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Kreativ: Verwandle die Welt um dich herum

Nur du allein hast die Macht, den Ort, an dem du lebst, zu einem wunderschönen Ort zu machen.

(frei nach „Die Kunst, ein kreatives Leben zu führen“, F. Bednarz)

„Was heißt kreativ für dich?“ habe ich im letzten Blogbeitrag gefragt. Zwei Antworten teile ich hier mit euch. Von beeindruckenden Frauen, die ich schon lange kenne; die eine live und in Farbe, die andere aufgrund der weiten Entfernung aus vielen wunderbaren E-Mails.

Jule von den Patentanten ist Designerin und hat ein unglaubliches Händchen für schöne Dinge. Rebecca, besser bekannt als selbsternannte Mittelmaßmama, hält ihre Weltsicht in treffenden Karikaturen fest. Vielen Dank euch beiden für eure spontanen Antworten!

„Was heißt kreativ für dich?“

Rebecca:

2 Cartoon für Peggy.22.2015

Jule: Kreativität für mich ist dieses Gefühl, wenn mein Tun aus dem Bauch heraus passiert.

Wenn ich dieses fließende Gefühl in mir spüre aus dem eine fast unaufhaltsame Handlung folgt.

Spontanität gehört dazu & es geht einfach, egal um was es geht.

Ein schöpferischer Vorgang, der nicht festgelegt ist auf einen bestimmten Bereich.

Es kann sich um Kleidung drehen, um Räume, um die Gestaltung eines Events, gleich ob im Kleinen oder im Großen.

Kreativität ist, wenn unterschiedliche Puzzlestücke sich zu einem großen Ganzen fügen & ein harmonisches Bild ergeben.

Wenn meine Kreativität in der Welt, mit den Menschen zu einer runden Sache wird, macht mich das sehr zufrieden & glücklich.

Kreativität ist bereichernd, das zeigen diese beiden ganz persönlichen Blickwinkel. Vielen herzliche Dank euch! Ich freue mich über weitere Stimmen und Kommentare und wünsche allen, die diese Zeilen lesen, glückliche Stunden und Tage. Nutzt eure Macht und macht den Ort, an dem ihr seid, zu einem wunderbaren Freiraum.

 

 

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USA versus Germany: Warum ein Land ohne bezahlten Mutterschutz kinderfreundlicher

Autorinnentrio zu Gast in der US Embassy Berlin: Michaela Schonhöft, Maya Dähne, Peggy Wandel

Autorinnentrio zu Gast in der US Embassy Berlin: Michaela Schonhöft, Maya Dähne, Peggy Wandel

ist als das von „Mutti“

Diese Woche war ich mit Maya Dähne und Michaela Schonhöft eingeladen zu einer deutsch-amerikanischen Diskussionsrunde. Der ehrgeizige Titel der Veranstaltung lautete:

„Balancing Family and Career Amidst Demographic Change:

Culture, Public Policy, Gender Roles, and Economics—An International Comparison

With Michaela Schonhöft, Peggy Wandel, and Maya Dähne

Authors of the books Childhoods (Kindheiten), Between Career and Playgroup (Zwischen Karriere and Krabbelgruppe), and

Desperately Seeking Daycare (Deutschland sucht den Krippenplatz)“

Veranstalter war die Wirtschaftssektion der US-Botschaft in Berlin. Mit deutschen und US-amerikanischen Botschaftsangehörigen, Gästen aus Ministerien und der Presse sprachen wir über internationale Erfahrungen und deutsche sowie US-amerikanische Eigenheiten. Kleine Erkenntnis am Rande: Die US-Amerikaner, vor allem die anwesenden berufstätigen Mütter, halten es für ein freiheitliches Grundrecht, am Sonntag ihre Einkäufe erledigen zu können, während wir Deutschen den Ladenschluss am Sonntag mehrheitlich verteidigen als letzte „Bastion im Angesicht des totalen Kapitalismus“.

Die Hauptfrage jedoch war: Wie lassen sich Beruf und Familie für Mütter und Väter besser vereinbaren und warum scheint dies in Deutschland schwieriger als in den USA, trotz großzügiger staatlicher Unterstützung? Was deutsche Eltern hierzulande erhalten, macht die US-Amerikaner neidisch. Dennoch zählt Deutschland zu den Schlusslichtern auf der Geburtenstatistik. Blickt man in die USA, gibt es weder den bezahlten Mutterschutz (abgesehen von wenigen progressiven Staaten wie Kalifornien), noch Elterngeld, Kindergeld oder sonstige Anreize. Dafür gibt es: Kinder. Die sind zwar Privatsache, gehören zum Leben in den USA aber ganz einfach dazu und werden nicht als Störfaktor oder Problem wahrgenommen.

Maya Dähne schilderte den Kontrast aus eigener Erfahrung: Sie arbeitete jahrelang in Washington D.C., wo auch ihre beiden Kinder zur Welt kamen. Bei der Rückkehr nach Deutschland freute sie sich auf „das ultimate Paradies für Eltern und Kinder“ – auf all die staatlichen Vergünstigungen und das weiche soziale Kissen. Wenige Wochen später war sie jedoch eher frustriert – in den USA hatte man sie als Schwangere und Mutter behandelt wie die „Queen of hearts“, in Berlin stand sie nicht nur einmal bepackt mit Windelkarton, Kleinkind und Kinderwagen am U-Bahnschaft und niemand machte Anstalten, ihr die Treppe hinauf oder hinunter zu helfen. Die neuen Nachbarn beschwerten sich über die Ruhestörung und der Betreuungsdschungel entpuppte sich als Nahkampfzone.

