatten und der dauernd schrie, weil ihm das nicht passte. Auf der anderen Seite lag ein Verbrecher in Handschellen, bewacht von zwei Polizisten mit Knarre im Anschlag, der zusammengeflickt wurde. Dazu kamen zwei verprügelte Prostituierte, die sich gegenseitig die ganze Zeit angeschrien haben. Dazwischen mein Mann, unser zwei Tage altes Baby und ich mit meinen Schmerzen. Wahrscheinlich hätte auch ich viel lauter schreien sollen. Endlich wurde ich dann genäht. Das tat scheusslich weh und mir war hinterher einfach nur schlecht. New York ist bestimmt kein Platz fuer Weicheier… “

Krankenkasse und finanzielle Unterstützung? Mager…

Sarah: „Wir bekommen, anders als in Deutschland, keinerlei staatliche Unterstützung. Lediglich eine minimale Steuererleichterung. Diese wird aber mehr als aufgefressen, weil nun die Krankenversicherung für eine Familie und nicht mehr für ein verheiratetes Paar berechnet wird…  Die Krankenkassenleistungen sind auch eher bescheiden, ein Selbstbehalt selbstverständlich. Beispielsweise für:

  • Geburt & Emergeny Room: $ 1000 Selbstbeteiligung
  • Akupunktur / Chiropraktiker: $ 800, komplett selbst bezahlt, wird nicht unterstützt
  • Private Hebamme für Geburtsbegleitung: $ 2000 plus Zusatzdienstleistungen nach der Geburt
  • Medikamente nach der Geburt: $ 100, alles Selbstzahler“

Hebammenbetreuung und Mutterschutz – ein Luxus

Sarah: „Eine Hebammenbetreuung gibt es nicht. Allerdings kenne ich eine deutsche Hebamme hier, die schon zu uns nach Hause kam und Hilfestellung gegeben hat. Das kostet dann aber 80$ pro Stunde. Es ist schon herrlich, was Deutschland diesbezüglich alles bietet. Aus meiner momentan Sicht das reinste Schlaraffenland. Trotzdem bekommen die Amis Kinder wie die Verrückten. Und die Deutschen heulen dagegen oft, wie schlecht alles ist. Schade. Ich habe durch die Zeit in New York wirklich eine hohe Wertschätzung entwickelt für vieles in der alten Heimat. Es ist nicht alles super, aber vieles wirklich sehr gut. Der deutsche Mutterschutz zum Beispiel. Eine gesetzliche Regelung gibt es hier in den USA nicht wirklich, man arbeitet bis zur Geburt und anschließend durfte ich gerade mal einen Monat zu Hause bleiben.“

* Den Vornamen haben wir geändert.

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Sommerferien: Eine organisatorische Herausforderung für berufstätige Eltern

Komme gerade von einem Lunchdate mit einer anderen working mum. Sprachen über die nahenden Sommerferien (ihre Tochter geht in die Grundschule, der Sohn wird nach den Ferien eingeschult). Als in Vollzeit arbeitende Mama hat sie diese bereits generalstabsmäßig geplant:

Woche 1 und 2: Sind die Kinder beim Kinderferienprogramm eines Umweltbildungszentrums angemeldet, zum Ganztagesprogramm bis max. 17 Uhr. Die Kids freuen sich darauf wie verrückt, die Eltern kostet der Spaß pro Kind und Woche 120 Euro.

Ferien - schön, wenn man sie genießen kann!

Ferien – schön, wenn man sie genießen kann!

Woche 3 und 4: Familienurlaub – mit dem Auto nach Berlin zu den Großeltern, von dort mit dem Flieger in den zweiwöchigen Urlaub.

Woche 5: Die Eltern fahren ins Schwabenland zurück und arbeiten, die Kinder bleiben noch eine Woche bei den Großeltern in Berlin.

Woche 6: Die Kinderübergabe erfolgt irgendwo zwischen Reutlingen und Berlin (so fahren Großeltern und Eltern die halbe Strecke und treffen sich in der Mitte). Den Rest der Woche verbringen die Kinder wieder beim Kinderferienprogramm (siehe Woche 1).

„Puh, und dann sind diese sechs Wochen wieder überstanden“, so meine Freundin. „Obwohl, ich nehme dann noch eine Woche Urlaub für die Einschulung meines Sohnes, die ist erst donnerstags und in der Woche gibt es kein Ferienprogramm mehr und noch keine Betreuung an der Schule.“

Ein kleiner Trost: US-amerikanische Eltern haben es womöglich noch schwerer mit der Weiterlesen

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