Natürlich sind die USA objektiv alles andere als ein Paradies für Familien mit Kindern. Viele US-Bürger sind auf mehrere Jobs angewiesen, um ihre Familie zu ernähren und die Kosten für die Kinderbetreuung aufzubringen – leider auch in Deutschland keine Seltenheit mehr. In einer Rede an die Nation sprach Präsident Obama sich Ende Januar 2014 für eine bessere Vereinbarkeit und Bezahlung für Frauen aus: “ A woman deserves equal pay for equal work. (…) She deserves to have a baby without sacrificing her job. A mother deserves a day off for a sick child or sick parent without running into hardship – and you know what, a father does, too. It’s time to do away with workplace policies that belong in a  „Mad Men“ episode.  (…) Because I firmly believe when women succeed, America succeeds.“

Die Fernsehserie „Mad Men“, auf die Obama anspielt, handelt in den 1960er Jahren. Tatsächlich sind die tradierten Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten ein Hauptgrund, weshalb es mit der Vereinbarkeit hapert – in den USA wie in Deutschland. Daher kam immer wieder das „skandinavische Modell“ zur Sprache. Dort kann man ansatzweise eine neue Zeitkultur erleben. Ein früher Feierabend ist die Regel, Ingela aus Schweden erzählte mir zum Beispiel „Wer bei uns um 17 Uhr noch im Büro sitzt, wird schon mal vom Chef gefragt, ob zu Hause alles in Ordnung ist“. Ist ein Kind krank, bleiben Vater und Mutter abwechselnd zu Hause – ohne schlechtes Gewissen, denn die Familie hat Prioriät. Aus Deutschland kenne ich eher die Sprüche à la „Hast du heute einen halben Tag Urlaub?“ oder „Ich hätte nachmittags auch gerne frei“, wenn man das Büro schon gegen 16 Uhr  verlässt. Das skandinavische Konzept lässt sich sicher nicht komplett auf andere Länder übertragen, doch die zugrundeliegende Mentalität würde ich mir wünschen.

Es gibt hierzulande immer mehr Väter, die Zeit mit ihren Kindern einfordern und dafür beruflich kürzer treten (wollen). Zudem legen viele junge Absolventen und Absolventinnen schon beim Berufseinstieg mehr Wert auf Freizeit und eine gute Balance. Arbeit könnte dadurch einen neuen Stellenwert bekommen – indem wir arbeiten um zu leben anstatt zu leben um zu arbeiten. In Norwegen zum Beispiel gilt es als Faux-pas, ein Meeting nach 16 Uhr anzuberaumen – der Feierabend gehört der Familie oder Hobbys und wird eingehalten. Beim Smalltalk in Deutschland und in den USA fragen wir zuerst „Was machen Sie beruflich?“. Ein Norweger wird eher wissen wollen „Was hast du am Wochenende erlebt?“. Es wäre schön, wenn wir uns davon etwas abschauen könnten. Denn Kinderbetreuung von früh bis spät, damit zukünftig Mütter und Väter 37,5 h oder mehr pro Woche arbeiten können, das kann nicht die Lösung sein – auch wenn es angesichts des demographischen Wandels einleuchtend klingen mag.

 

 

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Working Mum: Get dressed in full Armani Armour

Before heading off to the client presentation, I got dressed in full Armani Armour“, verkündet Kate Reddy, die Heldin aus Allison Pearsons Bestseller „I don’t know how she does it“*, zu deutsch “Der ganz normale Wahnsinn: Working Mum”.
„Armani armour“. Eine funkelnde Rüstung für den Kampf;  gepaart mit High-Heels und einer Menge zahlengetränkter Powerpoint-Folien zieht die Finanzmanagerin und zweifache Mum Kate so in die Meetings in London und New York City. Dieser Satz hat mich beschäftigt. „Kleider machen Leute“ – ihr kennt vielleicht die Geschichte vom Schneiderlehrling Wenzel, der in Gottfried Kellers Novelle für einen polnischen Grafen gehalten wird und die unverhoffte Situation ausnutzt.

 

Ich gehöre zu den Menschen, die ihre Garderobe je nach Anlass bedacht auswählen. Dazu gehört NICHT der Ausflug auf den Spielplatz, ich meine wirklich: Anlässe. Meiner Meinung nach gibt es Situationen, in denen wir uns nicht allein auf unsere inneren Werte verlassen dürfen. Sondern bei denen der erste Eindruck überzeugen muss. Visuell. Wenn ich ein Konzert moderiere, suche ich Kleider aus, die zum Programm und zu mir passen. Bei meinen ersten vier Lesungen im vergangenen Jahr trug ich das exakt selbe Outfit – bis ich mich sicher genug fühlte, um zu experimentieren.
Dabei braucht es kein Armani, nicht für mich. Doch es gibt diese Outfits, in denen wir uns gut und stark fühlen und die wir immer wieder in genau derselben Zusammenstellung aus dem Schrank ziehen.
Kennt ihr das Gefühl? Wie kleidet ihr euch für wichtige Ereignisse?

Als studierte Betriebswirtin dachte ich ja vor Jahren noch, unbedingt einen schwarzen Anzug zu brauchen. Bei Zinser, ehemals Breuninger, probierte ich fünf verschiedene an bis die Verkäuferin zu mir sagte. „Was halten Sie denn von diesem sportiven, schwarzen Kleid? Wissen Sie, Sie scheinen mir einfach nicht der Typ für einen schwarzen Anzug zu sein“. Ich sah sie erstaunt an. Und nahm schließlich das Kleid und den Anzug. Bald sah ich ein, dass die Frau recht gehabt hatte. Der schwarze Anzug hängt im Schrank. Zu förmlich für mich.
Auf der Suche nach dem eigenen Stil lande ich immer mal wieder in einer Sackgasse. Doch ich behaupte, die Liste der Fehlkäufe wird kürzer. Und es gibt schon immer Farben und Muster, um die ich einen großen Bogen mache. Die universelle „Armani Armour“, mit der ich mich in exponierten Lebenslagen gerüstet fühle? Wenn es sie gibt, wartet sie noch auf mich, irgendwo da draußen.

*BUCHTIPP Allison Pearsons Bestseller „I don’t know how she does it“: Das Buch erschien bereits vor zehn Jahren und wurde mit Sarah Jessica Parker in der Hauptrolle der „Working mum“ verfilmt. Das Audiobuch verkürzte mir in den vergangenen Wochen Stunden im Stau auf dem Weg zu einem Kunden. Absolut großartiger Stoff. Kate Reddy lebt gleichzeitig auf zwei „Planeten“, was unweigerlich desaströse Folgen hat: Zum einen ist sie als talentierte Finanzmanagerin in der Londoner City rund um die Uhr im Einsatz. Zum anderen ist sie Mutter von Emily (5) und Ben (1) und verheiratet mit Richard, wohlmeinender Ehemann und mäßig erfolgreicher Architekt. In den Nebenrollen treten auf: Sexistische Kollegen, der verführerische Kunde, das erpresserische aber lebensnotwendige Kindermädchen, die nervigen Schwiegereltern, ein als Taxifahrer verkleideter Philosoph sowie Kates sehr großes schlechtes Gewissen zusammen mit ihrer endlosen mentalen To Do Liste. Und viele mehr. Also solltet ihr das Buch noch nicht kennen, lest oder hört es – es ist lustig und traurig und überzogen und dennoch wahr.

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Working mum in Africa – ein Zugbekanntschaft

Eine Frau in Afrika kann tun, was sie will. Meiner Meinung nach kommt es nicht auf die gesellschaftlichen Vorgaben an, sondern allein darauf, was eine Frau und Mutter erreichen möchte,“ so Isi. Die 32-jährige Afrikanerin lebt mit Mann und zwei Kleinkindern an der Elfenbeinküste und arbeitet an ihrem Doktor in Geologie. Haushalt und Kinderbetreuung übernimmt eine Nanny, die sie mit 35 Euro im Monat anscheinend durchschnittlich bezahlt. Sie sagt: „Manchmal verstehe ich euch Deutsche nicht. Ich kenne so viele Afrikaner, die alles dafür tun würden, um einen deutschen Pass zu haben. Aber ihr wisst nicht zu schätzen, was ihr habt.“

Bild: pixelio, Thorben Wengert "Nachrichten"

Bild: pixelio, Thorben Wengert „Nachrichten“

Wer ab und zu ICE fährt, kennt die Wagenstandsanzeiger am Bahnsteig. Auf meiner letzten Fahrt mit der Deutschen Bahn hatten sie die Wagen des ICE in der umgekehrten Reihenfolge angehängt, ein Wagen fehlte ganz. Chaos am Bahnsteig und im rollenden Zug war inklusive. Mittendrin traf ich Isi, eine an der Elfenbeinküste lebende Nigerianerin, die just eine Reihe hinter mir einen Platz im Wagen Nummer zwei reserviert hatte. Ich nahm sie mit ihren riesigen gelben Lidl-Tragetaschen ins Schlepptau und wir fanden schließlich im völlig überfüllten Zug (es war Freitagabend) unsere Plätze. Unser Gespräch über Vorurteile und Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat mich nachdenklich gemacht.

Isi: „Meiner Meinung nach kann eine gebildete Frau in Afrika alles erreichen, sie braucht sich keinen gesellschaftlichen Konventionen beugen. Nimm mich zum Beispiel. Vor zwei Jahren habe ich mit meinen Kindern (2,5 und 1 Jahr alt) hier in Deutschland studiert und bin gut zurrecht gekommen mit finanzieller Unterstützung meines Mannes. Vier Monate lebte er hier bei uns und nahm mir alles ab: Er kaufte ein, putzte, wickelte die Kinder, kümmerte sich um sie. Zurück in Afrika verzieht er sich wieder hinter seine Zeitung. Als ich ihn darauf ansprach, meinte er: „wir haben hier ja Personal, warum soll ich da die Kinder wickeln“. Und er hat ja recht, ich selbst gebe auch den Großteil der Arbeit an unsere Nanny ab. Sie kostet uns keine 50 Dollar im Monat, wohnt unter unserem Dach und kümmert sich um Haushalt und Kinder.

Hier wurde ich stutzig. Einerseits freue ich mich mit Isi für ihre idealen Ausgangsbedingungen. Andererseits ist mir die Vorstellung unerträglich, die „soziale Schere“ würde sich auch bei uns so weit öffnen, dass Normalbürger Hausangestellte aus der „Portokasse“ bezahlen können.

Isi: Momentan arbeite ich an meinem Doktortitel in Afrika. Hier in Deutschland bin ich lediglich für ein zweiwöchiges Seminar, solange passen Verwandte in Afrika auf meine Kinder auf. Meine Lage zu Hause an der Elfenbeinküste ist heute recht entspannt, vor allem dank einer günstigen Haushalftshilfe. Ich habe auch Freundinnen in Madagaskar und Burundi, berufstätige Mütter mit Nannys, die sich um Wäsche, Haushalt, Essen und Kinder kümmern. Dadurch können sie auf der Karriereleiter nach oben steigen, nur ihr eigener Horizont ist die Grenze.

Auf der anderen Seite kenne ich Frauen wie meine Schwägerin. Sie hat eine kleine Tochter und will weder studieren noch arbeiten, lieber möchte sie ihr Kind aufziehen. Das ist natürlich ihre Entscheidung, aber die Gesellschaft erwartet das nicht von ihr, um sie eine gute Mutter zu nennen.

Isi, du hast zwei Jahre als studierende Mutter in Deutschland gelebt, wie hast du unser Land erlebt?

In Deutschland ist die gesellschaftliche Meinung sehr wichtig, sie gibt vor, wie ihr zu Leben habt. Deshalb bekommen immer weniger Paare hier Kinder, weil sie sie als Bürde, als Hindernis betrachten.

Kürzlich sprach ich in Frankfurt mit einem deutschen Mädchen, sie war durch die Abiturprüfung gefallen und wollte nun ein Jahr als Au-pair nach Australien. Ich sagte zu ihr: Du lebst hier in Deutschland, dir stehen soviele Möglichkeiten offen, und da willst du als Au-pair den Haushalt machen und Kinderpopos wischen? Manchmal verstehe ich euch Deutsche nicht. Ich kenne so viele Afrikaner, die alles dafür tun würden, um einen deutschen Pass zu haben. Aber ihr wisst nicht zu schätzen, was ihr habt.

Ich habe hin und her überlegt, ob ich über dieses Gespräch bloggen soll, denn ich wollte NICHT den Eindruck erwecken, wir bräuchten in Deutschland auch Nannys, die für 50 Euro im Monat arbeiten, und die Frage der Vereinbarkeit wäre geritzt. Die Diskussion ist bei uns vor allem emotional und ideologisch aufgeladen, auch wenn wir viel über (Eltern-/Betreuungs-)Geld diskutieren. Dafür entschieden habe ich mich, weil ich seit einiger Zeit Berichte über die wirtschaftliche Entwicklung vieler Regionen Afrikas verfolge. Kürzlich schrieb der SPIEGEL in einer Afrika-Serie „Warum Afrika viel besser ist als sein Ruf“. Auch Isi erzählte, sie begegne bei uns oft stereotypen Afrikabildern, dabei wäre ihre Heimat modern und gut entwickelt, sie entspräche so gar nicht dem Bild von Buschhütten und hungernden Kindern. So wenig wie Oslo und Neapel einander gleichen, so wenig können wir Afrika durch eine einheitliche Brille sehen. Daher teile ich dieses kleine Streiflicht auf meine Zufallsbekanntschaft mit euch.

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Konzern statt Stadtbücherei: Vortrag in Berlin

Vergangenen Freitag war ich eingeladen, einen Vortrag über mein Buch zu halten. Nicht wie bislang als Lesung in einer Bücherei oder einem lauschigen Café, sondern unter dem Dach eines großen deutschen Konzerns, mitten in Berlin.

Nachdem ich beim Werkschutz meinen Ausweis vorgelegt hatte, passierte ich die Schranke in eine scheinbare Männerdomäne. Der Frauenanteil im Unternehmen liegt bei circa 15 Prozent, in der obersten Führungsebene noch darunter. Auch deshalb haben die weiblichen Angestellten vor einem Jahr ein Frauennetzwerk gegründet. An dessen erstem Geburtstag durfte ich vor dieser Runde sprechen – über Mütter zwischen Kindern und Karriere weltweit, und was wir von Ihnen lernen können. Das Publikum bestand aus ganz unterschiedlichen Frauen: Schweißerinnen, Managerinnen, Mechanikerinnen, Schwangere, Mütter und Nicht-Mütter. Sogar eine junge Frau im Mutterschutz war für diesen Termin in die Firma gekommen. Sie hat gleich ein Exemplar von „Zwischen Karriere und Krabbelgruppe“ mitgenommen – vielleicht um sich mit den Geschichten ein wenig auf den Wiedereinstieg vorzubereiten?

Peggy Wandel, Foto: Stefanie Heider

Peggy Wandel, Foto: Stefanie Heider

Thema Vereinbarkeit im Betrieb thematisieren

Während ich erzählte und der Beamer Bilder der interviewten Frauen an die Wand warf, wurde mir immer klarer, dass ich genau am richtigen Ort war. Mitten im Unternehmen unter Frauen, die sich mit der Thema Vereinbarkeit oft Tag für Tag auseinandersetzen. Wieso war ich nicht schon früher auf die Idee gekommen, mit dem Thema in Betriebe zu gehen? Irgendwie hatte ich gedacht, Lesungen gehörten in Büchereien oder Buchhandlungen (in einer Klinik habe ich auch schon Station gemacht, aber das ist kein klassisches Unternehmen). An dieser Stelle ein großes Dankeschön an die Frauenrunde, die mir vergangenen Freitag zuhörte und mit mir aufgeschlossen in einer Stunde „um die Welt reiste“. Um anschließend spannendes aus ihrem Leben mitzuteilen.

 Blitzlichter aus Frauenleben

Die eine erzählte von ihrem Mann, der zwei Anläufe nahm, um in Elternzeit zu gehen. Er arbeitet in einem kleinen Maschinenbaubetrieb in Berlin. Als er vor der Geburt des ersten Kindes anmerkte, er wolle gerne zwei Vätermonate nehmen, bekam er vom Chef zu hören: „Das kannst du machen, aber ob dein Job anschließend noch da ist, kann ich dir nicht versprechen.“ Also ließ er es bleiben. Beim zweiten Kind wagte er erneut einen Versuch – diesmal stimmte der Chef zu. In der Zwischenzeit war dieser nämlich selbst Vater geworden und hatte dabei wohl gemerkt, wie wichtig es ist, Zeit mit dem eigenen Nachwuchs zu verbringen.

Eine andere Frau, gelernte Metallbearbeiterin (an die genaue Berufsbezeichnung kann ich mich nicht erinnern), musste bei der Gesellenprüfung (damals noch in einem anderen Betrieb) erst einmal erklären, was Metall ist. Ähnliche Schikanen erlebte sie in den gut zwanzig Jahre seither immer wieder. Erst diese Woche habe sie ihrem Chef unmißverständlich signalisiert, dass sie endlich befördert werden will.

Eine Führungskraft ermutigte die Frauen, gerade in technischen Berufen selbstbewußt aufzutreten. Ein Werksleiter habe ihr zum Beispiel gesagt, er wünsche sich mehr Schweißerinnen. In China sei das sowieso ein typischer Frauenberuf.

Eine weitere Frau aus der Kommunikationsabteilung hatte zuvor acht Jahre in den USA gearbeitet. Ihr Mann ist ebenfalls in führender Funktion in einem großen Unternehmen und hat nun viel mit Skandinavien zu tun. Für ihn sei der Kontrast zwischen den USA und seinen skandinavischen Mitarbeitern besonders groß. In Schweden oder Norwegen geht die Familie ganz klar vor. Dort holt man die Kinder um 16 Uhr pünktlich von der Kita ab, auch wenn das Meeting noch nicht zu Ende ist. Und wenn ein Kind krank wird, bleiben Papa und Mama in der Regel abwechselnd zu Hause – ohne das bei uns scheinbar vorprogrammierte schlechte Gewissen.

Eine andere Frau und Führungskraft (gibt es dafür eine weibliche Bezeichnung?) ist alleinerziehende Mutter von drei Kindern und damit sehr glücklich. Dazu trägt ein Au- pair ganz maßgeblich bei: „Sie übernimmt quasi den „Hausfrauenpart“ bei uns und ich verdiene das Geld für die Familie.“ Auch das ist eine gute Lösung, wenn genug Platz in der Wohnung vorhanden ist. Mir wurde mal wieder bewußt: Du brauchst nicht weit zu reisen, um spannende Lebensgeschichten zu hören – jeder Mensch hat eine gute Geschichte zu erzählen, wenn man ihm oder ihr nur lange genug zuhört.

Bis zum nächsten Mal!

mum02

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Urlaubseindrücke: Mit Kindern unterwegs in Finnland

Nachdem wir gerade zwei Wochen auf Familienurlaub in Finnland waren, will ich heute ein paar meiner Eindrücke mit euch teilen. Wer mein Buch „Zwischen Karriere und Krabbelgruppe“ gelesen hat, ist bereits im ersten Kapitel meiner finnischen Freundin Petra und ihrer Familie begegnet. Sie haben wir diesen Sommer wieder besucht und ihre großartige Gastfreundschaft genossen! Mutterschaftspakete, Kindertagesstätten von 7 bis 17 Uhr und im Bedarfsfall sogar 24 h am Tag – Finnland hat einiges zu bieten für beruftstätige Eltern und ihre Kinder. Im Urlaub musste ich allerdings feststellen, dass die Kinderfreundlichkeit im Alltag auch in Finnland ihre Grenzen kennt.

Überall zu finden: Lakritze liegen die Finnen, ob süß oder salzig!

Überall zu finden: Lakritze lieben die Finnen, ob süß oder salzig!

Im Restaurant gab es nicht immer Kindergerichte, und wenn doch, war dies am Preis nicht zu spüren. Für einen Kinderteller Nudeln mit Tomatensoße bezahlten wir in einem wirklich einfachen Lokal 11,90 Euro. Überhaupt, die Preise: Ein Stück Kuchen kostet 6 bis 8 Euro, ein Hefeteilchen 3 bis 4 Euro, eine Pizza Margarita circa 15 Euro. Obwohl es unser Budget gesprengt hat, waren wir ab und zu essen. In keinem der Lokale schenkte man den Kindern besondere Aufmerksamkeit*, es gab zum Beispiel nie Malstifte oder gar einen Lolli zum Nachtisch. Letzteres mag daran liegen, dass finnische Kinder im Allgemeinen nur samstags Süßigkeiten essen sollen. Auch habe ich es unterwegs so gut wie nie erlebt, dass die Kinder angelächelt wurden – das hängt sicher mit der meist sehr zurückhaltenden Art der Finnen zusammen. Apropos ausgehen und Restaurants: In Finnland bestellt man grundsätzlich am Tresen und bezahlt auch sofort. Man bekommt dafür ein Nummernschild, das man auf seinen Tisch stellt, bis die Bestellung eintrifft. Bis wir das Konzept kapiert hatten, saßen wir zwei Mal in einer Gartenwirtschaft und dachten „Wieso beachtet uns denn niemand?“. Dann ging uns ein Licht auf…

Lesen konnten wir ja nichts, aber auf Nachfrage waren die Menschen hilfsbereit und sprachen meist auch sehr gut Englisch. Ein bißchen finnisch haben wir unterwegs auch gelernt – das ist schon toll, wenn man zu Gast in einer finnischen Familie sein darf.

Mämmi, eine finnische Dessert-Spezialität: Ein süßer Brei aus Malz und Zucker, mit Vanillesoße ganz lecker

Mämmi, eine finnische Dessert-Spezialität: Ein süßer Brei aus Malz und Zucker, mit Vanillesoße ganz lecker

*Nachtrag: an unserem letzten Abend in Helsinki landeten wir in der Obhut äußerst lustiger und freundlicher Kellner, die auch mit den Kindern viele Späße machten und ihre angestaubten Deutschkenntnisse auspackten!

Im Mumin-Theater!

Im Mumin-Theater!

Freizeit

Es gibt gerade im Sommer jede Menge Attraktionen für Kinder, Freizeitparks wie das „Muminland“ in Naantali (überhaupt, die netten Mumins bevölkern das ganze Land). Allerdings haben die Parks ihren Preis – pro Person zahlten wir für einen Tag im Muminland 25 Euro, in einem Park für etwas größere Kinder zahlen alle über 120 cm Körpergröße sogar 37 Euro Eintritt. Und die Attraktionen im Park sind zum Großteil nicht inklusive, sondern kosten extra. Die Mumins haben wir dennoch absolut ins Herz geschlossen und lesen derzeit das Buch „Geschichten aus dem Mumintal“. Und in Lahti fanden wir dank unserer Freunde einen wunderbaren Park mit Ritterburg, Spielplätzen und Verkehrsübungsplatz inklusive Fahrzeugen für die Kleinen – Eintritt frei (dafür fahren gerade kinderreiche Familien wohl extra aus Helsinki die 100 km nach Lahti).

Schule

Lustig fanden die Finnen, dass wir Deutschen soviel Geld für einen Schulranzen ausgeben! In Finnland kauft man den Kindern einen Rucksack im unteren zweistelligen Euro-Bereich. Dementsprechend wenig Aufhebens machen die Finnen auch um den Schulranzen. Petras Sohn wird am 12. August eingeschult und als wir Ende Juli zu Besuch kamen, hatten sie noch keinen Ranzen für ihn. Ich war ganz beeindruckt ob ihrer Coolness dieses wichtigen Themas gegenüber 🙂 (in Deutschland werden die zukünftigen Erstklässler ja ungefähr ab Ostern gefragt: „Hast du schon einen Schulranzen?“). Die Einschulung selbst ist kein Fest in Finnland, die Kinder gehen am ersten Montag nach den Sommerferien einfach allein in die Schule.

Übrigens habe ich später in Helsinki dann doch einige Lego-Rucksäcke entdeckt, die optisch in Richtung Schulranzen gingen und für stolze 79 Euro zu haben waren. Für Scout-Kunden aus Deutschland natürlich immer noch ein Schnäppchen! Was die Kinderbetreuung für Schulkinder angeht, gibt es auch in Finnland wohl Engpässe. Petra erzählte mir, einige Kinder bekämen keinen Platz und wären – wenn die Eltern beide berufstätig sind – schon ab der ersten Klasse am Nachmittag allein zu Hause. Denn der Unterricht endet in den ersten Klassen häufig um 11 oder 12 Uhr.

Unsere Kinder haben die Zeit mit ihren finnischen Freunden sehr genossen

Unsere Kinder haben die Zeit mit ihren finnischen Freunden sehr genossen

 

Die Finnen sind ja ein sehr naturverbundenes Volk, daher möchte ich euch meine Vogelstimmen-Erlebnisse nicht vorenthalten. An ungemütlichen Orten wie riesigen Tiefgaragen (das Zentrum Helsinkis ist quasi unterhöhlt) oder Flughafentoiletten beschallen sie die Besucher mit sanftem Vogelgezwitscher aus finnischen Wäldern. Nette Idee, oder?

P.S. Sehr angenehmer Nebeneffekt der fremden finnischen Sprache: Am Strand riefen nur meine Kinder „Mama“, alle anderen schrien „Äiti“.

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Schwanger in New York: Penner, Prostituierte und ein Neugeborenes

Kinderkriegen in New York vs. Deutschland: Sarah erzählt

Kinderkriegen in New York vs. Deutschland: Sarah erzählt bei mum02 darüber

 

Eine deutsche Freundin von mir hat ihr erstes Kind bekommen – nicht in Deutschland, sondern mitten im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, in New York City, Lower Manhattan. Was sie darüber erzählt, zeigt mir mal wieder, dass wir hierzulande sehr gut versorgt sind. Auch als ganz normale Kassenpatientin. Denn unbegrenzte Möglichkeiten können manchmal grenzenlos unheimlich sein. Oder wie Sarah sagt „New York ist nichts für Weicheier“. 

Die Geburt

Sarah*: „Insgesamt dauerten Wehen und Geburt 35 Stunden, ohne Pause. Zuerst waren wir lang daheim. Als die Wehen immer heftiger wurden, marschierten mein Mann und ich zu Fuß ins vier Minuten entfernte Krankenhaus. Dort bekam ich eine PDA, die sie für drei Stunden haben wirken lassen. Das war herrlich. Aber da ich dann keine richtigen Wehen mehr hatte, haben sie sie wieder abgestellt und die „push phase“ ging dann unbetäubt über fast vier Stunden, so dass ich am Schluss echt gedanklich mit dem Leben abgeschlossen hatte. Ich habe noch nie so was Anstrengendes hinter mich gebracht. Leider hab ich auch viel Blut verloren, so dass ich danach ziemlich blass und wackelig war. Und da sie mich und unser Baby nach 24 Stunden schon heimgeschickt haben, „wurschtelten“ mein Mann und ich uns fortan so durch.“

Nightmare im Emergency Room: Penner, Verbrecher, Prostituierte und ein Neugeborenes

Sarah: „Ich habe einen fiesen Dammschnitt bekommen, der mir sehr zu schaffen machte. Einen Tag nach der Entlassung aus dem Krankenhaus ist er zum ersten Mal wieder aufgeplatzt. Zu Fuß eilten wir – ich im Schlafanzug – in den Emergency room (das Krankenhaus liegt nur vier Gehminuten entfernt). Es war erneut eine Grenzerfahrung. Wir sind um 22 Uhr dort eingelaufen und kamen erst morgens um 2 Uhr wieder raus! Warum? Weil sich die Abteilungen des Krankenhauses nicht absprechen und man uns „vergessen“ hatte. Die vier Stunden werden mir nicht nur aufgrund meiner irren Schmerzen, sondern vor allem aufgrund der Gesellschaft dort, immer im Gedächtnis bleiben. Wir teilten die dreckigen Räumlichkeiten mit einem betrunkener Penner, den sie zur Ausnüchterung auf einer Pritsche festgebunden hatten und der dauernd schrie, weil ihm das nicht passte. Auf der anderen Seite lag ein Verbrecher in Handschellen, bewacht von zwei Polizisten mit Knarre im Anschlag, der zusammengeflickt wurde. Dazu kamen zwei verprügelte Prostituierte, die sich gegenseitig die ganze Zeit angeschrien haben. Dazwischen mein Mann, unser zwei Tage altes Baby und ich mit meinen Schmerzen. Wahrscheinlich hätte auch ich viel lauter schreien sollen. Endlich wurde ich dann genäht. Das tat scheusslich weh und mir war hinterher einfach nur schlecht. New York ist bestimmt kein Platz fuer Weicheier… “

Krankenkasse und finanzielle Unterstützung? Mager…

Sarah: „Wir bekommen, anders als in Deutschland, keinerlei staatliche Unterstützung. Lediglich eine minimale Steuererleichterung. Diese wird aber mehr als aufgefressen, weil nun die Krankenversicherung für eine Familie und nicht mehr für ein verheiratetes Paar berechnet wird…  Die Krankenkassenleistungen sind auch eher bescheiden, ein Selbstbehalt selbstverständlich. Beispielsweise für:

  • Geburt & Emergeny Room: $ 1000 Selbstbeteiligung
  • Akupunktur / Chiropraktiker: $ 800, komplett selbst bezahlt, wird nicht unterstützt
  • Private Hebamme für Geburtsbegleitung: $ 2000 plus Zusatzdienstleistungen nach der Geburt
  • Medikamente nach der Geburt: $ 100, alles Selbstzahler“

Hebammenbetreuung und Mutterschutz – ein Luxus

Sarah: „Eine Hebammenbetreuung gibt es nicht. Allerdings kenne ich eine deutsche Hebamme hier, die schon zu uns nach Hause kam und Hilfestellung gegeben hat. Das kostet dann aber 80$ pro Stunde. Es ist schon herrlich, was Deutschland diesbezüglich alles bietet. Aus meiner momentan Sicht das reinste Schlaraffenland. Trotzdem bekommen die Amis Kinder wie die Verrückten. Und die Deutschen heulen dagegen oft, wie schlecht alles ist. Schade. Ich habe durch die Zeit in New York wirklich eine hohe Wertschätzung entwickelt für vieles in der alten Heimat. Es ist nicht alles super, aber vieles wirklich sehr gut. Der deutsche Mutterschutz zum Beispiel. Eine gesetzliche Regelung gibt es hier in den USA nicht wirklich, man arbeitet bis zur Geburt und anschließend durfte ich gerade mal einen Monat zu Hause bleiben.“

* Den Vornamen haben wir geändert.

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Sommerferien: Eine organisatorische Herausforderung für berufstätige Eltern

Komme gerade von einem Lunchdate mit einer anderen working mum. Sprachen über die nahenden Sommerferien (ihre Tochter geht in die Grundschule, der Sohn wird nach den Ferien eingeschult). Als in Vollzeit arbeitende Mama hat sie diese bereits generalstabsmäßig geplant:

Woche 1 und 2: Sind die Kinder beim Kinderferienprogramm eines Umweltbildungszentrums angemeldet, zum Ganztagesprogramm bis max. 17 Uhr. Die Kids freuen sich darauf wie verrückt, die Eltern kostet der Spaß pro Kind und Woche 120 Euro.

Ferien - schön, wenn man sie genießen kann!

Ferien – schön, wenn man sie genießen kann!

Woche 3 und 4: Familienurlaub – mit dem Auto nach Berlin zu den Großeltern, von dort mit dem Flieger in den zweiwöchigen Urlaub.

Woche 5: Die Eltern fahren ins Schwabenland zurück und arbeiten, die Kinder bleiben noch eine Woche bei den Großeltern in Berlin.

Woche 6: Die Kinderübergabe erfolgt irgendwo zwischen Reutlingen und Berlin (so fahren Großeltern und Eltern die halbe Strecke und treffen sich in der Mitte). Den Rest der Woche verbringen die Kinder wieder beim Kinderferienprogramm (siehe Woche 1).

„Puh, und dann sind diese sechs Wochen wieder überstanden“, so meine Freundin. „Obwohl, ich nehme dann noch eine Woche Urlaub für die Einschulung meines Sohnes, die ist erst donnerstags und in der Woche gibt es kein Ferienprogramm mehr und noch keine Betreuung an der Schule.“

Ein kleiner Trost: US-amerikanische Eltern haben es womöglich noch schwerer mit der Weiterlesen

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Erziehungsgeheimnisse aus Paris: Buchrezension ;-)

 Nachdem mich internationale Geschichten magisch anziehen, musste ich mir dieses Buch einfach bestellen (es war nicht gleich lieferbar, so groß war wohl die Nachfrage):

„Warum französische Kinder keine Nervensägen sind – Erziehungsgeheimnisse aus Paris“ von der US-Amerikanerin Pamela Druckerman. Ich habe es dann tatsächlich an einem Wochenende verschlungen (praktischerweise verbrachte ich besagtes Wochenende im April über weite Strecken in einem Abteil der Deutschen Bahn, ganz ungestört). Dennoch hat es mit der Rezension eine Weile gedauert, aber so konnte sich das Gelesene ein wenig setzen. Obwohl, bei meinem ausgeprägten Kurzzeitgedächtnis konnte es sich womöglich eher verflüchtigen. Also mal sehen, was ich noch weiß – auch ein Gradmesser für die Qualität der Inhalte. Fangen wir mal mit dem Einband an:

Bild: http://www.randomhouse.de/Buch/Warum-franzoesische-Kinder-keine-Nervensaegen-sind/Pamela-Druckerman/e403722.rhd

Optik: Wachstischtuch-Charme meets urban style. Dazu Hardcover. Gefällt mir, vermutlich auch weil mich die Grafik an den besten der drei Erziehungsratgeber erinnert, die ich jemals gelesen habe*.

Unterhaltungswert: Definitiv hoch! Amüsant, kurzweilig, gut geschrieben. Witzig ist beispielsweise der Kontrast zwischen dem US-Background der Autorin und wie sie – derartig „geimpft“ eintaucht in die Welt der Pariser Eltern. Die gleicht in ihren Augen anfänglich einem Geheimbund à la Freimaurer, bis sie sich Schritt für Schritt und Kind für Kind einen Platz darin erobert.

Inhalt: hier greife ich mal drei Aspekte heraus, sonst wird dieser Post diese Woche nicht mehr fertig.

Sex

In einem Erziehungsratgeber? Mais pourquoi pas? Weiterlesen

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„Ich wünschte, ich hätte eine Frau“: Working mums in Indien

Als Sophie auf BerlinFreckles die erste Blogparade „Jede Mutter zählt“ ausrief, wusste ich gleich: Ich bin dabei. Dann entwickelte sich der März zum bislang arbeitsintensivsten Monat seit langem und ich muss mich sputen, noch einen Beitrag beizusteuern.

Zu Wort kommen darin meine Freundinnen Sanjita und Simi aus Mumbai, Indien. Was sie mir von ihrer Mutter und Großmutter erzählten, hat mich tief beeindruckt. Diese Frauen haben mit dafür gesorgt, dass die Schwestern zu so starken und unabhängigen Frauen wurden, die diese Stärke heute an ihre eigenen Kinder weitergeben. Simi und Sanjita sind Mitte beziehungsweise Ende 40, haben zusammen fünf Kinder und eine kleine Textilagentur, die sie gemeinsam mit ihrer Mutter betreiben.

Simi: Wie sagt meine Schwester immer? „Ich wünschte, ich hätte eine Frau!“ Es wäre so gut, eine Ehefrau zu haben, die sich zu Hause um die Kinder kümmert, während wir schuften.

Sanjita: Eine “working mum” in Indien zu sein ist für die meisten Frauen harte Arbeit. Ihre Mütter haben so gut wie nie außer Haus gearbeitet, so dass es ihnen an Vorbildern mangelt. Meine Mutter war immer für uns und ihre vier Kinder da. Als wir klein waren, zauberte sie auf der Nähmaschine die schönsten Kleider für meine Schwester und mich. Dann waren da noch die sieben Schwestern meines Vaters, alle sehr geschickt in Handarbeiten wie Nähen, Sticken, Klöppeln. Seit ich zurückdenken kann, umgebe ich mich gern mit schönen Stoffen.

Sanjita: Unsere Mutter ist eine der nettesten Mütter, die du dir vorstellen kannst. Sie wuchs auf in T-Shirts und kurzen Hosen – absolut ungewöhnlich für Indien, damals Anfang der 1940er Jahre wie heute. Sie und ihre Schwester waren die einzigen Mädchen in ihrer Schule. Mein Großvater war ein ganz besonderer Mann, sanftmütig und intellektuell. Er war Schulinspektor und verfasste außerdem zahlreiche Schulbücher. Mit meiner Großmutter hatte er acht Kinder, fünf davon gingen gleichzeitig aufs College. Ich meine, sie gingen alle acht aufs College, aber für fünf Kinder gleichzeitig zu bezahlen muss irrsinnig schwer gewesen sein. Meine Großmutter versetzte ihren Schmuck und verpfändete den erhofften Gewinn, den die Bücher ihres Mannes abwerfen würden. So stellte sie sicher, dass alle Kinder eine gute Ausbildung erhielten.

Simi: Für mich und meine Schwester ist es einfacher, Beruf und Familie zu vereinbaren, denn wir arbeiten selbständig. Ein Grund, weshalb wir Anfang der 1990er unsere Firma gegründet haben war es, auch meiner Mutter die Chance zu eröffnen, einer Tätigkeit nachzugehen. Sie hatte zwar das College absolviert –  in ihrer Generation noch unüblich –  war jedoch nie berufstätig, weil sie sich um uns vier Kinder kümmern musste. Meine Mutter war als Hausfrau so wild darauf zu arbeiten, dass sie sich laufend weiterbildete und nebenher Wirtschaftswissenschaften und Jura studierte. Auch für meine Schwester und mich war die eigene Firma der beste Weg, Beruf und Familie zu vereinbaren, ohne auf das eine oder andere zu verzichten. Heute sind wir drei gleichwertige Partner in unserer Einkaufsagentur.

Sanjita: Indien ist ein riesiges Land mit vielen Gesichtern – arm und reich, rückständig und aufgeschlossen. Dass meine Schwester und ich so eigenständig sind, verdanken wir in erster Linie unserem Elternhaus und dem Zusammenhalt in unserer Familie, der es uns erlaubt, unser Leben so zu leben wie wir das tun.

Simi: In unserem Job sind wir viel unterwegs. Als meine Kinder klein waren, ertrug ich es kaum, von ihnen getrennt zu sein. Ich bin wohl eine ziemliche Glucke…. Meine Art, die Kinder zu umsorgen, habe ich sicherlich von meiner eigenen Mutter übernommen. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt in unserem Leben. Alle zehn Enkelkinder sagen „Mama“ zu ihr. Sie scheinen sie genauso zu lieben wie ihre richtige Mutter. Ich denke, Kinder stehen der Familie ihrer Mutter immer besonders nah. Bei uns ist die gute Seele, der Kompass in unserem Leben.

Ein schönes Schlusswort, das wohl überall auf der Welt Berechtigung hat. Hinzufügen möchte ich nur noch, dass ihr mehr von Simi und Sanjita nachlesen könnt in meinem Buch „Zwischen Karriere und Krabbelgruppe“. Dort liegt der Fokus eher auf dem Leben von Simi, doch die sagte mir bei unseren Gesprächen immer wieder: „Ich möchte die Geschichte meiner Mutter widmen, ihr verdanke ich, wer ich heute bin.“

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